Das Wohlbefinden

Roman | Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024
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Buchprofile - Rezension
Drei Frauen, deren Biografien durch die Beelitzer Heilstätten verbunden sind, ringen um ihre Identität und Wege der Selbstbehauptung in drei Epochen der deutschen Geschichte.
Ulla Lenze macht die Beelitzer Heilstätten am Rande von Berlin zum Bezugspunkt der Geschichten ihrer drei Protagonistinnen: Vanessa sucht 2020 in Berlin eine bezahlbare Bleibe. Der Makler einer Wohnung in Beelitz erfährt, dass sie die Urenkelin der Schriftstellerin Johanna Schellmann ist, und überreicht ihr ein unvollendetes Manuskript, das ihm einst sein Vater vererbte, der die alte Frau in den 1960er-Jahren pflegte. In den Memoiren wird von der engen Beziehung Johannas zur Beelitzer Patientin Anna Brenner erzählt, welche zu Beginn des Jahrhunderts als okkultistisches Medium in der High Society gefeiert wurde. Vanessa spürt die Geschichte der zwei unterschiedlichen Frauen auf: Anna Brenner, die als junge Arbeiterin ihre TB in der Klinik ausheilt, wird aufgrund ihrer hellsichtigen Begabung sowohl verehrt als auch verachtet. Gleichzeitig ist Johanna – verheiratet mit einem Beelitzer Arzt – auf der Suche nach ihrer schriftstellerischen Identität. Die Begegnung mit Anna löst in ihr eine ungeahnte Kreativität aus und sie holt die junge Frau als Assistentin zu sich. Doch die Wege der beiden Frauen trennen sich wieder, als ihre unterschiedlichen Bedürfnisse nach Befreiung und Aufstieg in Konflikt geraten … – Ulla Lenze hat einen Jahrhundertroman geschrieben, der auf meisterhafte Weise die Suche von drei Frauen nach Selbstbestimmung und Authentizität in verschiedenen Epochen mit dem Schicksalsort Beelitz verbindet. Die Kapitel werden aus den drei Perspektiven erzählt und bekommen so ihre ganz eigene Stimmung und Stimme, die Handlung fügt sich klug und organisch ineinander. Auch so unterschiedliche Themen wie Arbeiterbefreiung, Spiritismus in der Kaiserzeit und die Berliner Immobilienblase werden elegant eingebunden. Die Sprache ist leicht und feinfühlig, dennoch intensiv und mächtig. Ein großartiger Roman, der zu den literarischen Highlights des Jahres zählt und daher zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 steht.
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Artikelbeschreibung

»Ulla Lenze schreibt eine tolle, empfindungsintensive Prosa. Echt und wahr und ehrlich.« David Wagner

Die Fabrikarbeiterin Anna wird als Medium verehrt, Johanna Schellmann ist Schriftstellerin. In den Heilstätten Beelitz entsteht eine Verbindung zwischen den ungleichen Frauen, von der beide profitieren - bis der Kampf um Anerkennung und Aufstieg sie zu Rivalinnen macht. Ulla Lenze hat in ihrer unvergleichlich kristallinen Prosa einen großen Roman über die Verführungskraft der Selbsterlösung geschrieben.

Versteckt in den Kiefernwäldern vor den Toren Berlins liegen die Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz. Als sich die Fabrikarbeiterin Anna Brenner und die Schriftstellerin Johanna Schellmann hier im Jahr 1907 begegnen, hat das für beide Frauen existenzielle Folgen. Anna gilt als hellsichtig, und obwohl die Avantgarde der Kaiserzeit begeistert mit dem Okkulten experimentiert, wird Annas wachsende Anhängerschaft für den Leiter der Heilstätten zum Problem. In Johanna legt die Begegnung eine tief verschüttete Spiritualität frei, und sie ahnt, dass Anna eine Schlüsselrolle in ihrem literarischen Schaffen spielen könnte. Nur: Anna lässt sich nicht vereinnahmen, von niemandem. Sechzig Jahre später versucht Johanna Schellmann Worte für ihre Verstrickungen in der Vergangenheit zu finden, doch erst Vanessa, ihre Urenkelin, bringt Licht ins Dunkel - mitten in einem luxussanierten Beelitz, durch das noch die Geister der Vergangenheit wehen. Vom Kaiserreich bis in die Gegenwart porträtiert Ulla Lenze drei Frauenleben, die Befreiung und Aufstieg erfahren und sich doch nicht vor dem drohenden Bedeutungsverlust retten können.

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Personeninformation

Ulla Lenze, 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Musik und Philosophie in Köln. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jürgen-Ponto-Preis für das beste Debüt 2003, dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Förderpreis und dem Ernst-Willner-Preis beim Bachmann-Wettbewerb. 2016 erhielt Ulla Lenze für ihr Gesamtwerk den »Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft« und 2020 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld. Ihr Roman »Der Empfänger« (2020) wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Im Frühjahr 2023 hatte sie die renommierte Max-Kade-Gastprofessur am Dartmouth College (USA) inne. Ulla Lenze lebt in Buckow (Märkische Schweiz).

Pressestimmen

»Endlich einmal wieder ein Roman, der stofflich, sprachlich und historisch interessant ist.« Tilman Krause, Die Welt am Sonntag, 13. Oktober 2024 Tilman Krause Welt am Sonntag 20241013
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