Heinrich

Roman
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Buchprofile - Rezension
Porträt eines Vaters, den sein Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg lebenslang prägen soll.
Heinrich wächst in einer deutschen Gemeinde auf, die seit Ende des Ersten Weltkriegs zu Polen gehört. Der daraus resultierende Minderheitenstatus und das eigene Leben in bescheidenen Verhältnissen nach der Scheidung der Mutter vom gewalttätigen Vater tragen dazu bei, dass Heinrich die Ankunft der Nationalsozialisten begeistert begrüßt. Als er als junger Mann 1944 endlich den lange ersehnten Fronteinsatz im Osten antreten darf, kennt sein nationalistischer Größenwahn angesichts seiner bevorstehenden Heldenleistungen keine Grenzen. Nach mehreren Jahren entbehrungsreicher Kriegsgefangenschaft kehrt er schließlich nach Deutschland zurück und beginnt eine ehrgeizige Karriere als Bauunternehmer. Doch hinter der Fassade des schnellen wirtschaftlichen Erfolgs erkennt er sich selbst nicht mehr im Spiegel. Seine Familie leidet unter seinem Jähzorn und den regelmäßigen Gewaltausbrüchen, seinen radikalen Lebensentscheidungen im Alleingang und seinen festgefahrenen Verhaltensweisen. - Heinrichs Verhalten wird aus Sicht seiner Tochter geschildert, die sein Verhalten einerseits zu verstehen versucht, andererseits aber auch offen mit seinen Fehlern abrechnet. Der Stil des Romans wirkt sehr persönlich; an einer Stelle adressiert die Ich-Erzählerin auch die aktuellen Ereignisse im Krieg gegen die Ukraine, wo die gleichen Städte wie im Zweiten Weltkrieg nun erneut unter Beschuss stehen.
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Artikelbeschreibung

Wie sehr prägen uns Herkunft und Kindheit? Gibt es ein zweites Leben über die alten Erfahrungen hinaus? Eine Spurensuche.Heinrich ist ein kreativer Kopf, erfolgreicher Architekt und Unternehmer. An seinem Zeichentisch entwickelt er zukunftsweisende Ideen.Er stammt aus schwierigen Verhältnissen: Als einziges Kind einer geschiedenen Frau und Angehöriger der deutschen Minderheit wächst er in einem Armutsviertel einer polnischen Kleinstadt auf. Als die Deutschen im Herbst 1939 einmarschieren, eröffnen sich dem Jugendlichen Aufstiegschancen, die im Kriegseinsatz und russischer Gefangenschaft enden. 1949 gelangt er nach Westdeutschland, wo er eine Familie gründet und ihm eine schwindelerregende Karriere gelingt. Seine ungeliebte Herkunft aber verfolgt ihn über seine Erfolge hinaus.Die Geschichte beginnt mit einem Unfall: Ein großer Spiegel geht zu Bruch. Kurz zuvor hatte der kleine Heinrich seine Zukunft darin erblickt, die nun verloren scheint. Es sei denn es gelänge, die Scherben wieder zu einem Ganzen zu fügen.Susanne Fritz verbindet Traum und Erinnerung, Chronik und Fiktion zu einer faszinierenden Spurensuche. Es geht um nichts weniger als um das Rätsel Mensch: Was können wir über den anderen wissen, was über uns selbst?

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Kontakt: info@wallstein-verlag.de

Personeninformation

Susanne Fritz, geb. 1964, lebt in Freiburg und Berlin. Sie schreibt Erzählungen, Romane, dramatische und essayistische Texte. Ihre persönliche Spurensuche »Wie kommt der Krieg ins Kind« (Wallstein 2018) wurde viel besprochen und für den Deutschen Buchpreis nominiert.Sie erhielt diverse Preise und Stipendien, u.a. 2020 das Albrecht-Lempp-Stipendium in Krakau, 2021 war sie Stipendiatin des Atelier Mondial in Paris.

Pressestimmen

»In knappen, kristallinen Sätzen fliegt Susanne Fritz ihrem Heinrich hinterher. Der Rhythmus ist treibend und wahrscheinlich der Musik geschuldet« (Wolfgang Popp, Ö1 Morgenjournal, 06.03.2023) »(Am Ende sind) wir diesem Heinrich, diesem fernen, fremden Vater, dank Susanne Fritz Sprachkraft ein ganzes Stück näher gekommen. Ihre Prosa ist enorm musikalisch, von kunstvoller Rhythmik und voller intensiver Bilder. Auf diese Weise gelingt es ihr eindrücklich, die verschlungenen Wege des Erinnerns in der Form des Erzählens sichtbar werden zu lassen.« (Andreas Wirthensohn, WDR3 Lesestoff, 08.03.2023) »Ein aufrichtiger, sprachlich höchst feiner Roman, ein Vexierbild, nein, viele mögliche Vexierbilder eines Menschen, der nah war und doch so fern geblieben ist.« (Susanne Rikl, kommbuch.com, 15.03.2023) »Jede und jeder von uns findet einen Teil seiner Familiengeschichte wieder in diesem vorsichtig tastenden Vaterroman.« (Susanne Rikl, kommbuch.com, 15.03.2023) »Fritz (...) will aufzeigen, wie seelisch verheerend sich die kollektive Verdrängung von Schuld in Gewalt in deutsche Nachkriegsfamilien auswirkte und bis heute auswirkt. Dafür hat Fritz ihren ganz eigenen, assoziativ-sprunghaften Stil entwickelt« (Gisa Funck, DLF Büchermarkt, 28.03.2023) »Indem Fritz die Biographie ihres Vaters multiperpektivisch beleuchtet, fiktionalisiert und auch in Phantasie- und Traumbildern schildert, entgeht sie nicht nur der Gefahr der Vaterverklärung oder -abrechnung, ihre Suche wird dabei auch immer mehr zu einer Selbstbefragung. (...) (E)ine lange( ) nachhallende( ) Lektüre« (Gisa Funck, DLF Büchermarkt, 28.03.2023) »Wie Susanne Fritz diese Biografie spekulierend zusammensetzt, wie sie dabei die Ratlosigkeit der Nachfolgegeneration bewusst als Stilmittel nutzt und damit über das Dunkel der Vergangenheit siegt: Das ist ein beeindruckendes Stück Literatur.« (Johannes Bruggaier, Südkurier, 31.03.2023) »Der Roman überzeugt nicht zuletzt durch das Wie der kompositorischen und sprachlichen Gestaltung. (...) Es ist eine langsame und eben deshalb intensive Lektüre, zu der 'Heinrich' uns einlädt. Eine Lektüre, die uns als Lesende auch nachdenken lässt über die eigene Herkunft, den eigenen Ort in der Welt.« (Petra Nagenkögel, Ö1 Ex Libris, 02.04.2023) »'Heinrich' ist eine wohltuende Ausnahmeerscheinung in einer Flut biografischer Erzählungen, die kaum mehr als die Oberfläche kratzen. Ein grandioser, ein mutiger Roman, der nicht um Gewissheiten ringt.« (Silke Arning, SWR2, 29.04.2023) »Ein virtuos komponierter Roman, in dem die Vaterfigur repräsentativ für eine ganze Nachkriegsgeneration steht. (...) Die Sätze sind knapp und verdichtet, die sprachlichen Bilder oft von kristalliner Klarheit.« (Markus Steinmayr, der Freitag, 25.05.2023) »Die unmittelbare Nachkriegszeit in ihrer Melange aus Verdrängung, Aufbruchsstimmung und Enge fängt Susanne Fritz sehr überzeugend ein.« (Jochen Schimmang, FAZ, 27.07.2023) »Ein empfehlenswertes - und unbedingt lesenswertes Buch, dem viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind.« (Harald Schäfer, Mitteilungsblatt der Landmannschaft Weichsel-Warte, November/Dezember 2023)
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