Nachtdiebe

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Buchprofile - Rezension
Unerhörte Begebenheit in der Medina: Bodo Kirchhoffs Novelle über einen Nachtdieb mit Bewusstseinswunden.
Was sind Nachtdiebe? Im Unterschied zu Tagedieben, die ihren alten Träumen nachhängen, verlieren sie sich in neuen, mit angeschlagenem Selbst- und rumorendem Unterbewusstsein. Im Sommer nach dem Mauerfall fliegt der Radiosprecher Quint mit seinem kleinen Sohn Julian nach Tunis. Von dort hat ihn eine Postkarte von Helen erreicht. Die junge Frau hat ein Jahr lang in Frankfurt auf Julian aufgepasst und ist dann unvermittelt verschwunden. In der Medina stößt Quint auf allerlei Merkwürdigkeiten. Da ist seine zartgliedrige Zimmerwirtin, deren spätzeitlichem Charme er verfällt, da stört ein exilierter DDR-Künstler seine Nachforschungen, und da taucht ein Tagebuch von Helen auf. Immer wieder neue Seiten werden unter Quints Hotelzimmertür durchgeschoben: Was bedeuten die unfreundlichen Enthüllungen über seine Beziehung zu Helen? Welche Rolle spielt seine zurückgebliebene Frau, Julians Mutter? Wieso bittet der Junge immer wieder seinen Vater, ihm vom Ungeheuer zu erzählen? Die daraus entstehende Rätselspannung gibt der Erzählung von Bodo Kirchhoff das Zeug zur Novelle. Und die mit der Geschichtenfindigkeit des Autors vertrauten Leser/-innen wissen Bescheid, dass "Nachtdiebe" nichts anderes ist als ein Kondensat des vor mehr als dreißig Jahren erschienenen Romans "Der Sandmann". - Eine Erzählung über die dunklen Seiten von Vater- und Geschlechterliebe, eine unheimliche Fahrt in das Unterbewusstsein eines Mannes in der Lebensmitte-Krise, mit einem fernen Echo aus der schwarzen Romantik. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Erzähl vom Ungeheuer, bittet das Kind am Abend den Vater. Zum ersten Mal sind Quint und sein Sohn Julian alleinauf Reisen; die Mutter, eine Übersetzerin, hat beruflich in Paris zu tun. Das Ziel ist Tunis, aber für Quint ist es keineUrlaubsreise: Er sucht Helen, die junge Frau, die ein Jahr auf Julian aufgepasst hat und dann plötzlich verschwand. EinzigesLebenszeichen ist eine Postkarte aus Tunis, wo sie in einem kleinen Hotel an der Medina wohnte und ein Heft mit Aufzeichnungen hinterließ. Quint bezieht mit seinem Sohn im selben Hotel ein Zimmer. Und während er Julian vom Ungeheuererzählt, dringt mehr und mehr das Ungeheure in seine Welt: Da ist die Wirtin des Hotels, Madame Melrose, der Quint ineinem unbedachten Moment erliegt, und ein unheimlicher Hotelgast, Dr. Branzger, nach eigener Aussage Exilant aus dernicht mehr existierenden DDR. Aber vor allem ist da das Heft von Helen, eine einzige Abrechnung mit Quint. Als immerwieder beschriebene Seiten unter der Tür von Quints Zimmer durchgeschoben werden, muss er das Schlimmste befürchten.Bodo Kirchhoff erzählt in seiner auf einem früheren Roman basierenden Novelle Nachtdiebe von einem Mann, der innerhalbweniger Tage und Nächte, in einem Schrecken ohne Ende, aus lebenslangem Kindertraum erwacht. Eine aberwitzige Hoffnung treibt ihn in die Medina von Tunis, wo er gespenstischen Menschen und einer unerwarteten Liebe begegnet.

Produktsicherheit

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Anschrift: Arndtstraße 11
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Personeninformation

Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Nach seinen von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierten Romanen Die Liebe in groben Zügen(2012) und Verlangen und Melancholie (2014) wurde Bodo Kirchhoff für seine Novelle Widerfahrnis (2016), die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Nach seinem großen autobiographischen Roman Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre (2018) erschien zuletzt der Roman Bericht zur Lage des Glücks (2021). Nachtdiebe ist das 20. Buch des Autors in der FVA.
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