Liefern

Roman | SWR-BESTENLISTE JUNI 2026
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Buchprofile - Rezension
Lieferfahrer liefern Bestellungen aus. Doch wie sieht ihr Leben aus? Und wieso machen sie diesen Job überhaupt?
„Liefern“ ist kein Roman mit einer fortlaufenden Handlung, vielmehr sind es einzelne Erzählungen, die an unterschiedlichen Schauplätzen spielen, wobei einzelne Personen in verschiedenen Kontexten mehrfach auftauchen. Die Lieferfahrer:innen verbindet der Wunsch, zu überleben und eine bessere Zukunft ansteuern zu können. Dass sie diese Jobs zum Teil illegal erhalten, ist oft die einzige Wahl der durchaus gut ausgebildeten Lieferanten. Das Kapitel Mimesis liest sich flüssiger als die anderen Kapitel. Schauplatz ist Istanbul. Hier geht es – neben den Problemen des Lieferfahrers Resul – um ein vom Germanisten Erich Auerbach verfasstes Buch zur Mimesis (Nachahmung bzw. Interpretation der Wirklichkeit in der Literatur). Ganz profan findet hier auch die Nachahmung der Wirklichkeit in Form einer Haartransplantation bei den Protagonisten statt. Auch sonst gibt es immer wieder literarische Anspielungen, z.B. Wer reitet so spät. (S. 211) Im Grunde hätte jede der Erzählungen es verdient, zu einem eigenen Roman zu werden. Störend ist die Wortwahl, wenn es um ausgeübte Sexualität geht. Es nervt, und es ist auch nicht immer angemessen, wenn immer nur von ficken die Rede ist.
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Artikelbeschreibung

»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.« Pieke Biermann

Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.
Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.

Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.

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Personeninformation

Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, lebt als Schriftsteller in Berlin. Sein Debüt "Stein, Papier" erschien 2011 auf Hebräisch und 2013 in deutscher Übersetzung. 2016 erschien sein Roman "Broken German". Für den Roman "Eine runde Sache" erhielt er 2022 den Preis der Leipziger Buchmesse. Seine Arbeiten wurden mehrfach mit renommierten Stipendien ausgezeichnet. Für "Liefern" hat Tomer Gardi über drei Jahre in sechs Städten vor Ort recherchiert.

Anne Birkenhauer, 1961 geboren, studierte Germanistik und Judaistik in Berlin und Jerusalem und lebt seit 1989 in Israel. Sie übersetzt Autoren wie Aharon Appelfeld, David Grossman, Sara Shilo, Zeruya Shalev und Tomer Gardi und viele mehr. Sie erhielt unter anderem den Deutsch-Israelischen Übersetzerpreis sowie den Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds, den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und den Internationalen Literaturpreis Albatros.

Pressestimmen

»Tomer Gardi erzählt abwechslungsreich. Er wechselt die Perspektiven mit großem Gespür für Sprachwitz und Situationskomik, ohne aber den existenziellen Ernst seiner Geschichten aus dem Blick zu verlieren. [...] Das ist mitreißend und berührend, intensiv - und literarisch so gut gemacht, dass man noch mehr solcher Geschichten hören möchte. Und bei der nächsten Essensbestellung dem Lieferanten hoffentlich in die Augen schaut.« Carsten Hueck, Deutschlandfunk, 09. April 2026 Carsten Hueck Deutschlandfunk 20260409
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