Der Bruder

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Buchprofile - Rezension
Erst im erwachsenen Alter trifft ein Schriftsteller seinen Bruder, von dessen Existenz er bislang überhaupt nichts wusste.
Filip, ein nicht gerade erfolgreicher serbischer Schriftsteller, erhält eines Tages einen Brief. Er kommt so überraschend, dass Filip zunächst lange zögert, den Brief zu öffnen, bis er schließlich doch zu lesen beginnt. Geschrieben hat den Brief ein Mann, der sich als sein Bruder Robert ausgibt und heute in Argentinien lebt. Aber von der Existenz eines Bruders hat Filip bislang überhaupt nichts gewusst. Wenn es stimmt, dass er einen Bruder hat, dann muss er ja seine ganze Autobiografie ("Das Leben eines Verlierers") neu schreiben?! Durch diesen Brief gerät die gesamte Identität von Filip nach und nach ins Wanken. Im zweiten Teil des Buches treffen sich die beiden Brüder in einem ehemals heruntergekommenen Lokal in Belgrad, das heute zu einem Nobelrestaurant umgestaltet worden ist. Die Annäherung der beiden sich bislang unbekannten Brüder wird zu einem atemberaubenden literarischen Kammerstück, in dem zwei erwachsene Männer in allen denkbaren Gefühlsausbrüchen ihre Identität als Bruder des jeweils anderen entdecken. Und so wie die beiden Hauptfiguren schließlich nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind, verliert auch der Leser immer mehr alle Sicherheiten in seinem Urteil über das Bruderpaar. Ist es eine Parabel auf den Untergang des alten Jugoslawien, auf die Zerstörung alter Familienstrukturen, auf die Sinnlosigkeit künstlerischen Schaffens? Ganz am Ende dann ein Schlüsselsatz des ganzen Buches: "Hinter Wörtern kann man sich verstecken wie hinter einer spanischen Wand. Schweigt man hingegen, ist man ohne jeden Schutz." - Dass man David Albahari inzwischen zu den ganz großen zeitgenössischen Autoren Europas zählen muss, belegt auch dieser Roman erneut. (Übers.: Mirjana und Klaus Wittmann)
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Artikelbeschreibung

"Wer ist der Verfasser des geheimnisvollen Briefs, durch den schlagartig alles aus den Fugen gerät? Das fragt sich Filip, der allein in einer zugestellten Wohnung lebt und sich in seinen Memoiren einen Verlierer nennt. Ist der Absender ein Betrüger oder wirklich der in Argentinien verschollene Bruder, von dem Filip bisher nichts ahnte? Ein Treffen im "Brioni" soll dieses Rätsel lösen. Doch Filips einstige Stammkneipe ist - ebenso wie bald sein ganzes Leben - nicht mehr wiederzuerkennen. Früher, nach dem Tod der Eltern und der Schwester, betrank er sich hier an unzähligen Abenden unter ruppigen Kellnern und wortkargen Kumpanen. Daran ist in dem so ganz anderen Ambiente nicht mehr zu denken, erst recht nicht, als der vermeintliche Bruder auftaucht.Der Balkan hat sich verändert und ist doch erschreckend gleich geblieben - wie der große serbische Romancier David Albahari mit diesem fantastischen Aufeinandertreffen klarmacht. Eine schmerzhafte Parabel, eine fulminante literarische Identitätssuche voller schwarzem Humor."

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Personeninformation

David Albahari wurde 1948 in Pec im heutigen Kosovo geboren und war einer der renommiertesten Schriftsteller Serbiens. Er studierte Englische Literatur in Belgrad und hat Vladimir Nabokov und John Updike ins Serbische übersetzt. 1973 erschien sein erster Erzählungsband, zahlreiche weitere Romane und Erzählungen folgten. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet worden, z. B. mit dem NIN-Preis und dem Ivo Andric-Preis. Sein Roman »Heute ist Mittwoch« wird mit dem Aleksandar Tisma International Literary Prize (2022) ausgezeichnet. David Albahari kehrte 2013 nach einem dreißigjährigen Aufenthalt im kanadischen Calgary nach Belgrad zurück, wo er am am 30. Juli 2023 verstarb. Der seit vielen Jahren an Parkinson erkrankte Autor konnte Wenn der König stirbt nicht mehr selbst schreiben, sondern hat ihn diktiert. Mirjana und Klaus Wittmann leben in Bonn und übersetzen aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen. Die Übersetzungen des Duos verstehen sich als Gemeinschaftswerke und entstehen im Tandemprinzip. 2006 erhielten sie für die Übersetzung von David Albaharis Mutterland den Brücke-Berlin-Preis, 2011 wurden sie für ihr übersetzerisches Gesamtwerk mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Irrwitz und Trauer, Panik und Slapstick, Brutalismus und Feinsinn, (Selbst-)Ironie, Nonsens und tiefere Bedeutung geraten zu einem funkelnden Amalgam.« Andreas Breitenstein / Neue Zürcher Zeitung »Merkwürdiges, rätselhaftes, brillantes Buch. [...] Erst beim zweiten Lesen versteht man, wie klug das Ganze konstruiert ist.« Hannes Stein / Die Welt»Eleganter und unaufwendiger als David Albahari zieht kaum jemand dem Leser den Boden unter den Füßen weg. Die Bücher des Serben sind höllische Achterbahnfahrten der Identität.« Jörg Plath / Deutschlandradio Kultur»Hervorragend aus dem Serbischen übersetzt von Mirjana und Klaus Wittmann, ist dieser Roman eine doppelte Identitätssuche, der keine Absätze, aber viel schwarzen Humor kennt.« Michael Guggenheimer / St. Galler Tagblatt»Albaharis an der Oberfläche so einfach scheinende Figurenkonstellation steckt voller offener und verdeckter literarischer Anspielungen.« Cornelius Hell / Der Standard
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Bewertungen

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