Heim.Statt

Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Gedichte über die fortschreitende Zerstörung von verschiedenen "Heimstätten".
Gedichte von Esther Kinsky der "Naturlyrik" zuzuordnen, hieße sie vollkommen misszuverstehen. Zeilen zu hellblühenden Blumen, dunklen Wäldern und beruhigend dahin plätschernden Flüssen wird man hier nie finden, obwohl immer wieder von Pflanzen, von Vögeln, von Bäumen, von Felswänden und Spuren im Schnee die Rede ist. Man muss sich bei der Lektüre dieser Gedichte auch auf einen gelegentlich mühsamen Weg durch ein Dickicht neuer, fantasiereicher Wörter einstellen. Das beginnt bereits mit dem aus zwei durch einen Punkt getrennten Wörtern geformten Titel. "Heimstatt" ist ein altes, heute allerdings kaum noch verwendetes Wort für eine festgefügte, an einen Ort gebundene Heimat. Der Titel lässt sich aber auch umgedreht als "Statt Heimat" lesen. Und dann ist man schon etwas näher an der Grundthematik dieses Gedichtbandes. Ohne im vordergründigen Sinn politisch anklagend zu erscheinen, geht es in den mal in einer lyrischen, mal in einer prosaischen Form verfassten Texten (plus einigen fremdsprachigen Zitaten) um sehr aktuelle "Überlebensthemen" unserer Zeit. Von Fluchten, von zerstörten Heimaten, von unverständlichen Wörtern einer fremden Sprache ist die Rede. "Bei Nordwind wird der Duft der Rosen beiderseits des Flusses Tisza bis nach Serbien getragen. Die jungen Männer auf der Südseite des Grenzzauns schließen die Augen. Sie halten den Duft für einen Hauch vom Paradies". Man könnte denken, hier handelt es sich um durch und durch schwarz gefärbte, dunkel klagende Texte, die sich einreihen in den apokalyptischen Grundton der Epoche, in der wir leben. Aber dass die Autorin Seite für Seite, Gedicht für Gedicht nach einer literarischen Sprache sucht, mit der wir die Zerstörung unserer Heimstatt, vor allem aber die der weltweit Flüchtenden in Worte fassen können, ist bereits ein Moment des Widerstands, der der Literatur wie der Kunst überhaupt möglich ist. Vielleicht gibt es ja jenseits von den Ruinen verlorener Heimat noch eine "Heim.Statt" in der Literatur...
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Artikelbeschreibung

Bilder von Flucht, Vertreibung und Versehrung über die Jahrtausende hinweg, in Historie und Mythos: Eurydike, panisch vor einem ihr nachstellenden Gott fliehend, übersieht die Schlange und stirbt an ihrem Biss. Landlose Häusler in Nordschottland, auf minderwertiges Land umgesiedelt oder zur Auswanderung gezwungen. Eine junge deutsche Adelige, gebildet und begabt, widersetzt sich dem »Gegebenen«, »den Sitten der Gefälligkeit« ihres Standes. Eine Magd in Polen verwandelt sich in einen Vogel und entkommt so der Armut und den Zumutungen des Lebens. Im äußersten Norden Italiens verweigern Frauen, über Monate auf sich allein gestellt, nach der Rückkehr der Männer die menschliche Sprache.

Esther Kinskys Heim.Statt ist ein Zyklus aus sieben mehrstimmigen Langgedichten, verbunden durch kurze Zwischentexte, die wiederkehrende Motive der Gewalt, der Verletzung, des Verstummens zum großen Thema der Flucht bündeln und verdichten. Wie Aufbruch und Verlust immer schon Bestandteil des menschlichen Daseins waren, Anlass zu Hoffnung und Trauma gleichermaßen, dafür findet Esther Kinsky berührende Bilder und eine bezwingende Sprache.

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Personeninformation

Esther Kinsky wurde in Engelskirchen geboren und wuchs im Rheinland auf. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Essays und Erzählprosa ebenso umfasst wie Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen, wurde sie mit zahlreichen namhaften Preisen ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Das Rhythmische verbindet sich in diesen Gedichten mit bestimmten Bildern, die wiederkehren und selbstständige Motivkomplexe bilden. Der Text entwirft seinen eigenen Sinnzusammenhang und stellt ihn der vorgefundenen Wirklichkeit entgegen.« Helmut Böttiger wochentaz 20250801
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