Nächtliche Wege

Roman
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Buchprofile - Rezension
Erfahrungen eines Taxichauffeurs im nächtlichen Paris der 20er Jahre.
Der Autor ist wegen der blutigen Oktoberrevolution in Russland nach Frankreich gegangen und hat dort verschiedene Berufe ausgeübt; er war u.a. nachts Taxichauffeur und diese Erfahrung dürfte sich in dem Werk "Nächtliche Wege" widerspiegeln. Als Taxifahrer lernt der Erzähler seine Fahrgäste in der Nacht mit ihren Sorgen, aber auch ihren Macken kennen. Er wird auch zum Beobachter ihres sozialen Umfeldes; daraus ergibt sich zusätzlich die Rolle des freien Kritikers. Verschiedene Menschentypen, darunter viele wie der Erzähler im Exil lebende Russen geben dem Geschehen eine besondere Note. Zwei davon sind Suzanne, eine schon verblühte Prostituierte, die Rat und Hilfe sucht, und sein heruntergekommener Freund Platon mit einer eher existenzialistischen, ja nihilistischen Sicht auf das Leben. Seinen Mitmenschen begegnet der Erzähler mit Mitgefühl und zugleich mit Ekel. Die darin liegende Spannung kennzeichnet seine Lebenshaltung als eine gewisse Fremdheit im Leben, weshalb Gasdanow auch als der russische Camus bezeichnet worden ist. In die Ich-Erzählung sind viele direkte Reden eingefügt, sodass die Lebendigkeit nicht bloß von den vorgestellten Lebensschicksalen herrührt. Viereinhalb Seiten Anmerkungen erläutern sonst unverständliche Ausdrücke und Passagen. Die Übersetzerin bietet zum Schluss eine kurze Einführung. Insgesamt eine unterhaltsame, interessante, aber auch provozierende Lektüre. (Übers.: Christiane Körner)
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Artikelbeschreibung

Tagsüber studiert er, nachts arbeitet der Erzähler als Taxichauffeur. Er verkehrt mit Dieben und Zuhältern, Selbstmördern und Clochards, Verrückten und Alkoholikern. Drei Halbweltdamen haben ihn zu ihrem Vertrauten gemacht: Raldy, die ehemalige Luxusprostituierte, Alice, ihre untreue Schülerin, und Suzanne mit dem Goldzahn. Sie hat den Sprung ins bürgerliche Leben geschafft und hätte mit Fedortschenko fast ihr Glück gefunden. Gasdanow, der im Exil sein Geld als Taxifahrer verdiente, erzählt vom Leben der Emigranten im Paris der dreißiger Jahre, zwischen brennender Nostalgie und einer heillosen Gegenwart. "Nächtliche Wege" ist ein Meisterwerk der literarischen Moderne.

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Personeninformation

Gasdanow, GaitoGaito Gasdanow, 1903 in St. Petersburg geboren und 1971 in München gestorben, gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren des frühen 20. Jahrhunderts. Seit 1923 lebte er im Exil in Paris, wo er begann, regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Wegen der existentialistischen Prägung seines Werks wurde Gasdanow wiederholt als der "russische Camus" bezeichnet. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen. Im Hanser Verlag erschienen die Romane Das Phantom des Alexander Wolf (2012), Ein Abend bei Claire (2014), Die Rückkehr des Buddha (2016), Nächtliche Wege (2018) und zuletzt die Erzählungen Schwarze Schwäne (2021).

Pressestimmen

"Dieses fabelhaft deprimierende und gründlich niederziehende Buch entzieht noch einer anderen Illusion den Halt: dass sich dem Leben immer, über alle Schicksalsschläge hinweg, ein sinnvolles Muster aufprägen ließe." Jens Jessen, Die Zeit, 26.07.18 "Unglaublich tröstlich und zugleich ein unheimlicher Lesegenuss." Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung, 31.07.18 "Dieses große Buch läßt einen nicht mehr los. Mit den ersten Sätzen verfällt man dem elegischen Sog dieses Erzählens, seinen starken, sinnlichen Bildern, seinem lakonischen Humor." Nicole Henneberg, Der Tagesspiegel, 11.06.18 "Es ist die Verbindung von Distanz und Empathie, «Verachtung und Mitleid», die «Nächtliche Wege» zu einem Meisterwerk der literarischen Moderne macht." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 10.04.18 "Gasdanow hat uns mit seinem auch stilistisch brillanten Roman ein Bild der Zwischenkriegsgesellschaft von Paris hinterlassen, das die große Verzweiflung und Entwurzelung ihrer Protagonisten unvergessen macht." Dorothee Wahl, Frankfurter Rundschau, 10.07.18
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