Die Familie

Band 7
Roman
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Buchprofile - Rezension
In Andreas Maiers 7. autobiografischen Roman geht es um die Geheimnisse seiner eigenen Herkunftsfamilie.
Im 7. Band seiner autobiografischen Familiengeschichte (zul. "Die Universität", BP/mp 18/696) rückt der Autor seine Kernfamilie ins Zentrum. Er beschreibt seine ersten Kindheitserinnerungen, den großen Garten, eine alte Mühle, die unter Denkmalschutz steht. Seine Mutter hatte einen Teil des ehemaligen Firmengeländes ihrer Eltern geerbt. Die weiteren Teile gehören ihren Brüdern Heinz und dem geistig behinderten J. Andreas ist das jüngste von drei Geschwistern. Sein Bruder stellt früh gesellschaftliche Strukturen infrage und schließt sich linken Kreisen an. Seine Schwester heiratet einen Amerikaner und steht immer wieder mittellos vor der Tür ihrer Eltern. Enttäuscht von ihren Kindern zieht die Mutter sich immer mehr in ihr Schlafzimmer zurück. Doch Andreas lässt ihr keine Ruhe und fängt an, Fragen zu stellen. Was hat es mit den 100.000 DM auf sich, die Onkel Heinz fordert? Durch wiederholtes Nachbohren kommt der Ich-Erzähler manchem Familiengeheimnis auf die Spur. Auf das größte Geheimnis stößt ihn jedoch eine alte Freundin. Wie ist die Familie der Mutter in den Besitz des großen Grundstückes gekommen? Auf einem jüdischen Friedhof in Friedberg muss er sich der Tatsache stellen, dass die Wetterau seiner Romane voller Schweigen und Lügen steckt. Das Schweigen in der Familie steht für die kollektive Unfähigkeit geschichtlicher Aufarbeitung. Ein lesenswerter kleiner Roman, der auch ohne die Vorgängerbände breit einsetzbar ist.
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Artikelbeschreibung

Am Ende dieses Romans ist der Erzähler Andreas 28 Jahre alt und studiert in Frankfurt am Main, wo er sich unter anderem mit Wahrheitstheorien auseinandersetzt. Andreas Maier erzählt, wie es gerade die Hindernisse in seinem Leben waren, die seinen Protagonisten zu einer derart abseitigen Beschäftigung veranlassten. In seinem ironisch-komisch, zugleich Gefühle nicht aussparenden Duktus sucht er dem auf die Spur zu kommen, was ihn zur Beschäftigung mit der Unterscheidung zwischen »wahr« oder »falsch« bzw. »Lüge« beinahe unweigerlich geführt hat.

Die Gründe liegen in der Kindheit: Konflikte des fünf Jahre älteren Bruders mit dem CDU-Vater: »Realpolitik« (der Vater ist Kreistagsabgeordneter) vs. einem ethisch »reinen« »Fundamentalismus« (der Bruder gründet, kaum fünfzehn, den ersten Grünen-Verband in der Stadt mit). Der Protagonist ist damals zwölf und lernt erstmals, wie offen zutage liegende Wahrheiten von engsten Verwandten dauerhaft bestritten werden. Der Schüler schaut den Diskussionen, etwa im Sozialkundeunterricht oder bei der Blockade vor dem Kasernentor, nur noch zu, ohne einzugreifen, und beginnt sie als Gesellschaftsspiel zu lesen.

Für die Universität ist das eine schlechte Vorbereitung. Als Student beginnt der Protagonist zu begreifen, dass Öffentlichkeit auf Unwahrheit, Verdrängung und kollektiver Rationalisierung beruht. Der neue Roman von Andreas Maier konfrontiert den Protagonisten mit dem Riss, der die Welt durchzieht: dem Konflikt von Einzelwesen (einzelner Mensch vor Gott, vor der Wahrheit) kontra Gesellschaft (nicht wahrheitsfähig, aber dennoch genauso existent und unabänderbar). Und erste Erkenntnisse, wonach diese Dichotomie nicht zu heilen ist: dass wir in beiden Sphären existieren.

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Personeninformation

Andreas Maier, 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren, studierte Philosophie und Germanistik, anschließend Altphilologie. Er lebt in Frankfurt am Main.

Pressestimmen

»Der Autor beginnt noch einmal; 'ganz von vorn' puzzelt er sich seine Herkunft zusammen. ... Er, das 'Kind der Schweigekinder', stellt fest: 'Ich schreibe die ganze Zeit Nachkriegsliteratur, ohne es zu merken.' Spätestens im Epilog wird deutlich, wie klug er dabei vorgegangen ist.« Marlene Grunert Frankfurter Allgemeine Zeitung 20190808
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