Getäuscht

Roman | Aus dem Russischen und mit einem Vorwort von Rosemarie Tietze. Mit einem Nachwort von Dana Vowinckel
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Buchprofile - Rezension
Erstmals auf Deutsch erschienener Roman über einen russischen Exilanten, der sich in Proustscher Manier in Tagebuchaufzeichnungen über seine eigene Nutzlosigkeit auslässt.
Der Ich-Erzähler lebt, wie der Autor, während der 1920er-Jahre im Pariser Exil, dem Zentrum der russischen Kultur nach der Oktoberrevolution. Eine Bekannte bittet ihn, sich ihrer Nichte Ljolja anzunehmen, die in Scheidung lebt. Mit Spannung erwartet der Erzähler Ljolja, empfängt sie mit dunkelroten Rosen und steigert sich in eine Liebesaffäre hinein. Als Ljolja zwei Wochen nicht in Paris ist, beginnt er eifersüchtig zu werden. Er versenkt sich als Tagebuchschreiber in eine akribische Nabelschau. Zur Ablenkung begibt er sich in Gesellschaft und lernt eine Deutsche aus Riga kennen. Mit Genugtuung nimmt er zur Kenntnis, dass er nun beim Betrügen mit Ljolja quitt sei. In seinen Aufzeichnungen ist er sehr reflektiert, beobachtet sich ununterbrochen selbst und beklagt seine Verlorenheit. – Der Roman ist bereits 1930 erschienen und danach in Vergessenheit geraten. Sein jüdischer Autor wurde 1943 ermordet. Im Nachwort sieht Dana Vowinckel ihn auf Augenhöhe mit Nabokov und als Nachfolger Prousts. Die eigenwillige Prosa ist für Leser:innen geeignet, die sich auf die Gedankengänge eines lethargischen Erzählers mit verwundetem männlichen Ego einlassen wollen.
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Artikelbeschreibung

Juri Felsen, der einst als »russischer Proust« galt, war einer der führenden Schriftsteller seiner Generation. Beeinflusst von Marcel Proust, James Joyce und Virginia Woolf ist Juri Felsen ein Autor von Weltrang. Juri Felsen wurde von den Nazis ermordet, sein Werk war lange vergessen, bis es in den letzten Jahren wiederentdeckt und nun zum ersten Mal auf Englisch und Deutsch veröffentlicht wird.

Wir treffen unseren namenlosen Erzähler im Paris der Zwanzigerjahre, wo er sich nach der Russischen Revolution als Emigrant wiederfindet. Auf Bitten einer Bekannten lernt er die schöne, kluge und gesellige Ljolja kennen, die ebenfalls gerade aus Russland geflohen ist. Was als lockere Freundschaft beginnt, verwandelt sich schnell in Faszination und Besessenheit, da sie uneindeutige Signale sendet und anderen Männern nachstellt.

Während Ljolja weiterhin ein Leben führt, das nicht von den Kräften der gesellschaftlichen Konvention und der Geschichte beeinträchtigt wird, werden die in Tagebuchform geschriebenen Enthüllungen unseres Erzählers immer schmerzhafter, vertrauter und reich an psychologischer Introspektion.

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Personeninformation

Juri Felsen ist das Pseudonym des Autors Nikolai Freudenstein. Geboren 1894 in St. Petersburg, emigrierte er 1921 nach Europa und ließ sich 1923 in Paris nieder. In Frankreich wurde er zu einem der führenden Schriftsteller seiner Generation. Beeinflusst von den großen Modernisten wie Marcel Proust, James Joyce und Virginia Woolf stand er mit seinem Werk an der Spitze der ästhetischen und philosophischen Strömungen der europäischen Literatur. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs versuchte Felsen, in die Schweiz zu fliehen; er wurde jedoch gefasst, verhaftet und im Konzentrationslager Drancy interniert. Juri Felsen wurde 1943 deportiert und in Auschwitz ermordet. Erst 2012 wurde er wiederentdeckt und 2022 ins Englische übersetzt. Auch auf Deutsch ist sein Werk in der Übersetzung von Rosemarie Tietze zum ersten Mal überhaupt zugänglich.

Rosemarie Tietze übersetzt russische Literatur, unterrichtet Übersetzen und präsentiert ihre Autoren und die Übersetzungskunst in Lesungen und in den Medien. Sie hat russische Klassiker ins Deutsche übertragen (Puschkin, Tolstoi - ihre »Anna Karenina« wurde zum Bestseller), Werke aus der Zeit der russischen Emigration (Nabokov, Gasdanow) wie auch der Gegenwart (Bitow, Axjonow, Petruschewskaja u. a.). Mehrfach wurde sie ausgezeichnet, u. a. mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds.

Rosemarie Tietze übersetzt russische Literatur, unterrichtet Übersetzen und präsentiert ihre Autoren und die Übersetzungskunst in Lesungen und in den Medien. Sie hat russische Klassiker ins Deutsche übertragen (Puschkin, Tolstoi - ihre »Anna Karenina« wurde zum Bestseller), Werke aus der Zeit der russischen Emigration (Nabokov, Gasdanow) wie auch der Gegenwart (Bitow, Axjonow, Petruschewskaja u. a.). Mehrfach wurde sie ausgezeichnet, u. a. mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds.

Pressestimmen

»Wenn man will, kann man in Felsens Erzähler einen an seiner fragilen Männlichkeit leidenden Neurotiker sehen. Und schon hat man sich über die Vergangenheit mitten in die Gegenwart begeben.« Xaver von Cranach Der Spiegel 20250201

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