Holunderholz

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Reparatur eines Tonbandgeräts lässt Johann seine Trauer verarbeiten und Familiengeheimnisse aufspüren.
Nach dem Tod seiner Mutter beginnt Johann, Systemprogrammierer und Techniker, das altertümliche Tonbandgerät seines Großvaters instand zu setzen. Anhand der vorliegenden Tonspuren und den Notizheften seiner Mutter versucht er nicht nur, die Nachkriegsjahre seines Großvaters nachzuvollziehen, sondern findet auch Hinweise auf die Ursachen der verheerenden Explosion in Prüm, die das Eifelstädtchen 1949 nach dem Krieg ein weiteres Mal in Schutt und Asche legte. Und woher kam Rose, das stumme Mädchen, das seinen Großvater begleitete, als er als Samenhändler Überland fuhr? Er findet in den Aufnahmen keine Antworten nur Andeutungen und Fragmente. Beruflich wirkt Johann erfolglos und verloren, genau wie in seiner Liebesbeziehung zur verheirateten Maria. Wieder einmal erzählt der Autor eine Geschichte aus seiner Heimatregion Eifel so faszinierend und eindrücklich, dass sie die Leser:innen nicht loslässt. Aufgeklärt werden die Familiengeheimnisse nicht, aber auf der Suche nach Erinnerungen findet Johann Erkenntnisse für sein gegenwärtiges Leben. Der Text ist nicht immer einfach, wird aber dennoch überall empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Über die heilsame Kraft des Erinnerns

"Die Wolken waren wie ferne Erinnerungen: Sie nahmen Gestalt an, verformten sich wieder, lösten sich auf - wie Reste einer Sprache, die niemand mehr verstand. Gesichter stiegen auf und verblassten, Schemen nur, Andeutungen von jemandem, der vielleicht einmal existiert hatte."

Nach dem Tod seiner Mutter versucht Johann, ein altes Tonbandgerät seines Großvaters zu reparieren. Was als technische Herausforderung beginnt, wird zu einer Suche, die ihn immer tiefer in die rätselhaften Aufnahmen hineinzieht. Als Programmierer ist es Johann gewohnt, Fehler in Systemen zu finden nun folgt er den Spuren einer Geschichte, die sich ihm nur bruchstückhaft erschließt. Die Tonbänder erzählen von einem ehemaligen Wehrmachtsobersten und einem stummen Mädchen, Rose. Zwischen Andeutungen und verstörenden Entdeckungen erkennt Johann Verbindungen zur verheerenden Explosion von Prüm im Sommer 1949. Während er in seiner Gegenwart zwischen beruflicher Entfremdung und einer heimlichen Affäre mit der verheirateten Maria taumelt, verdichten sich die Hinweise: Welche Verbindung besteht zwischen seiner Mutter und dem mysteriösen Mädchen? Wer war Rose wirklich? Und was geschah in jenem Sommer?

Norbert Scheuers Roman unternimmt eine fesselnde Reise durch die verschlungenen Pfade einer unerzählten Familiengeschichte der Nachkriegszeit und verschränkt meisterhaft Vergangenheit und Gegenwart.

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Personeninformation

Norbert Scheuer, geboren 1951, lebt als freier Schriftsteller in der Eifel. Für sein literarisches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. für die Romane "Überm Rauschen" (2009, Shortlist Deutscher Buchpreis), «Die Sprache der Vögel» (2015, nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse), «Winterbienen» (2019, Shortlist Deutscher Buchpreis, ausgezeichnet mit Wilhelm-Raabe-Preis und dem Evangelischen Buchpreis). 2023 erhielt er den Rainer-Malkowski-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Pressestimmen

"'Holunderholz' ist ein weiteres Meisterwerk im so bestechend schönen wie verwirrenden Kosmos dieses Autors."
SWR Kultur, Christoph Schröder

"Norbert Scheuers Romane ... sind große, helle Sterne am Firmament, die einem, wenn man will, tatsächlich Orientierung geben können. Die Welt ist alles, was Kall ist"
SWR, Alexander Wasner

"In zehn Romanen, Gedichtbänden und Erzählungen ist Scheuer zum kunstvollen Chronisten der Eifel geworden"
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ulrich Steinmetzger

"Ein Eifelroman mit Krimitouch"
NDR Kultur, Terry Albrecht
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