Ewiges Licht

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Buchprofile - Rezension
Episoden aus dem imaginären Leben von fünf Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs von einer Rakete getötet wurden.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs werden durch eine deutsche Rakete in einem Londoner Kaufhaus 168 Menschen getötet, darunter Vern, Alec, Ben und die Zwillingsschwestern Jo und Val. Was wäre aus diesen fünf Getöteten geworden, wenn die Rakete ihr Ziel verfehlt hätte? Der Autor denkt sich das aus und folgt den Kindern aus dem fiktiven Londoner Stadtteil Bexford durch die wechselnden Zeiten: Jo, Sängerin, geht in ihrem ungelebten Leben nach Kalifornien, freundet sich mit einem Rockstar an und hofft, Karriere zu machen, was aber nicht klappt. Zurück in London wird sie Musiklehrerin. Val, die Skinheadbraut, versucht vergeblich, die schlimmsten Taten des Nazi-Anführers zu verhindern. Sie fühlt sich ihr ganzes Leben lang schuldig und versucht anderen dabei zu helfen, ihre Nöte und Ängste zu bewältigen. Vern, erfolgreicher Immobilienhändler, verkörpert Überheblichkeit, Zügellosigkeit und Skrupellosigkeit. Der übergewichtige Opernliebhaber geht bankrott, braucht mehrere Bypässe und muss von seiner Penthousewohnung ins Haus seiner Tochter umziehen. Alec, Setzer bei der Times und tugendhafter Sozialist, verliert im Arbeitskampf der Thatcher-Jahre seinen Job, ist Sozialhilfeempfänger, der zu viel zuhause ist und sich mit seinem aufmüpfigen Sohn zofft. Ben, Schaffner in einem Londoner Doppeldecker-Bus, hat jahrzehntelang Angst und Wahnvorstellungen, findet aber in den 50ern in der Besitzerin eines Cafés im gentrifizierten Teil von Bexford seine große Liebe. - In seinem beeindruckenden neuen Roman erzählt der britische Autor, ein brillanter Erzähler, intensiv und mit geistreichen Dialogen berührende Geschichten aus dem Leben. Spufford zeichnet seine Figuren hautnah und versteht es glänzend, seelische Abgründe zu enthüllen. Das ambitionierte Buch ist absolut lesenswert.
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Artikelbeschreibung

Ein Leseabenteuer ohne Vorbild, von einem Autor, der schreibt wie keiner. Nominiert für den Booker Prize.Am 25. November 1944 schlägt eine deutsche V2 in ein Londoner Kaufhaus ein. 168 Menschen verlieren binnen Sekundenbruchteilen ihr Leben, die meisten sind Frauen und Kinder. Francis Spufford macht aus dem Epitaph für die Getöteten einen Anfang. Er erzählt von fünf ungelebten Leben: Da sind die Zwillingsschwestern Jo und Val. Val, die Lebenslustige, verliebt sich in den Falschen, landet im Gefängnis und tut ein Leben lang Buße. Jo, die Hochbegabte, geht nach Amerika, aber für eine Frau ist in der Musikindustrie nur die Rolle als Freundin des Stars vorgesehen. Vern, der von keinem Geliebte, macht Geschäfte, er triumphiert und scheitert und geht dabei über Leichen. Alecs Leben verläuft in den vorbestimmten Bahnen seiner Klasse - bis der Umbruch der Thatcherjahre alle Gewissheiten zerschlägt. Und dann ist da Ben, der Bedrohteste von allen, sein Lebensleid scheint beinahe unerträglich, aber am Ende wartet auf ihn das hellste Glück, das ein Autor sich einfallen lassen kann.
Ein Roman, so unvorhersehbar wie das wahre Leben, erfüllt von großem Leid und von der Hoffnung, dass allen Menschendingen am Ende doch ein Sinn innewohnt. Eine bewegende Lektüre, fesselnd, erheiternd und zu Tränen rührend.

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