Zölibat

Band 6363
16 Thesen
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Buchprofile - Rezension
Ist die Ehelosigkeit von katholischen Priestern ein Auslaufmodell?
Der Zölibat gilt seit Jahrhunderten als ein Grundpfeiler des katholischen Klerus. Angesichts eines gravierenden Priestermangels und der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche, für die die Ehelosigkeit zwar nicht die Ursache, sicher aber ein Katalysator gewesen ist, werden die Stimmen der Zölibatsgegner lauter. Auf der sogenannten Amazonas Synode im Oktober 2019 brachten Kritiker wie der ehemalige brasilianische Bischof Erwin Kräutler ganz praktische Einwände gegen den Zölibat vor - es fehle schlicht an Priestern, um die Eucharistie im Amazonasgebiet zu feiern. Ein weiterer Zölibatsgegner ist der Kirchenhistoriker (und Priester) Hubert Wolf. In seinem schmalen Band mit dem einfachen Titel "Zölibat" stellt er 16 Thesen für die Abschaffung der priesterlichen Ehelosigkeit auf. Dass er dafür nicht nur auf Argumente des aktuellen Zeitgeistes zurückgreift, sondern etwa acht seiner Thesen mit historischen Fakten belegt, ist für die Diskussion um die Abschaffung des Zölibats eine Bereicherung, denn allzu oft wird von Befürwortern angeführt, dass sich die katholische Weltkirche nicht jedem Zeitgeist beugen könne. Ebenso förderlich ist sein sachlich-analytischer Schreibstil, mit dem er die Thesen jeweils ausführt und darlegt, dass der Zölibat seiner Meinung nach hauptsächlich ein Machterhaltungsinstrument des Klerus sei. Vor dem Hintergrund der aktuellen Zölibatsposse um eine Mitautorenschaft Josef Ratzingers in einer Streitschrift für den Zölibat klingt die abschließende Frage des Autors nach dem Weg, welche die Kirche einschlagen wird, um den Problemen der Zeit zu begegnen, fast schon herausfordernd.
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Der Autor und Priester ist ein exzellenter Historiker. Er vermag Kirchengeschichte spannend zugänglich zu machen. Hier nimmt er sich eines Reizthemas an, das im Hinblick auf den Priestermangel regelmäßig die Gemüter erhitzt. Zunächst trägt Wolf die Fakten zusammen, die die heutige kirchenrechtliche Zölibats-Situation ausmachen. Spannend wird es, wenn er den historischen Kontext beleuchtet, aus dem der heutige Istzustand hergeleitet ist, der jedoch – bedingt durch die Dynamik der Geschichte – heute alleine kein ausreichendes Gewicht mehr hat...

Artikelbeschreibung

Der Zölibat verpflichtet katholische Priester zur Ehelosigkeit. Trotz sexuellem Missbrauch durch Priester wird er bis heute als ein Grundpfeiler der Kirche verteidigt. Hubert Wolf zeigt dagegen, dass der Zölibat gar nicht so alt ist und es heute bereits verheiratete Priester gibt. Er hinterfragt die diversen Begründungen und findet gute Gründe dafür, den Zölibat endlich abzuschaffen. Sein kirchenhistorisch profunder, glasklar argumentierender Weckruf sollte auch im Vatikan gehört werden.

Die Ehelosigkeit der Priester wurde mit ihrer kultischen Reinheit begründet. Sie diente dem Schutz der Kirche vor Erbansprüchen legitimer Söhne und später zur Abgrenzung von den Protestanten. Noch von Johannes Paul II. wurde der Zölibat mit Verweis auf Jesus spirituell verklärt. Doch gehäufte Missbrauchsfälle lassen fragen, ob die priesterliche Ehelosigkeit immer heilsam ist. Hubert Wolf stellt die umstrittene Einrichtung rigoros auf den kirchenhistorischen Prüfstand. Er erklärt, wie es zum Zölibat kam, warum die alten Argumente nicht mehr ziehen und welche guten Gründe es heute dagegen gibt: Ausnahmen vom Zölibat haben sich bewährt, der Priestermangel könnte behoben und die Gefahr des Missbrauchs eingedämmt werden. In einem gibt Hubert Wolf den Fürsprechern des Zölibats allerdings recht: Mit seinem Wegfall könnte das klerikale System mit seiner Geringschätzung von «Laien» und Frauen insgesamt zur Disposition stehen. Und das wäre auch gut so.

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Personeninformation

Hubert Wolf ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster. Er wurde mit dem Leibnizpreis der DFG, dem Communicator-Preis und dem Gutenberg-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen



"Ein wichtiges Buch, das hoffentlich das entsprechende Gehör findet."
Mittelbayerische Zeitung

"16 kompakte Thesenkapitel, historische Kontexte des Zölibats und anthropologisch-gesellschaftliche Erkenntnisse, die allesamt nahelegen, den Zölibat in seiner jetzigen verpflichtenden Koppelung an das Weltpriesteramt abzuschaffen."
Westfälische Nachrichten

"Wolf legt 16 Thesen vor – untermauert mit scharfsinnigen Argumenten jenseits von Polemik und Häme. Die zeugen, auf welch historisch wackeligen Beinen der Pflichtzölibat steht. Wolf will Lösungen diskutieren, die der Kirche Wege aus der Krise aufzeigen.“
Stuttgarter Zeitung, Martin Willy

"Wer in Zukunft sachlich über den Zölibat diskutieren möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei.“
Kirchenbote, Susanne Haverkamp

"Eine kompakte (…) Zusammenfassung von Ist-Zustand und Ursprüngen der Institution, wie wir sie kennen (…) für am Thema Interessierte ist Wolfs Buch ein Muss.“
ORF, Johanna Grillmayer

"Ein Zölibat für Priester ist aus Sicht des Theologen Hubert Wolf weder historisch noch theologisch gerechtfertigt.“
Frankfurter Rundschau, Joachim Frank

"Mit seinem neuen Buch liefert der Kirchenhistoriker Hubert Wolf der Debatte neuen Zündstoff und Zölibatsgegnern Argumente.“
Süddeutsche Zeitung, Rudolf Neumaier
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