Schöner als überall

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Freunde Martin und Noah müssen mit Anfang 20 überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen.
Vor zwei Jahren haben die beiden Freunde Martin und Noah ihr kleines Dorf im Rheintal verlassen und sind nach München gezogen. Noah hat die Hauptrolle in einem Film ergattert, Martin halbherzig ein Studium begonnen. Nach einem Saufgelage bricht Noah in einem Münchener Park den Speer einer Athenestatue ab. In einer Nacht- und Nebelaktion mietet er einen Transporter und fährt mit Speer und Martin nach Hause. Er will das Beweisstück in einem Baggersee versenken, da er fürchtet, sein Ruf sei andernfalls zerstört. Die Geschichte, die wie eine Roadnovel beginnt, mündet alsbald in ruhigerem Fahrwasser. Martin kehrt in sein Elternhaus zurück und beginnt sich zu fragen, wovor er vor zwei Jahren geflohen ist. Wie hat ihn dieser Ort geprägt? Er trifft alte Freunde und seine Jugendliebe wieder. Kaum einer hat das erreicht, was er beim Schulabschluss ersehnte. Aus der Perspektive von Martin erzählt die sehr junge Autorin Kristin Höller (Jahrg. 96) in ihrem Erstlingswerk vom Erwachsenwerden, vom Glück und Schmerz der ersten Liebe und den Schwierigkeiten, seinen Platz in der Welt zu finden. Ihre Sprache ist authentisch und berührt. Ein beeindruckendes Debüt!
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Artikelbeschreibung

Es beginnt wie ein Roadmovie. Im gemieteten Transporter fahren Martin und sein bester Freund Noah über die Autobahn. Auf der Ladefläche der Speer der bronzenen Athene vom Münchner Königsplatz, Trophäe einer rauschhaften Sommernacht. Sechs Stunden später sind sie zurück an den Orten ihrer Kindheit: Die Spielstraßen, die Fenchelfelder, die Kiesgrube haben sie vor Jahren hinter sich gelassen. Auch Mugo ist zurück, die kluge, wütende Mugo, die immer vom Ausbruch aus der Provinz geträumt und Martin damit angesteckt hat. Sie wollte raus aus der Kleinstadt, aus dem Plattenbau mit Blick auf Einfamilienhäuser und Carports. Nun arbeitet sie an der Tankstelle am Ortseingang und will nichts mehr von Martin wissen. Sogar Noah wird ihm in der vertrauten Umgebung immer fremder. Auf sich allein gestellt, ist Martin gezwungen, das Verhältnis zur eigenen Herkunft zu überdenken.

Einfühlsam und mit Witz erzählt Kristin Höller in ihrem Romandebüt vom Erwachsenwerden: von der Verwundbarkeit, der Neugierde, der Liebe und der Wut, von großen Plänen und den Sackgassen, in denen sie oftmals enden. Sie erzählt von der Entschlossenheit der Mütter und dem Erwartungsdruck der Väter, vom Ende einer Freundschaft und der Schönheit von Regionalbahnhöfen. Existenziell, tröstlich, hinreißend.

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Personeninformation

Kristin Holler, geboren 1996, aufgewachsen in Bonn. Sie studierte bis 2019 Sprach-, Literatur-und Kulturwissenschaften in Dresden. Freie Mitarbeit bei mehreren Zeitungen und Zeitschriften. 2016 Finalistin des 24. Open Mike, 2017 Teilnehmerin der Autorenwerkstatt Prosa des LCB. 2018 Preisträgerin des Schweizer Literaturfestivals Literaare. Bis 2019 Mitveranstalterin von OstKap, der Dresdner Lesereihe für junge Literatur. Sie schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane, für die sie mit mehreren Stipendien und Preisen ausgezeichnet wurde, u. a. mit dem Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium 2019 für ihren Debütroman Schöner als überall. Kristin Höller ist Mitveranstalterin der queeren Lesereihe und Karaokeshow SMASH und lebt in Leipzig.

Pressestimmen

»[Kristin Höller] gelingt es, ihr literarisches Talent immer wieder in großartigen Szenen mit witzigen Dialogen auszuspielen ... In der Suche nach Antworten auf die großen Fragen lässt sie ihre Figuren sehr zart und weise auch ihr Scheitern eingestehen.« Antje Weber Süddeutsche Zeitung 20200424
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