Radio Nacht

Roman | Klimaproteste, Pandemie, die Bedrohung durch Russland: Von einer Zeit, in der die Hoffnungen auf radikale Veränderungen in der Ukraine begraben werden
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Buchprofile - Rezension
Ein einsamer Radio-Moderator unterhält mit Episoden aus seinem Leben schlaflose Hörer.
Juri Andruchowytsch, einer der bedeutendsten Autoren der ukrainischen Gegenwartsliteratur, erzählt in diesem Roman die Lebensgeschichte seines Protagonisten Josip Rotsky. Den Namen wählte er wohl in Anlehnung an Joseph Roth, Leo Trotzki und Joseph Brodsky. In 15 Radiosendungen zwischen null Uhr und acht Uhr lässt er den Moderator, weitgehend in der Ich-Form, über die schicksalhaften Ereignisse in dessen bewegtem Leben berichten, aber auch über die politische Entwicklung in einem namentlich nicht bezeichneten Land, mit dem unzweifelhaft die Ukraine gemeint ist. Rotsky stellt sich dabei als vielfältige Persönlichkeit dar: Pianist, ehemaliger Rockstar und Pornodarsteller, Revolutionär und Mörder. Seine Karriere als Aufrührer endet damit, dass ihm bei einem gewaltlosen Widerstand (eindeutig die Maidan-Revolution) die Finger gebrochen werden. Er verlässt die Heimat, zieht durch die Welt und landet schließlich in der Schweiz. Als er dort ein Attentat auf den Diktator seines Heimatlands verübt, wird er inhaftiert. Im Gefängnis macht er die Bekanntschaft eines Milliardärs. Durch ihn wird er nach dessen Tod selbst sehr vermögend, was den Geheimdienst auf ihn aufmerksam macht und ihn erneut zur Flucht veranlasst. Begleitet wird er lediglich von seinem engsten Freund, dem Raben Edgar. Irgendwann kehrt er zurück, in ein trostloses namenloses Land. - Das Werk ist keine realistische Erzählung. Es ist Thriller, Künstlerroman, Autobiografie und Liebesgeschichte, faszinierend und unterhaltsam, aber auch geprägt von großer Hoffnungslosigkeit. Auch wenn es noch vor dem russischen Angriff auf die Ukraine verfasst worden ist, spürt man ständig die Bedrohung des übermächtigen Nachbarn. Während manche Begebenheiten recht derb oder amüsant dargestellt werden, gibt es aber auch sehr wehmütige und melancholische Szenen. Der Roman ist keine Lektüre zur Entspannung, sondern fordert Konzentration vom Leser. Dennoch ist er besonders in der heutigen politischen Situation zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Als 'Barrikadenpianist' hat er die Revolution zu Hause unterstützt. In der Emigration verdient er sein Geld als Salonmusiker - Josip Rotsky, ein Mann unklarer Identität, dessen Name sich auf Trotzki, Brodsky und Joseph Roth reimt. In einem Schweizer Hotel muss er für den Diktator seines Landes spielen - und wird zum Attentäter. Nach der Haft zieht Rotsky sich in die heimatlichen Karpaten zurück. Geheimdienstler und andere Finsterlinge trachten ihm nach dem Leben. Mit seiner Geliebten Animé und dem Raben Edgar flieht er nach Griechenland. Erst auf der Gefängnisinsel am Null-Meridian ist Schluss. Dort sendet sein 'Radio Nacht' rund um die Uhr Musik, Poesie und Geschichten in die sich verfinsternde Welt.Radio Nacht, in der Ukraine 2020 erschienen, ist nicht nur ein sprachliches Feuerwerk, sondern ein Gegenwartsroman von eminenter Aktualität. Klimaproteste, Pandemie, die Bedrohung durch Russland - er handelt von einer Zeit, in der die Hoffnungen auf radikale Veränderungen begraben werden.

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Pressestimmen

»Die heterogenen Handlungselemente, ach: die aberwitzigen Wendungen des Geschehens werden durch phantastische Schlenker und hanebüchene Motive miteinander verbunden ... Die Rockmusik und der Sex, der Schotter und die Liebe - Radio Nacht hebt die unverkennbar spätpubertären Züge seiner Hauptperson durch Beschleunigung und postmoderne Ironie auf ein sehr unterhaltsames karnevalistisches Niveau.« Jörg Plath Neue Zürcher Zeitung 20221122
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