Marx, Wagner, Nietzsche

Welt im Umbruch
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Buchprofile - Rezension
Vergleichende Analyse zu Marx, Wagner und Nietzsche, die das 19. Jh. formten.
Marx, Wagner und Nietzsche haben das geistige Profil des 19. Jh. mit Auswirkungen bis in unsere Zeit maßgeblich geprägt. Während das Denken dieser drei Protagonisten vielfach behandelt wurde, sind nach Sachthemen vergleichende Studien viel seltener. Nun hat der Politikwissenschaftler ein Buch vorgelegt, das Gemeinsamkeiten und Gegensätze herausarbeitet. Die behandelten Themen sind sowohl dem persönlichen Bereich - etwa dem Leiden am Leben oder der Beziehung zum Vater - als auch der Stellungnahme zu politischen Großereignissen wie der Revolution und der Reichsgründung, zu den gesellschaftlichen Verhältnissen und sozialen Konflikten sowie zum Judentum entnommen. Auch dem Grundverhältnis von Logos und Mythos und der Rolle der Antike geht Münkler nach. Den Höhepunkt bildet freilich das Kapitel über Religionsstiftung und Religionskritik. Während Nietzsches Position dazu weitgehend bekannt ist, wird hier der Leser damit konfrontiert, dass Marx Religionskritik selbst eine verborgene religiöse, da utopische Komponente enthält. Vor allem aber die Interpretation Wagners bringt selten Gehörtes: den später verworfenen und durch den "Parsifal" ersetzten Plan einer Jesus-Oper oder auch einen ins Religiöse getriebenen Vegetarismus Wagners, der sich selbst als Religionsstifter sah. - Ein ausgezeichnetes, überaus anregendes Buch!
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Artikelbeschreibung

Marx, Wagner, Nietzsche - diese drei Denker haben das 19. wie das 20. Jahrhundert tief beeinflusst. Als Zeitgenossen, die sich wechselseitig mit Verehrung, Ablehnung oder Ignoranz gegenüberstanden, prägten sie eine Zeit von enormer wissenschaftlicher Vielfalt und gesellschaftlicher Dynamik. Ihre Antagonismen und Widersprüche führen ins Herz der deutschen Entwicklung. Herfried Münkler folgt diesen drei faszinierenden Gestalten und ruft damit eine ganze Epoche wach. Er schildert die verblüffenden Parallelen im Leben von Marx und Wagner: die Beteiligung an der 1848er-Revolution, Flucht, Vertreibung und Exil, vielerlei Wirren und dann doch das Schaffen eines überragenden Werkes, die Bildung einer großen Anhängerschaft und die schwierige Verantwortung für das, was diese Anhängerschaft aus den Entwürfen gemacht hat. Nietzsche, der etwas Jüngere, ist dann ein philosophisches Ereignis, wie Marx prägt er Generationen. Alle drei sprengen die Konventionen der bürgerlichen Welt, erschaffen Neues - das aber dann zu einer anderen, unerwarteten Wirklichkeit wird: Das so vielversprechende, reiche deutsche 19. Jahrhundert geht über ins Zeitalter der Extreme, der politischen Katastrophen. - Ein aufregendes Buch über drei große Denker, die Signatur der modernen Welt und, nicht zuletzt, die Mentalität der Deutschen.

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Personeninformation

Herfried Münkler, geboren 1951, ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und eine unverzichtbare, prägende Stimme in den Debatten unserer Gegenwart. Viele seiner Bücher gelten als Standardwerke, etwa Imperien, Die Deutschen und ihre Mythen, Der Große Krieg oder Die neuen Deutschen (mit Marina Münkler), allesamt Bestseller. Zuletzt erschienen Welt in Aufruhr und Macht im Umbruch, die ebenfalls lange auf der Spiegel-Bestsellerliste standen. Herfried Münkler wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung, dem Carl Friedrich von Siemens Fellowship, dem Preis der Leipziger Buchmesse und dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch.

Pressestimmen

Münkler ist weit über die Universität und sein Fach hinaus eine intellektuelle Institution in der Bundesrepublik. Was er auch mit dem neuen Buch beweist. Neue Zürcher Zeitung 20211006
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