Die Welt von morgen

Ein souveränes demokratisches Europa - und seine Feinde | Eine Streitschrift für das Friedensprojekt Europa
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Buchprofile - Rezension
Vision einer übernationalen Europäischen Union.
Der Titel des Werks knüpft an Stefan Zweigs "Die Welt von gestern" an, dem wehmütigen Blick zurück auf das Mitteleuropa unter der Habsburg-Monarchie vor 1914. Deren Verfasstheit als übernationales Gebilde, bürgernah, bunt, subsidiär, wenn auch monarchisch, birgt für Robert Menasse die Inspiration für eine nachnationale Europäische Union, die erstrebenswerte politische Vision des Autors. In knapp vierzig Skizzen werden Betrachtungen zu Wesen und Struktur des Modells umrissen. Dreh- und Angelpunkt ist für den Autor der Ersatz des Völkerrechts durch die Menschenrechte. Sie sollen den künftigen "demos" Europas konstituieren, jenseits aller Kulturen, Sprachen und Traditionen. Als Leser sympathisiert man mit den Grundgedanken der Vision, zeigt Bewunderung für den Mut des Träumers und schätzt erste gut sortierte Gedanken zur Umsetzung. Um sich im nächsten Moment das ungeheure Maß an Auslassungen, Illusionen und Wünschbarkeiten zu vergegenwärtigen, die einer Realisierung auch nur im Ansatz entgegenstehen. Der Autor will keinen Projektplan liefern, eher in einer Zeit der Krise einen Aufbruch zu neuen Ufern befeuern. Der Stil ist leidenschaftlich, zuweilen unduldsam und immer wieder mit dem Schmäh durchsetzt, den man Wienern nachsagt. – Lesenswert für Bewunderer wie Skeptiker der Europäischen Union gleichermaßen.
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Artikelbeschreibung

Robert Menasse erklärt und verteidigt - im Jahr der Europawahl - die europäische Idee, lädt aber auch dazu ein, die systemischen Widersprüche der Union zu kritisieren und zu überwinden. Die Alternative, vor der wir stehen, ist nicht kompliziert: Entweder gelingt das historisch Einmalige, nämlich der Aufbau einer nachnationalen Demokratie, oder es droht ein Rückfall in das Europa der Nationalstaaten. Das wäre eine weitere Niederlage der Vernunft - mit den Gefahren und Konsequenzen, die uns aus der Geschichte nur allzu bekannt sein sollten.In Die Welt von Gestern schildert Stefan Zweig das kosmopolitische Europa vor 1914. Als er seine Erinnerungen niederschreibt, existiert es nicht länger, 'weggewaschen ohne Spur' von der faschistischen Barbarei. Zweig stirbt 1942. Aber das übernationale Europa bekommt nach 1945 eine zweite Chance. Visionäre stoßen ein epochales Friedensprojekt an, Grenzen fallen, der Nationalismus weicht der Kooperation.Doch auch dieses Projekt könnte schon bald Geschichte sein. Demokratische Defizite führen zu Protest. Mannigfaltige Krisen machen den Menschen Angst. In vielen Mitgliedstaaten schüren Politiker, die von den Erfahrungen der Gründer nichts mehr wissen (wollen), einen neuen Nationalismus. Heute steht Europa wieder am Scheideweg. Wie wird die Welt von morgen aussehen?'Die Lehren aus der Geschichte und unsere zeitgenössischen Erfahrungen führen zum selben Schluss: Nur eine gemeinsame transnationale Politik kann eingreifen, kann gestalten und ordnen, was ansonsten Zerstörung, Verbrechen und Misere produziert.'

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»Niemand schrieb und schreibt in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur so leidenschaftlich über die EU wie der 1954 in Wien geborene Schriftsteller.« Katharina Teutsch Frankfurter Allgemeine Zeitung 20240620
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