Durch die Welt ein Riss

Das Zugunglück von Aßling 1945 - Geschichte einer Tragödie
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Bayern im Buch-Rezension
Eines der schwersten Zugunglücke in Deutschland und die Vorgeschichten der Beteiligten.
Der Autor hakt an dem Zusammenstoß von zwei Zügen bei Aßling, in der Nähe von Ebersberg, im Juli 1945 fest, wie sich schon die Wochen und Monate zuvor die "heile" ländliche Welt verändert hatte; nicht zuletzt war das Dorf von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs wegen seiner Nähe zu München betroffen. Beginnend mit den ersten Meldungen über das Unglück mit über 100 Toten und die Rettungsversuche in einer Situation mit wenig funktionierender Technik und Organisation, greift Viktor immer wieder auf Begebenheiten kurz zuvor zurück, die direkt oder indirekt das Handeln der Protagonisten bestimmen. Sei es die Sehnsucht eines Kriegsgefangenen, seine Frau und seinen Sohn wiederzusehen, nachdem er mehrere Monate im amerikanischen Camp bei Bad Aibling verbracht hat; sei es der Bahnhofvorsteher Franz Pongratz, der durch einen Bombenangriff auf die Bahnstrecke seine Frau und durch eine Mutprobe mit einer Handgranate seinen Enkel verloren hat. Oder der Tierarzt Fritz Marra, ein Optant aus Südtirol, der in seiner neuen Heimat nur schwer Fuß fassen kann, und sein Sohn Paul, der in der Schule ein Außenseiter bleibt, die aber beide auf ihre Art Menschenleben retten oder zumindest die Identifizierung der Toten erleichtern. - Viktors Erzählweise wirkt hektisch und sprunghaft, gibt aber so die Stimmung am Unglücksort greifbar wieder. Der Leser ist immer wieder erstaunt, welche Strapazen Beteiligte aushalten mussten, und wie trotz chaotischer Zustände in den ersten Nachkriegswochen doch noch Kommunikation und Hilfe gelingt. Geschickt hat er in den Erzählfluss die mentale Stimmung der Einheimischen eingebettet, mit ihrer Ablehnung von Veränderungen und der Menschen, die bei ihnen Zuflucht suchen. Das Zugunglück - so scheint es über weite Strecken - ist für ihn ein Vehikel, das Spannungsfeld zwischen Alteingesessenen, Ausgebombten und Flüchtlingen (aus Schlesien) aufzuzeigen. Durch die Nachrichten aus der Ukraine gewinnt die Darstellung zusätzlich an Aktualität.
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Artikelbeschreibung

Am Abend des 16. Juli 1945 bleibt nahe dem Dorf Aßling in Oberbayern ein Zug liegen. Die 1200 Soldaten an Bord haben den Horror des Krieges überlebt, endlich dürfen sie nach Hause. Doch nicht alle werden ihr Ziel erreichen. Vom Zufall zusammengewürfelt, treffen fünf grundverschiedene Menschen am Zug aufeinander, darunter ein rastloser Deserteur, der jähzornige Dorftierarzt und die rebellische Tochter eines gefürchteten Großbauern. Von den Wogen der letzten Kriegswirren mitgerissen, tauchen sie ein in eine Nacht, nach der nichts mehr so sein wird wie zuvor. Die Geschichte zeigt ein Dorf an einer radikalen Zeitenwende - und hebt dabei ein vergessenes historisches Ereignis ans Licht: das schwerste Zugunglück in Deutschland seit 1945.

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