Ludwigsvorstadt

Reiseführer für Münchner
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Bayern im Buch-Rezension
Die Wandlung eines Stadtviertels seit seiner Gründung.
Zu den gehobenen Wohn- und Geschäftsvierteln der bayerischen Landeshauptstadt zählt die Gegend rund um den Hauptbahnhof keinesfalls. Doch im späten 19. Jh. war die rund um die Theresienwiese gelegene Ludwigsvorstadt, benannt in Erinnerung an die Hochzeit König Ludwigs I. mit Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahre 1810, ein vornehmes Künstlerviertel. Maler, Bildhauer und Schriftsteller ließen sich von bedeutenden Architekten hier repräsentative Villen errichten. Zentrum dieser ehemaligen Münchner Vorstadt ist natürlich die Theresienwiese mit der von Ludwig von Schwanthaler im Jahre 1837 entworfenen Bavaria und der mit Büsten bayerischer Persönlichkeiten bestückten Ruhmeshalle. Klar, dass ein Großteil dieses Stadtviertelführers der Geschichte und der Entwicklung des Oktoberfestes mit zahlreichen historischen Fotos gewidmet ist. Da die Revolution von 1918/19 mit rund 50.000 Teilnehmern von der Theresienwiese aus ihren Anfang nahm, wird zwar knapp, aber mit reichlich Bildmaterial der Ereignisse des 7./8. November 1918 gedacht. Auch den Jahren zwischen 1933 und 1945 ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Da zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Spitäler Münchens vor die Tore der Stadt verlegt wurden, um die Kranken und Genesenden in frischer Luft gesunden zu lassen, ist im Verlauf der Zeit hier das Klinikviertel mit heutzutage einem guten Dutzend Krankenhäusern entstanden, die in Bild und Text ausführlich beschrieben werden. Und auch die Erweiterung und die damit verbundenen baulichen Veränderungen des Hauptbahnhofs in den letzten 170 Jahren und die in unmittelbarer Nähe gelegenen, hauptsächlich vor und rund um 1900 entstandenen pompösen Hotels mitsamt den feinen Restaurants und den Bierburgen sind ebenfalls bestens dokumentiert Dazu nicht zu vergessen die erfreulich umfangreiche Bilderpräsentation und die Beschreibung der Häuser und Geschäfte im Wandel der letzten 200 Jahre. Weshalb dieser "Reiseführer für Münchner" durch seine höchst beeindruckende Anzahl von selten publizierten historischen Fotos, alten Stichen und Lithographien, von Stadt- und Bauplänen sowie zahlreichen anderen Illustrationen als Vademecum für einen Streifzug zur Erkundung der Ludwigsvorstadt besticht.
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Artikelbeschreibung

Viele Münchner Stadtviertel und damit auch ihre Bewohnerinnen und Bewohner beziehen ihre Identität aus der oft jahrhundertelangen Geschichte ihres Viertels. Die Ludwigsvorstadt ist noch jung. Den Namen gibt es erst seit 1812. Davor gab es hier nur Wiesen und Felder, die zudem so karg waren, dass sie nicht einmal gut zu nutzen waren. Doch in kurzer Zeit erfolgten einige markante Entwicklungen, die dem Viertel seine einzigartige Stellung in München verleihen und den Charakter des Viertels bis heute prägen.1810: Als die Münchner auf der Hangkante standen und begeistert dem Pferderennen zusahen, das anlässlich der Hochzeit der späteren Namensgeberin Therese mit ihrem Ludwig veranstaltet wurde, haben sicher viele von ihnen die große freie Fläche zur Stadt und den weiten Blick bis zu den Alpen genossen, so auch die Hochzeiter. Für Ludwig wurde die Anhöhe zum repräsentativen Bauplatz für Bavaria und Ruhmeshalle. Therese wurde zur Namensgeberin der Wiese, auf der seit damals das weltberühmte Oktoberfest stattfindet.1813: Mit der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses vor dem Sendlinger Tor wurde der Grundstein für das Klinikviertel gelegt. Für nahezu alle medizinischen Fakultäten entstanden hier Fachkliniken. Auch wenn für die kommenden Jahren erhebliche Änderungen angekündigt sind, mit der neu erbauten Portalklinik wird die Medizin das Viertel noch lange prägen.1830: Albrecht Adam war einer der ersten Künstler, der sich in den Gärten und Wiesen vor der Stadt ein Atelier einrichtete. Viele weitere Künstler folgten. Ihre Atelier- und Wohnbauten trieben die Stadt immer weiter gen Westen. Von der Künstlerzeit ist leider nicht mehr viel da, mehr Ateliers wären unbedingt wünschenswert.1840: Nachdem der erste Bahnhofs-Schuppen von 1839 abgebrannt war und ein neuer großstädtischer Bahnhof für den zunehmenden Eisenbahnverkehr nahe zur Stadt gebaut wurde, entstanden damit auch Handelsniederlassungen, Hotels und Vergnügungsstätten für die vielen Reisenden. Nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs hat sich um den Bahnhof ein spannendes multikulturelles Stadtviertel entwickelt. Die provisorischen Bauten der Amüsierbetriebe für die amerikanischen Besatzungssoldaten machten in den 1970er Jahren Platz für "Gastarbeiter", türkische Geschäftsleute und immer mehr und größere Hotels für die Touristen.1880: Rund um die Theresienwiese entstand ein einzigartiges Villenviertel, ganz modern mit viel Grün und Luft, erstellt von den renommiertesten Architekten und Baumeistern der Zeit. Nicht gerade für jeden erschwinglich waren die Villen damals schon.In der Ludwigsvorstadt sind fast alle dieser doch sehr verschiedenen Entwicklungen auch heute noch direkt erfahrbar. Der Reiz der großen Unterschiede macht die Ludwigsvorstadt zu einem der interessantesten Viertel Münchens: von der vornehmen Welt des Wiesenviertels zum urbanen Durcheinander des Bahnhofsviertels und von den Kliniken bis zur Weltmarke Oktoberfest.

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