Ferne Heimat Altmontal

Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus
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Buchprofile - Rezension
Die Geschichte von Russlanddeutschen in der Region Südukraine.
Die russische Zarin Katharina die Große animierte Menschen aus Deutschland, sich in russischen Gegenden niederzulassen: Viele siedelten im Wolgagebiet, aber auch in der Ukraine, hauptsächlich zwischen Saporischschja und Mariupol. Eines der wesentlichen Dörfer war Altmontal. Dort siedelte auch die Familie Krämer, neben den Eltern mehrere Kinder, unter anderen Hedwig, die Großmutter des Autors. In den Wirren der beiden Weltkriege und vor allem bei den stalinistischen Säuberungen wurden bis auf Hedwig alle Krämers nach Sibirien oder Kasachstan verbannt. Hedwig hatte eine Ausbildung als Hilfsärztin machen können und war aufgrund ihrer Sprachkenntnisse als Dolmetscherin bei den Kommunisten gefragt. Als die deutsche Wehrmacht die Gegend eroberte, wurde sie als Volksdeutsche nach Deutschland gebracht, wo sie ihr Medizinstudium wieder aufnehmen konnte. Hedwig Krämer praktizierte Jahrzehnte als Ärztin und hinterließ dem Enkel Michael, also dem Autor, viele Aufzeichnungen, aus denen er die Lebensgeschichte seiner Großmutter zumindest teilweise rekonstruieren konnte. Durch seine Tätigkeit als Humanitärer Helfer des Roten Kreuzes wird Riepl in Krisengebiete geschickt, so auch in die Ukraine. Bei dieser Gelegenheit sucht er auch die Gegend auf, in der der die Familie Krämer gelebt hatte. – Diese Geschichte ist teils Roman, Tatsachenreportage und Lebensbericht. Es ist eine Entdeckung der leidvollen Erfahrungen der schwarzmeerdeutschen Vorfahren. Im Buch wechseln sich die Tatsachenereignisse, dokumentiert durch Auszüge aus den Notizen der Großmutter, mit den Vorkommnissen der 2020er Jahre ab. Die vielen Zeitsprünge und Ortswechsel sind gelegentlich etwas irritierend, aber nicht allzu störend. Es ist ein Stück vor allem russischer Zeitgeschichte bis in die Gegenwart, auch und gerade wegen des Krieges in der Ukraine. Die Familiengeschichte kommt eher zu kurz. Dennoch ist es ein bewegendes, eindrucksvolles, gut recherchiertes Buch, dem eine große Lesergemeinde zu wünschen ist.
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Artikelbeschreibung

Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus

Altmontal, ein deutsches Dorf in der Schwarzmeerebene. Hier wird Hedwig Krämer 1919 geboren und erlebt, wie ihre Bullerbü-Märchenwelt durch Hungersnöte, Verfolgung und Krieg zur Hölle wird, der sie 1942 entkommt. Michael Riepl erzählt einfühlsam die frühen Jahre seiner Großmutter und blickt dabei immer wieder auf die heutige Ukraine im Krieg. Sein glänzend geschriebenes Buch liest sich fesselnd wie ein Roman - aber es ist eine wahre Geschichte von Familie, Heimat, Not und einem unfassbaren Lebensmut.

"Vollgefressen hat sich Iwan..." Der Spruch der Großmutter nach einem üppigen Essen steckte voller Erfahrungen: die Herkunft aus der Sowjetunion, grausamer Hunger, Trauer um die verlorene Familie und Heimat. Aber niemand fragte danach. Als sie 75 Jahre alt war, begann sie, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben, die Kindheit in Altmontal, die Jugend bei einem Verwandten im Kaukasus, die Arbeit als junge Hilfsärztin in der Ukraine und die Flucht nach Bayern im Zweiten Weltkrieg. Als ihr Enkel diese Erinnerungen nach ihrem Tod entdeckt, ist er gerade im Aufbruch nach Kiew, um für eine Hilfsorganisation zu arbeiten. Sein humanitäres Engagement überschneidet sich schicksalhaft mit einer Erkundung auf den Spuren seiner schwarzmeerdeutschen Vorfahren.

Michael Riepl verwebt auf geniale Weise die Geschichte seiner Großmutter mit seinen eigenen Erfahrungen in der Ukraine und im Kaukasus zu einer atemberaubenden Erzählung über eine junge Frau, die sich in der größten Not in den Kopf setzt, gegen alle Widerstände Ärztin zu werden. Ein bewegendes Buch über Mut und Menschlichkeit in finsteren Zeiten.

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Personeninformation

Michael Riepl, Jurist und Schriftsteller, forscht an der Akademie für Europäischen Menschenrechtsschutz in Köln zum Völkerrecht und zu Osteuropa. Für das Internationale Rote Kreuz hat er sich vier Jahre lang in der Ukraine, Armenien und der Demokratischen Republik Kongo um Kriegsgefangene, Vermisstensuche und Hilfslieferungen gekümmert. Er lebt mit seiner Familie in Armenien.

Pressestimmen

"Riepl hat, so scheint es, das Buch seines Lebens geschrieben, ein Geschenk für alle, die sich für Auswirkungen der Zeitläufte auf normale Menschen interessieren. Ein Buch wie ein Familientreffen ... ein Familienepos, das verfilmt gehört."
Literarische Welt, Marc Reichwein

"Absolut lesenswert, weil Michael Riepl es schafft eine sehr komplexe und wichtige Gemengelage anhand dieser persönlichen Geschichte sehr zugänglich zu erzählen."
ZDF Morgenmagazin, Tatjana Vogel

"Riepl verwebt die Historie mit eigenen Erfahrungen und der heutigen Situation im Kriegsgebiet. Fesselnd!"
Hörzu, Kai Riedemann

"Mit bewundernswerter Kraft schafft sich die junge Frau in der Bundesrepublik ein neues Leben."
Münchner Merkur, Stefanie Lehmberg

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