Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen

Roman
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Buchprofile - Rezension
Literarische Spurensuche nach einer in Nicaragua verschollenen Seismologin.
Die Ich-Erzählerin ist gerade dabei, die Blumen in Nellys Wohnung zu gießen, als deren Freund Jakob sie aus Nicaragua anruft und mitteilt, dass Nelly verschwunden sei, vermutlich abgestürzt mit einem Propellerflugzeug. Kennengelernt hatte sie Nelly vor Jahren im Studentenwohnheim. Weil sie das rätselhafte Verschwinden ihrer Freundin nicht verwinden kann, macht sie sich auf nach Nicaragua, wohnt in Nellys Zimmer in Esperanzas Haus und sammelt Geschichten über sie: "Fetzen zusammensuchen. Ich hatte gehofft, mir einen Reim zu machen auf das Leben, das Nelly geführt hatte, die Person, die sie gewesen war" (S. 278). Diese "Fetzen" zusammenzubringen, ist Aufgabe der Leser. Es ist stellenweise anstrengend, der Erzählerin und ihren Abschweifungen durch die verschiedenen Zeitebenen zu folgen. Doch darin liegt das Erzählprinzip der 1980 geborenen Autorin Nina Bußmann: Annäherung durch Einkreisen, um so den Verlust zu verarbeiten. - Für aktive Leser eine interessante Lektüre.
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Artikelbeschreibung

An einem wolkenlosen Tag in der Karibik verschwindet das Propellerflugzeug mit der 32-jährigen Seismologin Nelly an Bord plötzlich vom Radar. Nach monatelanger Suche werden Trümmerteile in den Wäldern Nicaraguas gefunden. Doch von Nelly weiter keine Spur. Zu Hause in Frankfurt kann ihre Freundin ihr rätselhaftes Verschwinden nicht verwinden. Sie reist nach Managua, quartiert sich in Nellys altem Zimmer ein, liest ihre zurückgelassenen Aufzeichnungen und Tagebücher und spricht mit den Menschen, die mit ihr zu tun hatten, getrieben von einer seltsamen Obsession, die abzulenken scheint von einem Geheimnis in ihrem eigenen Leben. Ihre Suche nach Nelly nimmt mehr und mehr die Züge einer Flucht an.

Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen ist ein Roman über Fremdheit und Einsamkeit, über private und politische Gefährdungen, ein Roman über den Wunsch, zu verschwinden, und die Hoffnung, gesucht und geborgen zu werden, wenigstens in der Erinnerung, im Gespräch. Denn das Verschwinden setzt vielem ein Ende, nicht aber dem Erzählen.

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Personeninformation

Nina Bußmann, geboren 1980 in Frankfurt am Main, lebt in Berlin. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, zuletzt das Alfred-Döblin-Stipendium 2022.

Pressestimmen

»Den enormen Drive, den der Roman ... besitzt, die Stimmungslage aus Spannung und Vorahnung, die über allem schwelt, sie entstehen wie in den Filmen Michelangelo Antonionis ...« Jan Wilm Frankfurter Allgemeine Zeitung 20170720
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