Neverend

Roman
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Buchprofile - Rezension
Dystopische Schilderung politischer Umwälzungen in Slowenien aus Tagebuchperspektive.
Die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin mit Schreibblockade, nimmt einen Job als Lehrerin für kreatives Schreiben in einem Gefängnis an. Mit diesem Datum beginnen ihre Tagebuchaufzeichnungen, zuerst weitgehend über verstörende Alpträume. Die Kurzgeschichten zu Kriegserlebnissen ihrer drei Schüler sind eingestreut. Gleichzeitig notiert sie Beobachtungen zum Wahlkampf eines Außenseiters und die Auswirkungen eines Handelskriegs um Bananen. Der populistische Politiker gewinnt die Wahl mit simplen Sprüchen; ihm schließen sich Intellektuelle aus dem Umkreis der Schreiberin an. Die Demokratie wird hinterrücks ausgehöhlt durch ein System der Bespitzelung. In dieser Zeitspanne findet die Frau ihr neues Thema: Das Leben des Arztes und Naturwissenschaftlers Scopoli aus dem Quecksilber-Bergbaustädtchen Ydria. - Durch die drei Teile gewinnt der Roman eine große Vielschichtigkeit: Sprünge in die k.u.k.-Vergangenheit, die jüngste Vergangenheit Jugoslawiens mit der gewaltsamen Auflösung durch Kriege, die zumindest unterbewusst immer noch nachwirken, und die heutigen Befindlichkeiten und Reaktionen der Slowenen. Der reflektierende Stil - aktuelle Geschehnisse werden distanziert beschrieben - erschwert den Zugang für Leser/innen, die eine schnelle Handlungsfolge erwarten. Aber einen actionreichen Politthriller wollte der Autor nicht verfassen. Ihm geht es mehr um die Analyse, wo seine Landsleute stehen und welche Gefahren nach einer Euphorie für Europa seinem Heimatland drohen. Nicht umsonst nennt er Ungarn und populistische Bewegungen im EU-Raum. Das Übertragen der Entwicklung in Slowenien auf das Heimatland der Leser drängt sich des Öfteren auf.
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Artikelbeschreibung

Ein hochpoetischer und gesellschaftskritischer Roman, der zeigt, was mit uns allen passieren könnte - wenn es nicht schon längst passiert.Es herrschen angespannte Zeiten: Die EU befindet sich mit dem Rest der Welt in Handelskriegen, in den Regalen der Supermärkte gibt es keine Bananen mehr. In Slowenien stehen Wahlen vor der Tür, und in Ljubljana treffen Proteste auf Gegenproteste, extremistische Parteien befinden sich im Aufwind.Inmitten dieses Chaos durchlebt eine junge Schriftstellerin ihre ganz eigene Krise, Liebe und Finanzen liegen im Argen. Um Letzterem Abhilfe zu schaffen, nimmt sie einen Honorarauftrag an, Creative Writing Workshops in einem Gefängnis durchzuführen. Während drei Gefangene ihr immer wieder neue Erzählungen liefern, die alle vom Krieg handeln, beginnt sie, einen historischen Roman zu schreiben, der von der Freundschaft zwischen Antonio Scopoli und Carl von Linné erzählt, von Scopolis Reise durch das kriegsverwüstete Europa des 18. Jahrhunderts und von dem Ort, an dem die erste Banane auf europäischem Boden gezüchtet wurde.

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Personeninformation

Ales Steger, geb. 1973, ist der bekannteste slowenische Autor seiner Generation und lebt in Ljubljana. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Germanistik, reiste viel und debütierte 1995 mit einem Lyrikband. Darauf folgten weitere Gedichtbände, Romane und Essays, seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Ales Steger ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.Zuletzt erschienen: Das Lachen der Götter, Erzählungen (2023); Atemprotokolle, Gedichte (2023); Neverend, Roman (2022) Matthias Göritz, geb. 1969, ist ein vielfach ausgezeichneter Lyriker, Theaterautor, Übersetzer und Romancier. Er veröffentlichte die Gedichtbände »Loops«, »Pools« und »Tools« sowie die Romane »Der kurze Traum des Jakob Voss« (2005), für den er den Mara-Cassens-Preis erhielt, »Träumer und Sünder« (2013), der mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet wurde, und »Parker« (2018). Außerdem erhielt Göritz den William H. Gass Award. Derzeit lehrt er an der Washington University in St. Louis, USA. Göritz ist Kurator des Slowenischen Buchmesseauftritts in Frankfurt 2023. Alexandra Natalie Zaleznik, geb. 1984. Sie ist zweisprachig in München aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie in Slowenien. Sie übersetzt aus dem Slowenischen und Schwedischen ins Deutsche sowie aus dem Deutschen und Schwedischen ins Slowenische.

Pressestimmen

»ein Roman, dessen Kraft es auszuhalten gilt und der doch voller Poesie ist und voller Fragen und Weisheit.« (Katrin Schumacher, MDR Kultur, 19.03.2022) »wunderbar plastisch erzählte(r) Roman (...). Steger erweist sich in seinem Prosastück über eine Frau im Modus der Selbstfindung als toller Stilist.« (Ulf Heise, MDR Kultur, 28.03.2022) »Ein Buch voller Verzweiflung und Magie, aber auch von großer Sprachmacht.« (Ariane Binder, 3sat Kulturzeit, 27.04.2022) »Sehr poetisch und persönlich seziert Steger die Psychologie des Krieges. Ein starker Roman, der seit dem russischen Angriff auf die Ukraine eine erschreckende Aktualität bekommen hat.« (Barbara Geschwinde, WDR5 Bücher, 21.05.2022) »ein Buch, das in einer europäischen Zukunft spielt, in dem aber der Krieg als ein Erinnerungsnachhall präsent ist. (...) So überlagern sich reale und surreale Ebenen, bildstark geschildert und sprachlich elaboriert.« (SWR Bestenliste, Juni 2022) »'Neverend' beschreibt das Szenario eines nicht enden wollenden Endes, einer sich immer wiederholenden Geschichte der Zerstörung, wie sie aktueller kaum sein könnte.« (Verena Scheithauer, Kölner StadtRevue, Juni 2022) »ein finsteres, drastisches, starkes Buch. (...) das politische Chaos und das private der Erzählerin macht der Autor eindringlich mit surrealen, berührenden Bildern fest.« (Karin Waldner-Petutschnig, Kleine Zeitung, 09.07.2022) »eine anspielungsreiche, spannend erzählte Analyse der Gegenwart, die sich - mit viel Witz und Selbstironie - fragt, was es heute bedeutet, frei zu sein, zu schreiben und dem Chaos zu trotzen.« (Johanna Lenhart, Die Presse/Spectrum, 16.07.2022) »poetisch, analytisch und persönlich zugleich« (SRF, 22.04.2022) »Ein gedankensattes, erschütterndes wie sprachmächtiges Buch« (Constanze Matthes, Zeichen & Zeiten, 16.06.2022) »Ales Steger zeigt Europa auf einem Weg der Gewalt; seine Erzählerin sieht sich zwischen Sprache und Krieg gefangen« (Cornelia Geißler, Frankfurter Rundschau, 07.06.2022) »Steger gelingt es (...) Verzweiflung und Fassungslosigkeit eine literarische Form zu geben, die unter die Haut geht.« (Sophie Wennerscheid, Süddeutsche Zeitung, 04.10.2022) »komplex gebaute(r) Roman (...). Die Auseinandersetzung mit dem Krieg wirkt beklemmend aktuell« (Wolfgang Schneider, FAZ, 27.10.2022)
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Bewertungen

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