Immer noch wach

Roman
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Buchprofile - Rezension
Im Hospiz auf seinen eigenen Tod wartend, erfährt Alex, dass er gar nicht todkrank ist. Doch wie soll das Leben jetzt weitergehen?
Mit gerade mal 30 Jahren erhält Alex die Diagnose Magenkrebs, unheilbar, Lebenserwartung: sechs Monate. Nachdem er als Kind seinen Vater qualvoll an Magenkrebs sterben sah, entscheidet er sich dafür, noch vier Monate mit seiner Lebensgefährtin und seinem besten Freund zu verbringen und dann in ein Hospiz zu gehen, um allein zu sterben. Alex erledigt alles, was ihm noch wichtig ist, feiert ein Abschiedsfest und geht. Dabei lässt er seine todtraurige Freundin Lisa und seinen verzweifelten Freund Bene zurück. Im Hospiz ist er zunächst sehr für sich, lernt nach und nach die anderen Gäste kennen, die über kurz oder lang versterben, bis auf seinen Freund Kasper. Doch plötzlich ist alles anders: Die Krebsdiagnose war falsch, der Magentumor ist gutartig, Alex muss noch nicht sterben. Verwirrt will er nach Hause zurückkehren. Doch inzwischen sind Lisa und Bene ein Paar. Wo soll er nun hin? Kasper stellt ihm seine Kreditkarte zur Verfügung und damit kann er die letzten Wünsche seiner Freunde aus dem Hospiz erfüllen. Und dann wendet sich das Blatt erneut ... - Ein fesselndes, tiefgründiges Buch, das anregt, über Leben und Sterben nachzudenken. Der Autor springt in kurzen Kapiteln gekonnt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, ohne den roten Faden zu verlieren. Breit empfohlen und unbedingt lesenswert.
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Bis zu diesem Schicksal entscheidenden Arzttermin hätte sich Alex als einen glücklichen Menschen bezeichnet. Der 30jährige hat mit Lisa seine Traumfrau gefunden und mit seinem besten Freund Bene ein Café eröffnet, das gerade beginnt, ein Erfolg zu werden. Seine Erschöpfung und den Druck im Magen führt er auf Stress zurück, doch es steckt etwas sehr Ernstes dahinter. Sein Arzt eröffnet ihm, dass er einen massiven Tumor im Bauch habe, der unbehandelt innerhalb weniger Monate zum Tod führen könnte. Diese Diagnose löst in Alex traumatische Erinnerungen an seine Kindheit aus. Er war 7 Jahre alt, als er das elende, qualvolle Sterben seines Vaters an genau derselben Krankheit miterleben musste. Seine Mutter, die das nie verwunden hatte und nie mit ihm über das Erlebte sprechen konnte, nahm sich ein Jahrzehnt später das Leben. Das will Alex nicht. Nicht für sich, nicht für Lisa und nicht für Bene. Ohne weitere Untersuchungen oder Behandlung beschließt er, die wenigen guten Monate, die ihm bleiben, mit seinen Herzenmenschen zu verbringen und dann in ein Hospiz zu gehen und allein zu sterben. Die Dinge, die er vorher noch erledigen möchte, schreibt er in ein Notizheft. Aber viel ist es nicht, denn er hat in seinem kurzen Leben keine Schuld auf sich geladen und keine Wiedergutmachungen zu leisten. Er will eigentlich nur so viel Normalität wie eben möglich.
Lisa ist entsetzt, wütend und verletzt, dass sie sie ihn auf seinem letzten Weg nicht begleiten darf, aber weil sie ihn liebt, fügt sie sich.
Im Hospiz lernt Alex Menschen kennen, die für ein kurzes Stück seinen Weg teilen. Dann sterben sie, einer nach dem anderen. Nur er ist immer noch da. Er und Kaspar, ein alter Mann, der schon sehr lange auf den Tod wartet und mit dem er sich anfreundet. Er beginnt, den Pflegern zu helfen und ist immer noch da, immer noch wach. Und dann kommt der Tag, an dem eine routinemäßige Untersuchung für eine schockartige Wendung sorgt. Der Magenkrebs war eine Fehldiagnose. Alex wird nicht sterben. Doch wie soll er nun weiterleben, nachdem er für seine Liebsten schon tot ist? Welcher Weg Alex aus diesem unglaublichen Dilemma herausführen wird, welche Stationen er dabei durchläuft und welche Dinge nun in seinem Notizheft stehen und abgehakt werden wollen, erzählt Neidhardt im zweiten Teil dieses Buches. Über den will ich nicht viel mehr verraten möchte, als dass er eine ungewöhnliche Reise werden wird.



Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

WAS WÜRDEST DU TUN, WENN DEINE ZEIT FAST ABGELAUFEN IST - UND DANN STELLT JEMAND DIE UHR ZURÜCK?Noch ein paar Wochen GlückAlex ist gerade 30 geworden, hat mit seinem besten Freund ein Café eröffnet, plant die Zukunft mit seiner Freundin Lisa. Und jetzt muss er sterben. Die Diagnose verändert alles, und Alex trifft eine überraschende Entscheidung: Er will die verbleibende Zeit auskosten, sich dann verabschieden und in ein Hospiz gehen.Er schreibt eine Liste, steht vor der großen Frage, was wirklich wichtig ist, wenn die Lebenszeit abläuft. Mit wem möchte er seine letzten Tage verbringen? Was noch klären? Und was macht ihn eigentlich glücklich?Sein bester Freund Bene und seine Freundin Lisa sind zunächst gar nicht einverstanden mit Alex' Weg, möchten lieber bis zum Schluss beim ihm bleiben. Trotzdem versuchen sie, möglichst viele dieser kleinen Alltagsmomente mit ihm zu erleben, die plötzlich so kostbar sind - bis er sein Leben hinter sich lässt und sich auf den Weg macht an den Ort, an dem er sterben möchte.Das Licht vor dem Ende des TunnelsIm Hospiz bezieht Alex sein letztes Zimmer. Er knüpft Kontakte, lernt Menschen kennen, die den kleinen Rest ihres Lebens hier verbringen, und er knüpft Freundschaften; vor allem zu Kasper, jenem störrischen alten Mann, der so gerne noch einmal die Welt umsegelt hätte.Doch der Tod lässt auf sich warten; und dann überlegt das Schicksal es sich einmal mehr anders und schenkt Alex Lebenszeit. Aber wo anfangen, wenn man bereits abgeschlossen hat? Wenn man nicht einfach zurück kann ins alte Umfeld, weil man für die Menschen dort tot ist? Es ist der sterbenskranke und doch so lebendige Kasper, der Alex schließlich auf eine Idee bringt ...Beglückende Momente in dunkeln StundenDu wirst sie von der ersten Seite an ins Herz schließen, Alex und seine Lieblingsmenschen Bene und Lisa. Und du wirst mit ihnen fühlen bis ins Innerste; die Verzweiflung, die Liebe, die Wut und die Hoffnung.Fabian Neidhardts Debüt stellt dich vor große Fragen und große Trauer. Und es tröstet dich damit, dass es die kleinen Dinge sind, die am Ende wirklich bedeutsam sind. Und vielleicht auch gerade die, die dir selbstverständlich erscheinen: Wie dich deine Freundin weckt, wenn du schlecht träumst. Wie sie mit dir tanzt, auch wenn du bei der Verteilung des Rhythmusgefühls leer ausgegangen bist. Und wie dich dein bester Freund im Arm hält, wenn die Tränen kommen.In leiser, eindringlicher Sprache erzählt Fabian Neidhardt eine Geschichte von Liebe, Freundschaft und der Kraft des Zusammenhalts - tieftraurig, herzerwärmend schön und vor allem immer: Mut machend.****************************************************************************Einen Augenblick lang fühlst du mit Alex, denkst: Es ist allein meine Entscheidung, wie ich mit dieser Krankheit umgehe. Sekunden später empfindest du wie Lisa, willst Alex schütteln, ihn anschreien: Kämpfe! Versuch es doch wenigstens! Beides tut weh, macht aber zugleich eine unbändige Lust aufs Leben.Linda Müller - Programm/Lektorat*****************************************************************************Fabian Neidhardt gelingt das Kunststück, ungeschönt von Abschied und Neubeginn zu schreiben - und durch diese harte und witzige und aufwühlende Geschichte ein Menschenleben in packender Weise erfahrbar zu machen. Er meistert einen erstaunlichen Balanceakt: Einfühlsam und rasant erzählt der Roman von nichts Geringerem als dem finalen Ende - und davon, wie fantasievoll widerspenstig man dem Tod begegnen kann.Robert Prosser

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Personeninformation

Schreibt mit links, seit er einen Stift halten kann, und erzählt Geschichten, seit er 12 ist. 1986 als erster von vieren in eine polnisch-italienische Familie geboren, lebt in Stuttgart. Nach dem Volontariat beim Radio studierte er Sprechkunst und Kommunikationspädagogik an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Hildesheim. Bis Mai 2019 absolvierte er die Ausbildung zum Storyliner bei der UFA Serienschule in Potsdam. Seit 2010 sitzt er als Straßenpoet mit seiner Schreibmaschine in Fußgängerzonen und schreibt Texte auf Zuruf. 2019 entwickelte er den Prosaroboter, der auf Knopfdruck Geschichten ausdruckt. 2020 ist er Stipendiat des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.
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