Während wir feiern

Roman | »Eine kluge Gesellschaftsanalyse« - Elke Heidenreich
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Buchprofile - Rezension
Eine Party in der schweizerischen Wohlstandsgesellschaft wird mit der Abschiebung eines jungen Tunesiers kontrastiert.
Jedes Jahr am Schweizer Nationalfeiertag lädt die deutsche Sängerin Alexa Albrecht nachträglich zu ihrem Geburtstag ein. Nach 13 Jahren in der Schweiz wartet sie nun auf ihren Einbürgerungsbescheid. Noch ist sie mitten in den Planungen. Zwischen Deko und Knoblauchbrot erfährt sie, dass ein Schützling ihres Freundes Zoltan kurz vor der Ausschaffung (schweizerisch für Abschiebung) steht. Zoltan sucht eine Übernachtungsmöglichkeit für Kamal, einen jungen Tunesier. Obwohl Kamal wegen seiner Homosexualität in Tunesien im Gefängnis war und dort gefoltert wurde, konnte er dies in der Schweiz nicht beweisen. Während Alexa die Bowle nach einem Rezept ihres Vaters ansetzt, sucht Zoltan fieberhaft nach Kamal. Und während bei Alexa die Gäste eintrudeln und man sich bei Häppchen und Bowle über Gott und die Welt unterhält, wird die Verzweiflung bei Kamal immer größer. - Die deutsche Schriftstellerin Ulrike Ulrich, die selber in Zürich lebt, zeichnet wie in einem Chor unterschiedliche Stimmen, denen sie auch sprachlich einen eigenen Tonfall gibt: der geflüchtete Tunesier, Jugendliche in der Pubertät, Künstler, Eltern im Betreuungsstress. Die Parallelen zu Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" sind unübersehbar; die Party, die Gesellschaftskritik, die Bewusstseinsströme der Protagonisten und die Verdichtung der Ereignisse auf einen Tag. Ein intelligentes, sozialkritisches Lesevergnügen.
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Artikelbeschreibung

Wie in jedem Jahr feiert die deutsche Sängerin Alexa am Abend des Schweizer Nationalfeiertags ihren Geburtstag mit einer Dachparty - leider noch ohne den Einbürgerungsentscheid. Währenddessen braucht Kamal eine sichere Bleibe. Wenn er nicht unverzüglich das Land verlässt, droht ihm die Abschiebung nach Tunesien. Weil dort aber Homosexuelle verfolgt werden, fragt er seinen Deutschlehrer Zoltan, ob er ein paar Tage bei ihm untertauchen kann. Doch Alexas bester Freund sagt Nein aus Gründen, die er nicht mal vor sich selbst zugibt. Im Laufe des Tages eskalieren die Ereignisse, und nicht nur das Fest, auf dem alles zusammenläuft, steht infrage.
Inspiriert von Virginia Woolfs Klassiker »Mrs Dalloway« zeichnet Ulrike Ulrich ein Panoramabild unseres Lebens in Europa - vielstimmig, mit eigenem Ton und literarischer Brillanz.

»Wer erfahren will, wie sich das Leben im 21. Jahrhundert in einem der Herzen des Kapitalismus anfühlt, von welchen Widersprüchen die Menschen zerrissen werden und wie die große Politik auf die private Liebe wirkt, der sollte diesen rasanten, bitteren und immer wieder komischen Roman lesen.« Lukas Bärfuss

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Personeninformation

Ulrike Ulrich, geboren 1968 in Düsseldorf, lebt seit 2004 als Schriftstellerin in Zürich. 2010 erschien ihr Debütroman »fern bleiben«, dem 2013 der Roman »Hinter den Augen« folgte, und 2015 der Erzählband »Draussen um diese Zeit«. Mit Svenja Herrmann hat sie Anthologien zum 60. und 70. Geburtstag der Menschenrechte herausgegeben. Mit Axmed Cabdullahi erschien »Ein Alphabet vom Schreiben und Unterwegssein«. Sie gehört der Autor*innengruppe »Literatur für das, was passiert« an. Ihre Texte wurden u. a. mit dem Walter Serner-Preis 2010, dem Lilly-Ronchetti-Preis 2011 und Anerkennungspreisen der Stadt Zürich ausgezeichnet. 2016 erhielt Ulrike Ulrich ein Werkjahr der Stadt Zürich und 2018 einen Pro Helvetia-Werkbeitrag für den Roman »Während wir feiern«, der 2020 erschien und im Jahr darauf mit dem Festival »Zürich liest ein Buch« gefeiert wurde.

Pressestimmen

"Es ist ein starkes Buch!" Usama Al Shahmani SRF "Literaturclub" (CH) 20201006
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