Der berühmte Tiefpunkt

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Buchprofile - Rezension
Pflegenotstand trifft Lebenskrise einer Mittzwanzigerin.
Marieke, deren Leben bis jetzt sehr geradlinig verlief, wohnt nun seit Tagen in einem Mietauto und hofft, dass es keiner in ihrem Umfeld merkt. Der Umstand, dass sie alle Sommerklamotten an eine blockierte Waschmaschine verloren hat und nun im Hochsommer mit ihren Winterklamotten auskommen muss, macht die Sache nicht gerade einfacher. Vorher lebte die junge Frau in einem schicken Haus mit ihrem Freund Blok. Doch weder Blok, den Metzger, hat sie sich wirklich selbst ausgesucht, noch das Haus, das vorwiegend von ihrer Schwiegermutter eingerichtet wurde. Irgendwie hatte sich eben alles so ergeben. Doch irgendwann ist Marieke dieses vorgegebenen Lebens überdrüssig und zieht die Reißleine. Reicht es doch schon, dass sie bei ihrer Arbeit im Pflegeheim jeden Tag das immer größer werdende Elend bei der Betreuung alter Menschen sehen muss. Auch hier wird es Marieke, die lange alles stoisch erträgt, auf einmal zu viel. Sie flippt völlig aus und verlässt auch das Pflegeheim. Ist das der berühmte Tiefpunkt? Marieke streikt schließlich und bleibt beim Mann einer Heimbewohnerin, der ihr angeboten hat, vorübergehend bei ihm zu wohnen. Hier kann sie eine ihrer wenigen Leidenschaften - Kochen und Essen - ausleben und sich neu orientieren. - Der Roman von Amarylis de Gryse erzählt mit gleichmütiger Gelassenheit von einem Thema, das eigentlich richtig aufregt. Aber eben gerade dieser Ton rüttelt wach und lässt die Zustände in der Pflege in den Vordergrund rücken. Marieke hingegen ist ein Beispiel für einen Menschen, der sich viel zu lange von anderen gängeln ließ und plötzlich merkt, was sie wirklich will. Für Liebhaber trockenen Humors und unaufgeregter Sprache eine Leseempfehlung!
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Artikelbeschreibung

Eine junge Frau gewinnt ihren Appetit aufs Leben zurück

Spätestens seit Prousts berühmter Madeleine wissen wir, dass Essen nicht nur nährt, sondern auch starke Gefühle und Erinnerungen weckt. Amarylis De Gryse erzählt von Spiegeleiern und Pastasauce, Familienproblemen und Pflegenotstand, vor allem aber von einer jungen Frau, die ihr Leben endlich selbst in die Hand nimmt.


Marieke, Ende zwanzig, wohnt seit Tagen in einem Mietwagen am Kanal und trägt dieselbe viel zu warme Jeans. Das liegt daran, dass ihr Freund, der Metzger Blok, sie aus ihrem schicken Reihenhaus geworfen und eine defekte Maschine im Waschsalon ihre Sommerklamotten verschluckt hat. Statt Blok zu vermissen, träumt Marieke von den Hackbällchen ihrer Mutter und bespitzelt ihren Vater, der die Familie verlassen hat, als Marieke noch klein war. Auf der Arbeit im Altersheim wird sie mit den »hoffnungslosen Fällen« in der Gluthitze alleingelassen und mit Billigfraß abgespeist, während die anderen Senior:innen in einen klimatisierten Neubau umziehen dürfen. Als auf dem Servierwagen schon wieder Wurst und Apfelmus warten, hat Marieke es endgültig satt. Gleichzeitig rückt ihr die eigene Vergangenheit immer mehr auf die Pelle: Wie war das eigentlich damals mit der Trennung ihrer Eltern? Will sie überhaupt zu Blok zurück? Und können Pralinen alles wiedergutmachen?

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Personeninformation

Amarylis De Gryse, geboren 1989, wuchs in Westflandern auf und wohnt in Antwerpen. Die gelernte Sozialarbeiterin kocht leidenschaftlich gern vegetarische Gerichte und absolviert eine Umschulung zur Bio-Landwirtin. Der berühmte Tiefpunkt ist ihr erster Roman. Ruth Löbner, geboren 1976 in Mönchengladbach, studierte Allgemeine Sprachwissenschaft in Düsseldorf und arbeitet als freischaffende Autorin und Literaturübersetzerin in ihrer Geburtsstadt.

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