Grenzenlos frei

Ermutigungen aus der Apostelgeschichte
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Buchprofile - Rezension
Die Erzählungen der Apostelgeschichte ermutigen, als Mensch und Gemeinschaft Kirche frei und neu zu leben.
Der Benediktinerabt der Klöster Andechs und St. Bonifaz in München, Johannes Eckert, hat bereits Betrachtungen zu den vier Evangelien sowie der Offenbarung des Johannes veröffentlicht. Nun legt er unter dem Titel „Grenzenlos frei“ Betrachtungen zur Apostelgeschichte vor, die ausdrücklich als „Ermutigungen“ zu verstehen sind. Die Apostelgeschichte wurde ebenfalls vom Evangelisten Lukas verfasst, handelt aber nicht vom Leben Jesu, sondern vom Wirken des Heiligen Geistes unter den Jüngern Jesu nach dessen Tod, Auferstehung und Himmelfahrt. Zu Beginn macht Abt Johannes darauf aufmerksam, dass in der Apostelgeschichte ein Motiv im Zentrum steht, das Lukas auch schon in seinem Evangelium besonders wichtig ist: der Weg. Schon im Alten Testament steht die Wegerfahrung Israels im Mittelpunkt: Gott führt sein Volk aus der Gefangenschaft in die Freiheit. Nach Lukas wird auch die nach dem Pfingstereignis sich ausbreitende Jesusbewegung als Weg, als „der neue Weg“ bezeichnet. Und auch die junge Kirche ist im Wesentlichen eine Befreiungsbewegung: sie soll die Menschen durch die Frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi aus den Fesseln des Todes befreien. Unter diesem Aspekt betrachtet der Autor in seinem Buch die Apostelgeschichte nicht als bloßen Bericht über eine historisch abgeschlossene Epoche, vielmehr können wir darin „Therapievorschläge des Heiligen Geistes für die Kirche entdecken“, um zu neuer Bewegungsfreiheit zu finden. Die weiteren Kapitel beschreiben in diesem Sinne 16 Begebenheiten in der Apostelgeschichte, die uns als Ermutigung dienen können. Petrus und Johannes verhelfen beispielsweise im Namen Jesu einem Gelähmten im Tempel zu souveräner Beweglichkeit, die dieser zum Lob Gottes nutzt – dafür müssen sie kein Gold und Silber besitzen, aber das Vertrauen haben, dass Gott da ist und Befreiung schenkt. Der Rat des Gesetzeslehrers Gamaliel an den Hohen Rat, die Apostel freizulassen, denn wenn ihr Werk von Menschen stamme, gehe es von selbst zugrunde, wenn es aber von Gott stamme, könne man es nicht vernichten, sollte auch uns dazu ermutigen, in der Kirche eine gewisse Vielfalt zuzulassen. Dass Petrus aus dem Kerker des Königs Herodes nachts durch einen Engel befreit wird, während die christliche Gemeinde inständig für ihn betet, könnte uns wieder vor Augen führen, dass für Gott nichts unmöglich ist, dass das Gebet „einen Raum schafft, in dem Gott wirken kann“ und dass manchmal Gottes Engel uns unsanft aufweckt, um uns zu befreien. Paulus und Barnabas finden nach einem Streit zu keinem Kompromiss, sondern gehen im Dienst am Evangelium getrennte Wege. Paulus muss dann auf seinem Weg mit seinem neuen Gefährten Silas die Erfahrung machen, dass ihnen der Heilige Geist ihre Pläne „verwehrt“ – um ihm dann in einer Vision zu zeigen, was er stattdessen tun soll. Wir können daraus lernen, dass auch Missgeschicke, Schicksalsschläge, Erfolglosigkeit als das Wirken des Heiligen Geistes verstanden werden können, der uns in eine andere Richtung führen will, als wir zunächst meinen. Die Schriftauslegungen des Autors sind keine theoretischen Reflexionen im luftleeren Raum, sie beziehen vielmehr dessen persönliche Erfahrungen als Ordensmann und die Ordensregel des hl. Benedikt stets mit ein – geht es doch in der Kirche wie im Orden um eine Gemeinschaft. Bei den jeweiligen Bezugnahmen auf die aktuelle Situation der Kirche mit ihren Problemen und den vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten werden wohl (und müssen) nicht alle immer derselben Meinung sein, geht es doch hier um die bekannten Streitfragen. Aber ganz unabhängig von den eigenen Positionen werden in jedem Fall alle in diesem Buch wertvolle Anregungen finden können, diese Fragen wie der Autor ganz von der Hl. Schrift aus anzugehen und im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes neuen Mut zu schöpfen.
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Artikelbeschreibung

Vom Jerusalemer Tempel bis zur römischen Mietswohnung: Der Weg der Apostelgeschichte führt von der Urgemeinde in düstere Gefängniskerker, zu einem Falschpropheten auf Zypern und zu Händlerinnen in Philippi, über das sturmgepeitschte Meer bis nach Rom. Für Abt Johannes Eckert ist die Apostelgeschichte eine Ermunterung, sich zu bewegen und auf den neuen Weg einzulassen, um die frohe Botschaft des Jesus von Nazareth an die Enden der Erde zu tragen. Von der Apostelgeschichte schlägt er den Bogen zur Kirche heute: Kirche sollte laut Eckert eine Bewegung durch die Zeit sein, nicht eine Sitzung, wo man sich Gedanken darüber macht, wie man Glaubensgüter bewahren kann. So ermutigt die Apostelgeschichte beispielsweise dazu, über Macht in der Kirche und die Rolle von Frauen nachzudenken. Neue Beweglichkeit gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Bisweilen beschreitet Gottes Geist eigenartige Wege. Unverhofft kommt es zur Wendung, sodass die Augen und Herzen aufgehen und Lähmung in Bewegung verwandelt wird.

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Personeninformation

Johannes Eckert OSB, Dr. theol., geb. 1969, ist Abt der Benediktiner-Klöster St. Bonifaz in München und Andechs. Neben seinen vielfältigen seelsorgerlichen Tätigkeiten gestaltet er seit Jahren Manager-Exerzitien und ist eingefragter Gesprächspartner für Medien. Johannes Eckert ist Verfasser zahlreicher Bücher, bei Herder zuletzt "Steht auf!" und "Was sucht ihr?". 

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