Streulicht

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Buchprofile - Rezension
Frustrierende Erfahrungen der Tochter eines deutschen Industriearbeiters und einer türkischen Einwanderin.
Die 32-jährige Deniz Ohde ist mit ihrem Debütroman "Streulicht" völlig zu Recht für den Deutschen Buchpreis nominiert. Man muss sich ein bisschen einlesen in diese Geschichte, die einem die Augen öffnet über die Abgehängten in unserer Gesellschaft. Wo fängt Diskriminierung an? Und wie sieht es aus mit der Chancengleichheit für jemanden wie die Ich-Erzählerin in Ohdes Roman, die einen Vater hat, der Schichtarbeiter und Alkoholiker ist, und eine Mutter, die aus der Türkei nach Deutschland kam? "Streulicht" erzählt von seelischen Verletzungen - zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis, in der Universität - und von der Scham über den trinkenden Vater, das verwahrloste Zuhause, den frühen Schulabbruch. - Ein Buch, das lange nachklingt, dem man viele Leser wünscht und den Deutschen Buchpreis. Für alle Bestände geeignet, in denen nicht nur Unterhaltungsliteratur nachgefragt wird.
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Artikelbeschreibung

Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis der Hausrat aus allen Schränken quoll. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, ehe sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst - zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden.Wahrhaftig und einfühlsam erkundet Deniz Ohde in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

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Pressestimmen

»[Streulicht] erinnert an französische Autoren wie Didier Eribon, Édouard Louis und Annie Ernaux, die sich allesamt aus dem sozialen Abseits herausgeschrieben haben. Nun liegt mit Deniz Ohdes Streulicht auch ein überzeugendes Gegenstück deutscher Literatur vor, das in seiner schnörkellosen Sprache mit dem Bildungsversprechen von Chancengleichheit abrechnet, ohne dabei plakative identitätspolitische Statements oder ein 'J'accuse' gebrauchen zu müssen.« Sinem Kilic DIE ZEIT 20201126
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