Lenin auf Schalke

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Buchprofile - Rezension
Eine Reise in den Osten des Westens.
War ich schon mal im ehemaligen Osten? Nein. War ich schon mal in Gelsenkirchen? Nein. Mit Hilfe dieses Romans ist dies möglich, zumindest entführt er einen gedanklich dorthin. Gregor Sander reist als gebürtiger Schweriner aus einer Bierlaune heraus mit seinem Freund Schlüppi nach Gelsenkirchen, denn all das, was dem Osten nachgesagt wird, ist hier angeblich anzutreffen - und noch viel mehr: Arbeitslosigkeit, stillgelegte Fabriken, ärmste Stadt im Westen, wenig Glanz und Gloria ... All dies trifft Sander auch auf seinem Besuch dort an, und man fühlt sich wie auf einem Spaziergang, so bildlich werden die Zechen beschrieben, die kleinen Büdchen ... Es ist teilweise beklemmend, traurig, aber auch ehrlich, zumindest empfinde ich es so. Man bekommt ein Gefühl für die Stadt, ihre Vergangenheit, ihren Fußballklub Schalke 04, und Sander scheut keine Kontakte zu der Bevölkerung. Immer auf Augenhöhe, egal ob es der Direktor ist oder die Lokalpolitikerin. - Ein Buch, das mich wider Erwarten unterhalten hat aufgrund des teils trockenen Humors und der gelungenen Aufarbeitung von Klischees, Vorurteilen und vielleicht auch manchmal Bestätigung genau dieser. Gelsenkirchen steht für mich hier sinnbildlich für die Politik und ihre Niederlagen, zeigt auf, wo das System vielleicht nicht richtig funktioniert hat - egal wo in Deutschland. Lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Auf der Suche nach dem Osten im Westen - Gregor Sander in Gelsenkirchen

Seit dreißig Jahren betrachtet der Westen den Osten. Dreht und wendet die Ostdeutschen wie Schnitzel in der Pfanne. Es ist an der Zeit zurückzugucken. "Sander du musst in den Westen", mit diesen Worten seines besten Freundes Schlüppi beginnt die Reise von einer goldenen Pommesbude in Ostberlin nach Gelsenkirchen. Sander wohnt hier bei Zonengabi im Glück (BRD) und ihrem Freund Ömer in einem alten Bergmannshaus. Er versucht sich zu orientieren zwischen alten Abraumhalden, nagelneuen Leninskulpturen und einer Vergangenheit, die 1000 Meter unter der Erde liegt. Gregor Sander, eine der wichtigsten Stimmen der gesamtdeutschen Literatur, nimmt uns in 'Lenin auf Schalke' mit dorthin, wo der Westen arm dran ist. Keine Zeche mehr, keine Kokerei und kein Stahlwerk, die Ruhrpottluft dank Arbeitslosigkeit gereinigt und auch Schalke 04 ist inzwischen zweitklassig. Hintersinnig, klug beobachtend und mit humorvollem Ernst erzählt Sander von einem Ort, der in allen Negativstatistiken führt: ärmste Stadt Deutschlands, höchste Arbeitslosigkeit, geringstes Pro-Kopf-Einkommen. Staunend entdeckt Sander eine Welt, die von der alten Bundesrepublik vergessen wurde. Nur ist Gelsenkirchen deshalb wirklich der Osten im Westen?

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Pressestimmen

»Sander, gebürtiger Schweriner, guckt sich um. Findet eine Stadt der liegen gebliebenen Geschichten. Die schreibt er auf, mit präzisem Blick. Liebevoll, selbstironisch.« Welt am Sonntag, Literarische Welt, Elmar Krekeler
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