Ein Stadtmensch im Wald

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Buchprofile - Rezension
Auf den Spuren von Thoreaus "Walden": Erlebnisbericht des Schriftstellers Linus Reichlin über seine Zeit im Wald.
Das ist ein Bericht eines urbanen Bewohners, der in die Natur eintaucht. Das heißt, er beobachtet die Natur nicht nur, sondern wird ein Teil davon. Stilistisch versucht er, das Verhalten der Tiere auf urbanes Verhalten umzumünzen: "Er kommt hierher, weil an der Hütte in Waschbärensprache in großen Buchstaben steht RESTAURANT ZUR VERRÜCKTEN KUH - HEUTE ALLE SPEISEN GRATIS" (S. 29). Das ermöglicht dem städtisch geprägten Leser einen sehr leichten und kurzweiligen Zugang zur Wildnis des Ruppiner Wald- und Seengebietes. Im Buch wechselt er zwischen der relativ objektiven Beschreibung seiner Erlebnisse und den Notizen in seinem Buch, in denen er seine Gefühle und eigenen Gedanken einfließen lässt. Die Tiere bekommen Namen, werden eigenständige Wesen mit Wünschen und Eigenheiten. Natürlich führt das dazu, dass auch Herr Walden dazu kommt, sich zu fragen, welche Funktion er in der Natur eigentlich einnimmt und was ihm in seinem bisherigen Leben gefehlt hat. Das Pseudonym, das der Schriftsteller Linus Reichlin für dieses Buch gewählt hat, ist natürlich eine Anspielung auf den Klassiker "Walden" von Henry David Thoreau, der Mitte des 19. Jh. sein Leben in einer Blockhütte im Wald beschrieb. Der Kontext Corona mag für den Leser erheblich sein, letztlich war er der Grund, weshalb der Autor dieses Abenteuer versuchte.
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Artikelbeschreibung

Ein großes Waldgebiet, eine einsam gelegene Hütte und in ihr: ein Naturbanause aus der Stadt. H. D. Waldens Bericht über seinen unverhofften Neuanfang mit der Natur.

Ein Schriftsteller zieht sich allein in eine Hütte zurück, irgendwo im Ruppiner Waldgebiet. Die Gegend ist so verlassen, dass seine Freundin behauptet, die Waldtiere wüssten nicht, was Menschen sind und würden meinen, es handele sich um verrückte Kühe.

Doch auch der Schriftsteller muss sich eingestehen, dass er nicht besser Bescheid weiß als die Tiere: Vögel beispielsweise sehen für ihn alle gleich aus. Ein Stadtmensch eben. Da er sonst nichts zu tun hat, beginnt er mit Hilfe einer Vogelbestimmungs-App und Vogelfutter sich der Angelegenheit zu nähern. Und tatsächlich, sie kommen alle angeschwirrt: Kohlmeisen, Kleiber, Dompfaffen - wie er nun lernt. Und sie unterscheiden sich charakterlich stark: die Mönchsgrasmücke benimmt sich draufgängerisch wie Tom Cruise, während die Kleiber so überdreht wie Kokainisten wirken.

Überhaupt: Von wegen nicht viel los im Wald. Jede Nacht, exakt um dieselbe Uhrzeit, knackt ein Waschbär sehr geschickt die Vogelfutterkiste auf, und ist auch sonst ziemlich dreist. Eine Maus macht Lärm für zehn. Und ein Fuchs hat ein echtes Problem. Und dann ist da noch der Igel-Hüne.

Je länger der Autor die Tiere beobachtet und das wilde Fremde wie das nahe Vertraute in ihnen erkennt, desto stärker verändert sich seine ganze Wahrnehmung, sein Gefühl für Zeit, ja sogar das für Geborgenheit.

'Während andere Home Office machten, machte ich Wood Office, und dazu gehörte das Vertreiben von Nebelkrähen mit Besenstielen.'

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Pressestimmen

Mit der Rolle des Stadtmenschen im Wald spielt Autor Linus Reichlin in seinem Corona-Selbsterfahrungsbuch bewusst und selbstironisch Christina Tilmann Märkische Oderzeitung 20210423

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