Vatermilch 2: Unter der Oberfläche

Band 2
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Buchprofile - Rezension
Spurensuche eines Comiczeichners nach seinem untergetauchten Vater.
Parallel wird in weiteren acht Kapiteln das Schicksal des ehemaligen Markisenverkäufers Rufus Himmelstoß und seines Sohns Victor aufgerollt. Während der Sohn, ein Comiczeichner, mit seiner Alkoholsucht hadert und in der Gegenwart mit schwerem Kopf mit Frau und Sohn zu einer Bergtour aufbricht, wird sein Vater in den Siebzigern allmählich von Schuldgefühlen heimgesucht. Nach einer betrunkenen nächtlichen Unfallfahrt mit dreifacher Todesfolge verschwand der über seine Verhältnisse lebende Vertreter und vegetierte künftig mittellos auf der Straße. Dort freundete sich Rufus mit einem Ex-Architekten an und engagierte sich zuerst widerwillig in einer Münchner Suppenküche. Ohne es zu wissen, trifft er dort ausgerechnet auf jene Polizeibeamtin, die über die fanatische Suche nach dem Unfallverursacher ihren Job aufgab. Wie schon in Band eins (BP/mp 20/718) finden sich rätselhafte Szenen um einen prügelnden Unbekannten, der offenbar später freiwillig ins Gefängnis geht – handelt es sich um Rufus‘ Alter Ego? Diese surrealen Momente wie seine Blackouts unterbrechen immer wieder die dicht entwickelte Story um Schuld, Sühne und die Taten der Väter mit Folgen für das Leben der Söhne. Farbe setzt Uli Oesterle nur für prägnante Objekte wie das rote Unfallauto oder Victors unsichtbare Comicfigur ein. Im Gegensatz zu seinem früheren Underground-Touch baut der Münchner Zeichner heute stärker auf Ligne Claire-Anleihen unter Beibehaltung der Hell-Dunkel-Kontraste. Laut eines Interviews soll der dritte Teil im Gegensatz zur früheren Planung den Abschluss bilden.
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Artikelbeschreibung

München 1977: Rufus Himmelstoss gibt es nicht mehr. Nicht für seine Familie. Nicht für die Polizei. Nicht für ihn selbst. Seit zwei Jahren lebt der einstmals bravouröse Aufschneider auf der Straße, wo er sich nicht minder virtuos in Alkohol und Sarkasmus flüchtet. "Jammerlappen", so nennt sein obdachloser Bekannter Börni das: "Einen Teller runterzuwerfen ist eine Sache. Aber die Scherben liegenzulassen etwas ganz anderes. Das ist schlechter Stil."

Jenen helfen, die seinetwegen in der Scheiße sitzen? Keine leichte Aufgabe für einen Narzissten und sei er noch so tief gefallen. Aber Rufus spürt, dass Eile geboten ist, wenn er seinem Sohn aus der Ferne endlich ein besserer Vater sein will - denn immer häufiger und immer heftiger wird er von beängstigenden Blackouts heimgesucht. Höchste Zeit für einen guten Schachzug...

Auch im zweiten Teil seines "maßstabsetzenden Comics" (Andreas Platthaus, FAZ) paart Uli Oesterle scheinbar mühelos erzählerische Tiefe mit temporeicher Spannung und souveränen Dialogen.

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Personeninformation

Uli Oesterle, 1966 in Karlsruhe geboren, arbeitet seit seiner Ausbildung zum Grafiker an der Akademie für Gestaltung in München seit Anfang der 1990er-Jahre als freiberuflicher Illustrator, Grafiker und Comicautor u.a. für den Heye- / Athesia Verlag und die Süddeutsche Zeitung. Für das erste Kapitel seiner Comicerzählung »Hector Umbra« erhielt Oesterle 2004 den »ICOM Independent Comic Preis«, die gesamte Geschichte wurde 2010 sowohl für den Max und Moritz-Preis sowie den renommierten Preis des Festivals de la Band Dessinée D'Angouleme nominiert. Bereits vor Erscheinen wurde seine aktuelle Arbeit »Vatermilch« mit dem Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung ausgezeichnet. Für sein Werk ehrte die Stadt München Uli Oesterle 2018 mit dem Schwabinger Kunstpreis. Uli Oesterle lebt und arbeitet in München.

Pressestimmen

"Uli ist ein Gigant der deutschsprachigen Szene" Tillmann Courth tillmanncourth.de 20231124
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