zu lieben

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Buchprofile - Rezension
Erfinden, wer wir sein dürfen: Ulrike Draesners autobiografisch grundierter Adoptionsroman wirft einen ebenso mutigen wie liebevollen Blick auf Mutterschaft und Kindschaft.
Eine neue Gattung hält Einzug in die Literatur: der Adoptionsroman. Neben Jackie Thomae („Glück“) hat nun Ulrike Draesner einen Kinderwunschroman vorgelegt. Aber ein Roman ist es im Grunde nur bedingt, denn das Wort „Roman“ auf dem Cover ist durchgestrichen, und im Disclaimer am Ende des Buches heißt es, dass dessen Figuren so frei erfunden sind, wie man es sich nur denken kann. Gleichwohl hat die Schriftstellerin bekräftigt, dass es sich um ihre eigene Geschichte handelt, dass es um sie als Mutter und um Mary geht, die sie und ihr damaliger Mann als dreijähriges Mädchen in Sri Lanka adoptiert haben. „zu lieben“ erzählt, wie es zu der Adoption gekommen ist und wie sie beginnt: als langwierige, von Gerichts- und Amtsgängen, von verborgenen Zweifeln umstellte Warteperiode, in Deutschland ebenso wie in Colombo. Dass sich Eltern und Kind erst einmal näherkommen müssen, wird in hochfliegenden Momenten und mit rasanten Abstürzen geschildert. Und überhaupt gelingt es der Autorin, den komplexen Prozess von Elternwerden und von Kindschaft in einer für beide – gerade auch in Deutschland – fremdartigen Umgebung beherzt, selbstkritisch, entdeckungsfreudig vorzustellen. „zu lieben“ enthält kafkaeske, heitere und niederschmetternde Episoden der Familienkonstellation. Mary, die von ihren neuen Eltern als Tochter für eine gemeinsame Zukunft aus einem geschlossenen Kinderheim abgeholt wird, erweist sich als geschickt, mutig und klug in vielerlei Beziehung, eine „Überleberin“ und Kämpferin, die ihre Eltern auf deren Geduld testet. Ganz wunderbar, mit dem „Wunderwort“ ‚herzen‘ wird, in der Geschichte von der „übermütigen Hand“, die erste Berührung von Mutter und Tochter beschrieben. – Ein zu Herzen gehendes Mutter-Kind-Buch, eine beherzte Geschichte von erzählter Mutterschaft, ein glückskantiges Buch über den Mut zu lieben.
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Artikelbeschreibung

»Ulrike Draesner ist eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart.« Times Literary Supplement

»Ich hatte mir immer eine Familie gewünscht. Irgendwann dachte ich, dieser Wunsch erfüllt sich nicht mehr. Da kam ein Anruf, und ich wusste, es wird einen neuen Menschen in meinem Leben geben. - Davon will ich erzählen: von Hürden, Begegnungen, der ersten Nähe. Von Fremdheit. Es ist die Geschichte vom Ernstnehmen eines Kindes. Die Geschichte einer Mutter, deren Mutterschaft immer gefährdet ist. Unsere Geschichte.«

Mit einem Flug nach Sri Lanka, wo ein Kind auf seine zukünftigen Eltern wartet, beginnt in Ulrike Draesners persönlichstem Buch eine Reise ins Ungewisse. Sie handelt von Ängsten, Zärtlichkeit, von Identitäten zwischen den Kontinenten, von Missverständnissen und Gefahr. Wie wird man eine Familie? Was bedeutet Elternschaft in einer Gesellschaft im Umbruch, in der immer mehr Kinder in ungewohnten Familienkonstellationen aufwachsen? Unkalkulierbar der Prozess. Groß die Überraschungen, unbedingt notwendig der Humor. Was empfindet wohl Mary, das dreijährige Mädchen, das die Welt wechseln muss? Was geschieht mit dem Paar? Und wie findet man sich, ist der Rückflug erst einmal geschafft, als bunte Familie im Deutschland der weißen Menschen zurecht?

Voller Lebenserfahrung erzählt Draesner eine tief berührende Geschichte über die Liebe zwischen Mutter und Kind. So nah, so offen und warm, wie man sie noch nie gelesen hat.

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Personeninformation

Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, wurde für ihre Romane, Essays und Gedichte vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Christine Lavant Preis, den Gisela-Elsner-Literaturpreis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds für ihr Gesamtwerk, das multimediale Arbeiten und Übersetzungen einschließt. Ihr Roman »Die Verwandelten« war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die Jahre 2015 bis 2017 verbrachte Draesner in England. Nach verschiedenen internationalen Gastdozenturen und Poetikvorlesungen ist sie seit April 2018 Professorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Draesner lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Pressestimmen

»Dieses Buch trifft ins Herz, so dicht, so unmittelbar ist es erzählt [...] Eine ebenso schmerzhafte wie beglückende Lektüre.« NDR Kultur, Katja Weise
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