Der Morgen gehört uns

Roman. Was bringt einen sensiblen Jungen aus gutem Hause dazu, nach rechts abzudriften?
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Nachdruck. Folgt laut Verlag/Lieferant: 17.07.2024
Buchprofile - Rezension
Analyse der Radikalisierung eines 19-jährigen Jungen.
Im Rückblick berichtet der inzwischen geläuterte Ettore, wie er sich als Junge zu Beginn der 2000er-Jahre von einer neo-faschistischen Gruppe angezogen gefühlt hatte. In der Schule in einem Mailänder Vorort fühlt er sich ausgegrenzt, hat keine Freunde und sucht nach einer größeren Idee, nach Ordnung, nach einer “Welt der Klarheit, ganz ohne Zweifel und Ängste”. Es beginnt mit einer Faszination für im Unterricht gesehene Filme über Mussolini. Im Gymnasium fühlt er sich verloren und “wartete darauf, dass einer meinen Namen rief … und mir erklärte, was ich tun sollte”. Da lernt er Giulio kennen, der ihn in seine “Federazione” einlädt, eine faschistische Jugendgruppe. Endlich fühlt er sich zugehörig, wenn auch unzulänglich, da er politisch ahnungslos ist. Mehr und mehr begeistert er sich für die Aktionen der Gruppe und fängt in seinem Wunsch nach Gerechtigkeit an, zu recherchieren über politische Märtyrer wie Jan Palach, den er so sehr bewundert, dass er beschließt, militant zu werden. Zugleich will er “auf der Seite der Guten stehen.” Als er mit Giulio in eine Schlägerei mit Kommunisten gerät, fühlt er sich voller Energie, “wie auf Drogen”. Gewalt fasziniert ihn immer mehr. Und doch fragt er sich gelegentlich, warum er sich “beschissen” fühlt in einer Kameradschaft, die für ihn ein Zuhause sein soll. Als sein Freund Gabriele zusammengeschlagen wird, will er ihn rächen und verletzt in seiner Wut den Angreifer mit einem Messer schwer. Der Schock und die anschließende Bestrafung rütteln ihn auf. Der Autor fragt sich, warum man Faschist wird, wenn man so jung und “alles in Ordnung ist”. Für ihn war es wohl “eine Frage der Ästhetik – und vor allem der Identität”. Der italienische Originaltitel “Die falsche Seite” trifft das Thema besser. Ein berührendes und nachdenklich machendes Buch, sehr empfohlen.
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Artikelbeschreibung

»Bei mir fing es mit Liebe an. Der Hass kam später.« Warum wählt die Jugend rechts? Dieser Roman versucht, eine Antwort zu geben. In diesem Sommer wird Ettore 18. Mit seinen Eltern, die verlernt haben, miteinander zu reden, lebt er in einem kleinen Ort bei Mailand. Der einzige Mensch, dem er sich anvertraut, ist seine Großmutter Elsa. Das ändert sich, als er die Schule wechselt. Dort lernt er den charismatischen Giulio kennen, der ihn in den Kreis der Federazione, einer faschistischen Jugendorganisation, aufnimmt. Gemeinsam gehen sie zum Demonstrieren auf die Straße und wirken an etwas Großem, Gerechten mit, wie Ettore denkt. Als es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Gegenseite kommt, ist er wie elektrisiert. Und verheimlicht Elsa erstmals etwas. Aus Angst, dass der Weg, den andere für falsch halten, für ihn der einzig richtige sein könnte. Atmosphärisch und schmerzhaft gegenwärtig erzählt Davide Coppo von einer gefährlichen Anziehung und seiner eigenen Vergangenheit.

Produktsicherheit

Hersteller: Kjona
Anschrift: Vilshofener Str. 10
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Kontakt: info@hanser.de

Personeninformation

Davide Coppo ist Chefredakteur der Sportzeitschrift Rivista Undici und schreibt daneben u.a. für GQ. Er lebt in Mailand und ist Inhaber einer kleinen Weinbar. »Der Morgen gehört uns« ist sein erster Roman. Jan Schönherr lebt in München und hat Autor:innen wie Ian McGuire, Jack Kerouac und NoViolet Bulawayo übersetzt. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Bayerischen Übersetzerstipendium.

Pressestimmen

»Mit einer Zärtlichkeit, die unter die Haut geht, erzählt Davide Coppo von einem Jungen und seiner Faszination für Gewalt, hinter der eine verzweifelte Suche nach Sinn und Bedeutung steckt.« Vincenzo Latronico
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