Letzte Tage mit Teresa von Ávila

Roman
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Buchprofile - Rezension
Unkonventionelle Darstellung der Mystikerin Teresa von Avila.
Morales schreibt keinen klassischen historischen Roman. Stattdessen lässt sie die historisch verankerte Teresa in einer Art furiosem Selbstgespräch auftreten, dies mit einer Sprache, die zugleich historisch verankert und radikal modern ist. Als biografische Stationen bleiben der Eintritt ins Kloster der Karmeliterinnen im 16. Jh., Gründungen zahlreicher Reformklöster und Konflikte mit kirchlicher Autorität und Inquisition deutlich erkennbar. Die Autorin interessiert sich weniger für die äußeren Ereignisse als für das Innenleben dieser Frau und ihre körperlichen Erfahrungen. Teresa wird nicht als entrückte Heilige dargestellt, sondern offenbart in ihren Selbstgesprächen einen unbezähmbar kämpferischen, zornigen und verletzlichen Charakter mit einem intellektuell geschulten, scharfen Verstand. Diesen setzt sie im Konflikt mit der katholischen Obrigkeit in ihrer Kritik der herrschaftlich über Jahrhunderte zementierten patriarchalen Machtstrukturen ein, ganz ohne Furcht vor Inquisition und Folter. Für sie ist Schweigen keine Option! Unzufrieden mit der von Männern etablierten Ordnung der Welt und hadernd mit ihrer eigenen Rolle als machtlose Frau und Nonne ist für sie Schreiben ein Lebensbedürfnis, Kampf für weibliche Autonomie und Akt des Widerstandes. Dabei zieht Morales bewusst Parallelen zu heutigen Debatten über Feminismus, Autorität und Selbstbestimmung. Der Schreibstil ist sprachlich dicht, poetisch, analytisch und experimentell. Der Ansatz der Autorin mutet an wie eine Übertragung der Themen „Machtstrukturen, Körperpolitik und Normabweichung“ auf eine historische Person. Interessant für Leser:innen, die starke, unkonventionelle Frauenfiguren mögen, literarisch anspruchsvolle, experimentelle Texte schätzen und sich für Mystik interessieren.
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Artikelbeschreibung

Eine Frau, die sich über Konventionen, Dogmen und patriarchale Machtstrukturen radikal hinwegsetzt: als Frau, als Nonne, als Schriftstellerin, als Rebellin. In einem furiosen Selbstgespräch schlüpft Cristina Morales in die Haut der großen spanischen Mystikerin Teresa und erzählt ihr Leben neu.

Als Tochter eines zum Christentum konvertierten jüdischen Kaufmanns trat sie 1535 mit 20 Jahren in ein Karmelitinnenkloster ein. Später gründete sie 17 Reformklöster, kämpfte gegen die Inquisition und schrieb Werke, die bis heute zu den bedeutendsten der christlichen Mystik zählen. Morales' Teresa ist keine Heilige im klassischen Sinne, sondern eine kluge, zornige, verletzliche und kämpferische Frau, die sich gegen die Zumutungen ihrer Zeit behauptet - gegen die Kirche, gegen die Männer, gegen die eigene Familie. Eine Frau, die schreibt, weil sie muss. Weil Schweigen keine Option ist.


Ein mitreißender Roman über Mystik und Macht, über Körper und Geist, über das Schreiben als Widerstand. Archaisch und modern zugleich, voller Ironie, Wut und Poesie: Letzte Tage mit Teresa von Ávila ist ein sprachliches Abenteuer, ein wilder Ritt durch die Geschichte einer Frau, die sich nicht unterkriegen lässt.

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Personeninformation

Cristina Morales, geboren 1985 in Granada, studierte Rechts- und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Sie verfasste mehrere preisgekrönte Romane und Kurzgeschichten. Als Dramatikerin hat sie u. a. für Sol Picó, Sara Molina und das Nationaltheater von Katalonien gearbeitet. 2019 gewann Morales als jüngste Autorin den Premio Nacional de Narrativa des spanischen Kulturministeriums; im Jahr 2021 wurde sie von der Zeitschrift Granta zu einer der besten Nachwuchsautor:innen Spaniens gewählt. Morales ist Tänzerin und Choreografin der zeitgenössischen Tanzkompanie Iniciativa Sexual Femenina, Executive Producer der Punkband At-Asko sowie Mitglied des Kollektivs BachiniBachini. Für ihren Roman Leichte Sprache erhielt sie 2022 den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt.

www.iniciativasexualfemenina.es

at-asko.bandcamp.com

Instagram: @bachini.bachini

Friederike von Criegern, promovierte Hispanistin, Literaturübersetzerin, Dozentin und Dolmetscherin. Sie übersetzt Belletristik, Lyrik und Theater aus dem Spanischen. Für die Übersetzung Leichte Sprache wurde sie gemeinsam mit Cristina Morales mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses für Kulturen der Welt 2022 ausgezeichnet. Nach Aufenthalten in Peru, Chile und Argentinien lebt sie in Berlin.

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