Verdorbene Buchstaben, heilige Schriften und letzte Worte

Eine Sammler-Reise durch Schriftkulturen und -traditionen
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Buchprofile - Rezension
Wenn Ideen sinnenfällig werden – Objekte der Schriftkultur.
An Büchern und Schriften interessiert vor allem der Inhalt, der Geist, die Idee, die in ihnen steckt und weitergegeben wird. Der Graubündner Philologe und Essayist Iso Camartin weitet seine bibliophile Haltung auch auf das Materielle, die Schriftkultur als solche bis hin zu den einzelnen Buchstaben, den sinnenfälligen Zeichen und Symbolen aus. Dazu wählt er aus seiner reichen Privatsammlung von Figuren, Ikonen, Tuschgefäßen, Pergamentrollen oder auch Thora-Zeigern und Gebetsriemen, um nur einige zu nennen, 26 Beispiele aus, die mit Schrift, Bildung und Weisheit zu tun haben, um nachzuzeichnen, wie sich Geistiges (Glaubensinhalte, Ideen) im Materiellen niederschlägt, sodass überhaupt erst Vergangenes vergegenwärtigt und in die Zukunft tradiert werden kann. Das kann etwa die Holzfigur eines altägyptischen "Würfelhockers" sein, dessen Hieroglyphen für den Autor zwar nicht zu entziffern sind, was ihn aber nicht davon abhält, aus seinen durchaus passablen Kenntnissen ägyptischer Kunst zwei plausible Textübertragungen zu phantasieren, die das dunkle Geheimnis dieses Gegenstands in seinen kulturellen Horizont zurückstellen. So verlieren solche Objekte plötzlich den Charakter des völlig Fremden und Isolierten, selbst wenn sie dem hinduistischen, chinesischen oder jüdischen Kulturkreis angehören, und werden zu ansprechenden Ausdrucksformen der geistigen Entwicklung der einen Menschheit.
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Artikelbeschreibung

Der Philologe und Essayist Iso Camartin geht anhand einer Auswahl von Objekten und Bildern aus seiner Sammlung den Schriftkulturen und Schrifttraditionen von den Keilschriften des Altertums bis heute nach. In 27 essayistischen Texten schreibt er über so faszinierende Objekte wie den ägyptischen Würfelhocker, eine 'Esther-Rolle' aus dem Judentum, über Korantafeln, Dantes Beatrice oder eine moderne Ikonen-Interpretation der zeitgenössischen Künstlerin Rebecca Horn.Die Entstehung der Schriftkunst bis zur Entdeckung des Alphabets und später der Druckbuchstaben gehört zu den wichtigsten Zivilisationsschritten aller Zeiten und Kulturen. Was nicht auf Felswänden gemalt, in Tontafeln gekritzelt, auf Papyri oder auf Tierhaut schriftlich festgehalten, in Skriptorien kopiert, in Knotenschrift wie bei den Inkas festgezurrt und ab der frühen Neuzeit dann in Büchern gedruckt wurde, bleibt hinsichtlich seiner Haltbarkeit und Abrufbarkeit höchst gefährdet. Die Schriftkultur ist zwar nicht die einzige, aber doch die zivilisatorisch wichtigste Errungenschaft, um die Vergangenheit gegenwärtig und die Zukunft gestaltbar zu machen.Iso Camartins Leidenschaft für Buchstaben entwickelte sich immer mehr zu einer Sammlerpassion für Bücher. Mit der Zeit weitete sich diese auch auf Objekte aus, die als Zeugen von 'Schriftkulturen' angesehen werden können. Iso Camartin gehört zur Gruppe jener Sammler, die nicht nur vom Nimbus des Geistigen, sondern auch von jenem des Materiellen angezogen sind, seien es Bücher oder Korantafeln: 'Alles Geistige in Ehren! Doch unterschätzen wir nicht die Anziehungskraft des Materiellen!' In seinen brillanten Essays bringt er beides in Buchform zusammen.

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