Adlergestell

Roman | Shortlist »Die schönsten deutschen Bücher" Stiftung Buchkunst
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Buchprofile - Rezension
Drei Mädchen in Ostberlin erleben die Wende als ein Paradies der Süßigkeiten und sie spüren, dass das gleichzeitig für die Erwachsenen das Ende aller Gewissheiten bedeutet.
Ostberlin 1990: Drei Erstklässlerinnen erleben die Zeitenwende als Offenbarung anhand von Center-Shock-Kaugummis. Doch die Ich-Erzählerin ist enttäuscht, dass sie nicht neben ihrer Kindergartenfreundin Lenka sitzen darf, sondern ausgerechnet neben Chaline, von deren Bruder es heißt, er habe den Wald angezündet. Bei den Gesprächen der Erwachsenen bekommen sie mit, dass ihnen die Reihenhäuser von den „Wessis“ weggenommen werden sollen. Vieles von den Parolen, Hoffnungen und Enttäuschungen der neuen Zeit erahnen sie nur. Die Rebellin Chaline schlägt vor abzuhauen, zum Bahnhof Zoo. Doch daraus wird nichts. Stattdessen geraten sie in eine Demo ihrer Eltern. Und es ist wieder Chaline, die die Idee hat, Pflastersteine von der Brücke über der Stadtautobahn „Adlergestell“ zu werfen … – Es werden noch einige andere interessante Figuren eingeführt, deren Gewissheiten mit dem Mauerfall gekippt sind. So die nette Lehrerin Katja Liebig, die über Nacht mit einem neuen Schulbuch arbeiten muss. Oder die alte Nachbarin Gerda Schiller, die drei Systeme, drei Kriege und drei Männer überlebt hat. – Die Autorin Laura Laabs öffnet mit ihrer Coming-of-Age-Geschichte neue Blicke auf eine eigentlich bekannte Zeit. Sie war mit einem Auszug aus ihrem Roman zu einer Lesung für den Bachmannpreis 2025 eingeladen.
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Artikelbeschreibung

Wie beginnt man ein Leben am Ende der Geschichte?

Drei Mädchen vom Stadtrand, Center Shock auf der Zunge, abgerissener Mercedesstern um den Hals. Das sechsspurige Adlergestell vor der Nase. Ostberliner Kindheit um 1990.
Sie sind frei. Das wird jedenfalls behauptet. Freier als ihre Mütter, die sich verlieren in den Wirren des Umbruchs. Freier als ihre Großmütter, die noch immer verfolgt werden von den Gespenstern der Vergangenheit. Die drei Mädchen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch als sie merken, dass auch die neue Freiheit Grenzen hat, kommt es zum Knall.

Lenka, Chaline und die Erzählerin wachsen Tür an Tür auf, an der großen Berliner Ausfallstraße, dem Adlergestell. Beste Freunde, unzertrennlich, trotz oder wegen der völlig verschiedenen Milieus, aus denen sie kommen. Mit dem Schulanfang treten sie ein in das Chaos nach dem »Ende der Geschichte«. Das schmeckt so süß und prickelt so sauer wie die neuen Center Shocks. Doch die großen Erwartungen zerplatzen so schnell wie ihre Kaugummiblasen. Denn den Adler kümmert ihre Existenz wenig und ein Gestell gibt keinen Halt. 35 Jahre danach beginnt die Erzählerin eine Spurensuche. Warum haben sie sich verloren? Was hat ihre Vergangenheit, die ihrer Mütter und Großmütter, mit den
Verwerfungen von heute zu tun? Und hatten sie überhaupt eine Chance?
Ein furioser Nachwenderoman, der mitten in unsere Gegenwart führt.

»Laura Laabs schildert eine Gegenwart, die Anfang der 90er Jahre gerade in die Zukunft abrutscht. Und die Vergangenheit sitzt auch noch mit an der Kaffeetafel und trinkt Eierlikör. Ein Buch, das souverän durch die Zeiten spaziert.« Jenny Erpenbeck

Produktsicherheit

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Kontakt: produktsicherheit@klett-cotta.de

Personeninformation

Laura Laabs ist freie Regisseurin und Autorin. Sie studierte Politik und Filmwissenschaft sowie anschließend Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg. Sie ist als Hörspielregisseurin tätig und realisierte hier u. a. die große Hörspielproduktion zu Mädchen, Frau etc. nach dem Bestseller von Bernardine Evaristo. Ihr Spielfilmdebüt »Rote Sterne überm Feld« gewann diverse Preise, unter anderem den Kritiker-Preis beim Max Ophüls Festival und den Preis der Deutschen Filmkritik für das beste Debüt. Mit einem Auszug aus »Adlergestell« war sie zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen und wurde 2026 mit dem Festival du premier Roman in Chambéry ausgezeichnet. Zudem ist sie 2026 Stipendiatin der Jungen Akademie der Künste.

Pressestimmen

»Ein Buch, das den Geist einer Zeit greift, ohne nostalgisch zu sein, und in dem man das Wesen der eigenen Kindheit genauso spürt wie das historisch-politische Gewicht einer Umbruchszeit.« Alexander Eisenach, Süddeutsche Zeitung, 29. Dezember 2025 Alexander Eisenach Süddeutsche Zeitung 20251229

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