Unter dem Pflaster liegt der Strand

Roman | Das Über-Lebensbuch aus Norwegen
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Buchprofile - Rezension
In Stavanger dreht sich für eine vierköpfige Clique alles um Kernkraft und Erdöl sowie um die Komplexität des Lebens.
Im Herbst 1969 wurde in der Nordsee das Ölbohrfeld "Ekofisk" entdeckt – mit dem Öl begann Norwegens Aufstieg zu einem der reichsten Länder der Welt. Doch in Harstads Roman steht der Erdölindustrie eine andere mächtige Energiequelle gegenüber. In Forus, einem Vorort Stavangers, läuft ein ambitioniertes Projekt: der Kubikel-Reaktor, mit dem Energie durch Kernfusion gewonnen werden soll. In dessen Nähe wachsen die engen Freunde Ingmar, Jonatan, Peter und Ebba auf. Sie streifen gemeinsam durch die Stadt, diskutieren über Gott und die Welt. Eine besondere Rolle spielt dabei Ebba, die Tochter eines Kernphysikers, der maßgeblich an dem fiktiven Kubikel-Projekt beteiligt ist, das nach heftigen Protesten aber eingestellt wird. Als die Freunde nach einer Silvesterfeier an einem leerstehenden Gebäude auf dem stillgelegten Kubikel-Gelände vorbeikommen, betritt Jonatan neugierig das unverschlossene Haus – und kehrt vollkommen verstört zurück. Er hat irgendetwas gesehen, was ihn in den Wahnsinn treibt und schließlich in die Psychiatrie bringt. Ingmar wird später Kernphysiker und arbeitet im realen Atommüll-Endlager Onkalo. Bei einer Konferenz in Warschau spricht ihn ein Amerikaner auf seine Jugend in Norwegen an. Das Gespräch bringt Ingmar dazu, über die alten Zeiten mit Jonatan, Peter und Ebba nachzudenken. – Johan Harstads 1100-seitiger Roman kreist um zwei zentrale Themen: Kernenergie sowie die Vielschichtigkeit der Existenz. Neben einer Fülle an Details zu Kernspaltung und Kernfusion verbindet das Buch realistische mit fantastischen Elementen und bietet faszinierende Einblicke in die Komplexität des Lebens. Harstad beeindruckt mit einer enormen Bandbreite an Themen und Schauplätzen, doch Zeitsprünge und ausufernde Beschreibungen psychologischer wie historischer Hintergründe erschweren das Lesen. Wer literarische Herausforderungen liebt, Geduld mitbringt und sich für tiefgehende Charakterentwicklungen interessiert, wird in diesem Mammutwerk eine lohnende Lektüre finden.
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Artikelbeschreibung

Ingmar Olsen nimmt in Warschau an einer Konferenz zum Thema Atommüll teil, als ein ihm  unbekannter Amerikaner auf ihn zukommt und beginnt, ihn über seine Jugendzeit in Norwegen auszufragen, über die er längst mehr zu wissen scheint. Kurz darauf erhält Ingmar einen Anruf von seinem Jugendfreund Jonatan, der sich nach fast 20 Jahren von einem Containerschiff meldet, um etwas zu besprechen, mit dem Ingmar vor Langem abgeschlossen hat. Der Freund und der Fremde bringen Ingmar dazu, über seine damalige Clique nachzudenken, was sie zusammenhielt und auseinandertrieb und mit deren einzigem weiblichen Mitglied Ebba Ingmar bis heute eine große Liebe verbindet. 

Unter dem Pflaster liegt der Strand! ist ein ebenso großer wie überwältigender Roman über eine Art Stein, der einen in sieben Minuten die eigene Zukunft durchleben lässt und dabei, tja, keinen Stein auf dem anderen lässt.

»UNGLAUBLICH. Dieser Text: eine Naturgewalt!« Samira El Ouassil

»Unter dem Pflaster liegt der Strand und in diesem Backstein von einem Buch wartet eine epische Reise durch Zeit und Raum, die am Ende genau die richtige Frage stellt: Was macht unsere Zeit auf diesem Planeten eigentlich aus?« Berit Glanz



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Personeninformation

Johan Harstad, geboren 1979 in Stavanger, veröffentlichte in Norwegen zwei vielbeachtete Erzählbände, bevor dort 2005 sein erster Roman erschien, der in zehn Sprachen übersetzt wurde. Harstad wurde mit dem Ungdommens Kritikerpris, dem Bragepris, dem Ibsenpris und dem Hungerpris ausgezeichnet. Er lebt in Oslo. Zuletzt erschienen von Harstad "Max, Mischa und die Tet-Offensive" (2019) und "Auf frischer Tat" (2022). 

Ursel Allenstein studierte Skandinavistik und Germanistik in Frankfurt und Kopenhagen. Sie ist Übersetzerin aus dem Schwedischen, Norwegischen und Dänischen von u. a. Sara Stridsberg, Johan Harstad und Tove Ditlevsen. Für ihre Übersetzungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Jane Scatcherd-Preis der Ledig-Rowohlt-Stiftung.

Stefan Pluschkat, geb. 1982 in Essen, studierte Komparatistik und Philosophie in Bochum und Göteborg. Er übersetzt Romane, Kinder- und Sachbücher aus dem Schwedischen und Norwegischen und erhielt 2018 den Hamburger Förderpreis für Übersetzung.

Pressestimmen

»Es wird wieder diesen selbstgefälligen Seufzer geben über den Umfang: 1200 Seiten. Wo alles in Kurzform geschehen muss, kurze Botschaften, kurze Antworten, kurze Werbeunterbrechungen und Verständnissimulationen mit KI-Unterstützung, hat der neue Roman des Norwegers Johan Harstad beste Aussichten auf den Staubfänger des Jahres. Doch was steckt nicht alles in diesem wundersam verstrahlten Backstein!« Matthias Hannemann Frankfurter Allgemeine Zeitung 20250312
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