Tonio

Ein Requiemroman. Ausgezeichnet mit dem Libris Literaturpreis 2012
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Buchprofile - Rezension
Ein niederländischer Schriftsteller beklagt den Verlust seines Sohnes.
Auf die polizeiliche Mitteilung, sein Sohn sei nach einem Verkehrsunfall "in kritischem Zustand" in ein Krankenhaus eingeliefert worden, reagiert der niederländische Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden zunächst wie in Trance. "Es weint in mir", schreibt der 1951 Geborene in sein Tagebuch. Wochen später wird er notieren: "Es schreit in mir". Für Mirjam und "Adri", wie ihn der fast 22-jährige Tonio liebevoll nannte, scheint seit jenem Pfingstsonntag 2010 die Zeit stillzustehen. Ihr Wunschkind, ihr geliebter Toto, ist den Folgen seiner inneren Verletzungen erlegen. "Mussten wir ... bestraft werden ..., weil wir es zu dritt so gut hatten ...?" Einem "Tornado von Emotionen" ausgesetzt, verbinden sich "Schuld, Scham und Niederlage" sowie "Schmerz" und "Auflehnung". Mithilfe seiner Ende Mai 2010 begonnenen Tagebuchaufzeichnungen stellt sich van der Heijden dem nur schwer zu realisierenden Unglück. Wenn er ein knappes Jahr später sein dem Sohn gewidmetes Requiem vollendet, ist ein ungewöhnlicher, schonungslos ehrlicher, assoziativ geschriebener Roman entstanden. Als ein Anteilnahme zulassendes, bewegendes Abschiedsbuch hält es Erinnerungen wach, die den Betroffenen Kraft und Trost spenden. (Übers.: Helga van Beuningen)
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Artikelbeschreibung

Worüber man nicht reden kann, darüber muß man einen Roman schreiben, so lautet die Lebens- und Überlebensmaxime A. F. Th. van der Heijdens. Es ist die einzige Art und Weise, wie er dem Schicksal seines 22jährigen Sohnes begegnen kann. Tonio van der Heijden starb am 23. Mai des Jahres 2010 in Amsterdam: Ein Auto überfuhr ihn am frühen Morgen auf dem Weg nach Hause. In einem zweiteiligen Roman findet und erfindet der Ich-Erzähler Adri die ersten sechs Lebensjahre seines Sohnes, und zwar von der Geburt im Juni 1988 bis zum Schuleintritt. Dieser Romanteil gehorcht dem Motto: den Sohn festhalten, ihn schützen vor allen Gefahren. Der zweite Teil konstruiert, in Form eines Kriminalromans, die für sich betrachtet völlig unlogischen Todesumstände von Tonio. Entstanden ist auf diese Weise ein berührender und bewegender Roman über das Unglück schlechthin, über die Unbegreifbarkeit des Unvorstellbaren - zugleich ein Buch über die unabweisbaren Fragen nach der eigenen Schuld, ein Buch der Trauer. Wenn es angesichts der Unfaßbarkeit des Todes eine Form der Trauer gibt, die den Lebenden Zukunft eröffnet und Zuversicht ermöglicht - so muß sie die Gestalt dieses Herz und Kopf in Bann schlagendes Requiems besitzen. Dieses Buch dementiert die weitverbreitete Meinung, angesichts des Todes sei alles sinnlos.

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Personeninformation

Heijden, A. F. Th. van derAdrianus Franciscus Theodorus van der Heijden wurde am 15. Oktober 1951 in der Nähe von Eindhoven geboren. Er übersiedelte nach dem Abitur (1969) und einem abgebrochenen Psychologiestudium nach Amsterdam, wo er mit Unterbrechungen bis heute lebt.1979 debütierte er mit dem Erzählungsband Eine Gondel in der Herrengracht.Adri van der Heijden ist durch seine weitgespannten, raffiniert konstruierten, spannend-realistischen Romane zum Chronisten der Nachkriegszeit in den Niederlanden geworden. In seiner Literatur wird für alle nachvollziehbar die Zeit von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts lebendig.Auch in Deutschland gilt er als überragender Erzähler, als »der wohl sprachmächtigste Dichter, den die Niederlande augenblicklich besitzen, der mit Sicherheit sinnlichste, der nun seit fast zwanzig Jahren stampfend, dampfend den Weg vom Himmel durch die Welt der Kloake ausmistet und ausmißt, ein Saft- und Kraftgenie, wie Holland es seit dem Barock nicht mehr hatte«. (Der Tagesspiegel)Diese Anerkennung verdankt sich den Romanen Die Schlacht um die Blaubrücke (deutsch 2001), Fallende Eltern (deutsch 1997), Der Anwalt der Hähne (deutsch 1995), Das Gefahrendreieck (deutsch 2000), Der Widerborst (deutsch 1993), Der Gerichtshof der Barmherzigkeit (deutsch 2003) sowie Unterm Pflaster der Sumpf (deutsch 2003). Der Autor fasste den Zyklus unter dem Titel Die zahnlose Zeit zusammen.Zu Beginn des 21. Jahrhunderts eröffnete van der Heijden mit Die Movo-Tapes (deutsch 2007) eine neue Romanreihe. »Der lang erwartete Auftakt zu van der Heijdens neuem Zyklus. Völker, macht Platz in den Regalen!« (Elmar Krekeler, Die Welt) 2007 erschien auf deutsch die »transatlantische Tragödie« Das Scherbengericht.Am Pfingstsonntag 2010 starb das einzige Kind van der Heijdens und seiner Frau Mirjam nach einem Verkehrsunfall. In dem 2011 auf niederländisch und deutsch erschienen »Requiemroman« Tonio setzt er seinem Sohn ein herzzerreißendes Denkmal: Ein Roman, der belegt: angesichts des Todes ist Literatur überlebensnotwendig.Das Werk A. F. Th. van der Heijdens wurde vielfach ausgezeichnet; genauso wie Helga van Beuningen für ihre überragenden Übersetzungen dieses Werks. Beuningen, Helga vanHelga van Beuningen, geboren 1945 in Obergünzburg, studierte Englische und Niederländische Sprache in Heidelberg, wo sie anschließend 15 Jahre lang Niederländisch lehrte. Seit 1984 lebt sie als freie Übersetzerin in Bad Segeberg.

Pressestimmen

»Doch A. F. Th. van der Heijden ist ohnehin einer der bemerkenswertesten Romanciers, die es im Europa unserer Zeit gibt.« Dirk Schümer Frankfurter Allgemeine Zeitung 20120914
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