People gone mad

Wie die Demokratie sich selbst zerstört | Die freiheitliche Gesellschaft und ihre Feinde
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Buchprofile - Rezension
Vier historische Beispiele, wie Demokratien aus den Fugen geraten sind.
Ist geistige Verwirrtheit ansteckend, kann sie gar ganze Völker erfassen? Und falls ja, welche Dynamiken löst sie aus? Diese Fragen geht Moshe Zimmermann als Geschichtswissenschaftler nach; Soziologie und Psychologe blendet er bewusst aus. Dazu schildert der Autor anhand von vier historischen Fällen, wie Demokratien (zumindest galten sie nach den Standards ihrer Zeit als solche) „aus den Fugen“ geraten sind. Frankreich in der Dreyfus-Affäre, die Weimarer Republik, der Antikommunismus in den USA und die aktuelle Situation in Israel unter dem Premier Netanjahu. Die Quintessenz lautet: Es sind die Populisten von rechts, die den „people gone mad“-Modus herbeiführen. Ihnen gilt es, rechtzeitig Grenzen zu setzen. Der Autor leitet ab, warum sich Mehrheiten manchmal aktiv gegen ihre eigenen Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Solidarität entscheiden. Dadurch erhält der Leser ein grobes Raster für die Früherkennung demokratieschädlichen Agierens. Im Falle Israels wird aufgezeigt, wie der Zionismus in Teilen autoritär umgedeutet und für eine aggressive Politik dienstbar gemacht wird. Trotz des Anspruchs, das Thema historisch-wissenschaftlich aufzuarbeiten, hat das Buch eindeutig den Charakter eines Manifests mit linksliberaler Grundhaltung. Wer als Leser diese Vorzeichen einzuordnen vermag, erhält ein engagiertes Plädoyer für die Wachsamkeit in der Demokratie gegenüber den Kampagnen der politischen Ränder. Für alle Bestände geeignet.
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Artikelbeschreibung

Wann und warum kommen Demokratien vom Kurs ab?

»People gone mad« - die Leute sind verrückt geworden. Wer hätte das zuletzt nicht schon gedacht? Moshe Zimmermann nimmt nicht den einzelnen Menschen, sondern ganze Gesellschaften, »das Volk«, in den Blick: Wo ist der Kipppunkt, was ist der Auslöser, dass scheinbar gefestigte Demokratien mit einer starken Zivilgesellschaft ins Wanken geraten, gefährliche Populisten die Oberhand gewinnen oder gar ein faschistischer »Führer« die Macht ergreift? Was bringt Menschen dazu, sich von hart erkämpften Grundwerten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität abzuwenden?

Angesichts einer bedrohlichen Gegenwart unter einer wachsenden Zahl von autoritären Regimen analysiert Moshe Zimmermann markante historische Beispiele wie die Dreyfus-Affäre in Frankreich, den McCarthyismus in den USA, die Weimarer Republik in Deutschland und die Umdeutung des Zionismus in Israel. Der renommierte Historiker zeigt, wie wir den Feinden der Demokratie auf die Spur kommen können, bevor es zum »point of no return« kommt.  

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Personeninformation

Moshe Zimmermann, geb. 1943 in Jerusalem, ist Professor emeritus für moderne Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u. a. Antisemitismus und Nationalismus. Bis 2012 leitete er das Koebner Zentrum für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität. Er ist Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschien bei Propyläen Niemals Frieden? Israel am Scheideweg, das für den Deutschen Sachbuchpreis 2024 nominiert war. 

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