Madam Bäurin

Roman
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Bayern im Buch-Rezension
Neuauflage des bekannten Romans mit dem Leben auf dem Lande um 1900 als Hintergrund.
Lena Christ, eine der bedeutendsten bayerischen Dichter(innen), erzählt die letztendlich glücklich ausgehende Liebesgeschichte zwischen einer Sommerfrischlerin aus der Stadt und dem Hoferben in einem oberbayerischen Dorf. Dabei werden nicht nur die schwere Bauernarbeit, Feste und Brauchtum detailgetreu beschrieben, wie sie Lena Christ in ihrer frühen Kindheit und später bei vielen Besuchen in der Gegend von Glonn aufmerksam beobachtet hatte. Noch wichtiger ist ihr die Herausarbeitung des Gegensatzes von Stadt und Land, wie er bei den Figuren dieser Geschichte deutlich wird. Obwohl die Vorliebe eindeutig der bäuerlichen Welt gilt, sind Standesdünkel, Borniertheit und Dickköpfigkeit einerseits und Aufgeschlossenheit mit der Bereitschaft zu einem vernünftigen Miteinander andererseits nicht einseitig verteilt. Gerade durch die drastischen Ausdrücke und Beschreibungen wirkt der Text keineswegs verstaubt, obwohl er fast 100 Jahre alt ist. Da die Dialogstellen in Mundart geschrieben sind, ist deren Verstehen Voraussetzung für ein wirkliches Lesevergnügen.
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Artikelbeschreibung

Ein verpfuschtes Leben kann man es nennen, das Lena Christ geführt hat. Sadistisch misshandelt als Kind und Jugendliche durch die eigene Mutter, immer hart arbeitend bis zur völligen psychischen und physischen Erschöpfung. Schließlich ein trunksüchtiger Ehemann, der wieder nur Gewalt als Verständigungsmittel kennt. Sechs Kinder in sechs Jahren, zwei davon Totgeburten, ein schweres Lungenleiden und immer Geldnot und Existenzängste. Das Schreiben war für Lena Christ wohl der einzige Ausweg, ihre Biografie überhaupt zu ertragen. Für ihren letzten Roman "Madam Bäurin" wählte sie ein heiteres Thema: Die Geschichte eines Stadtfräuleins, das aus Liebe zu einem Mann Bäuerin wird, und das "Happy End" entsprachen wohl nicht nur dem Traum ihres Lesepublikums von einem emphatischen Leben, sondern auch ihrem eigenen. 1993 wurde der Roman von Franz Xaver Bogner verfilmt und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

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Personeninformation

Lena Christ wurde am 30. Oktober 1881 in Glonn/Obb. geboren und wuchs dort bei ihren Großeltern mütterlicher seits auf. 1888 holte sie die inzwischen verheiratete Mutter nach München. Nach einer unglücklichen Ehe, aus der drei Kinder hervorgegangen waren, stand sie völlig mittellos und gesundheitlich sehr angeschlagen da. Das kostenlose Trockenwohnen eines Neubaus tat ein Übriges. Der Versuch, mit Schreibarbeiten das Nötigste zum Lebensunterhalt zu verdienen, scheiterte, und es schalteten sich die Behörden ein. 1912 heiratete sie den Schriftsteller Peter Benedix, der ihr literarisches Talent erkannte und sie zum Schreiben bewog. Am 30. Juni 1920 beging sie nach einer Betrugsaffäre Selbstmord.
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