Der Junge im Taxi

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Familienvater auf der Suche nach dem unbekannten Erstgeborenen seines Großvaters.
Simon erfährt bei der Beerdigung seines neunzigjährigen Großvaters in Frankreich fast beiläufig von der Existenz eines Familienmitgliedes, von dem er bisher nichts wusste. Er hat einen weiteren Onkel, der Erstgeborene seines Großvaters, gezeugt in einem kleinen Dorf in Deutschland am Bodensee während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Innerhalb der Familie wurde über dieses uneheliche Kind immer geschwiegen, auch wenn die Generation der Eltern und Großeltern geschlossen darüber informiert war. Simon ist einerseits entsetzt, wie gut diese Taktik des Ausschweigens über Jahre hinweg funktionieren konnte und wie unbedarft sein Onkel den unehelichen Sohn des Großvaters ihm gegenüber plötzlich anspricht. Andererseits ist seine Neugier geweckt. Er beginnt zu recherchieren, stößt dabei innerhalb der eigenen Familie auf ungeahnte Widerstände, aber auch unerwartete Unterstützung, und macht sich schließlich gemeinsam mit seinen beiden Söhnen auf den Weg nach Deutschland, um dem Leben dieses unbekannten und doch gefühlt mit ihm verbundenen Menschen nachzuspüren, der der Bruder seiner eigenen Mutter sein soll. Wird es zu einer Begegnung kommen? – Ein beeindruckend offener Roman zu dem sensiblen Thema der "Besatzungskinder", über die in hunderttausenden Familien jahrzehntelang geschwiegen wurde und immer noch wird. Sprachlich sehr dicht und gleichzeitig sehr eingängig geschrieben. Ein Buch gegen das Vergessen, das einen nicht loslässt. Sehr lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Wer ist dieser M., über den die Familie nicht reden will? Auf der Beerdigung seines Großvaters erfährt Simon von dessen verleugnetem Sohn. Am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gezeugt und zurückgelassen, ist M. nicht mehr als eine Leerstelle, eine vage Erinnerung.

Simon, selbst mit dem Ende seiner Beziehung konfrontiert, lässt der Gedanke an diesen deutschen Jungen nicht los. Was für ein Leben hat er gelebt, war er einsam, verlassen, frei? Ist er es noch? Die Suche treibt Simon von Südfrankreich an den Bodensee, wo sich vergessene Spuren mit den seinen kreuzen und ein neues Bild ergeben.

Hunderttausende Kinder von Besatzungssoldaten haben ihre Väter nie kennengelernt. In einem ebenso persönlichen wie poetischen Roman spürt Sylvain Prudhomme den Echos der Vergangenheit nach.

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Personeninformation

Sylvain Prudhomme, geboren 1979, ist Schriftsteller und Übersetzer. Seine Kindheit verbrachte er in Kamerun, Burundi, Mauritius und im Niger. In Paris studierte er Literaturwissenschaften und arbeitete danach mehrere Jahre in Afrika. Er ist Autor von mehreren Romanen und Mitbegründer der Zeitschrift Geste. Er wurde u. a. mit dem Prix Femina, dem Prix littéraire Georges Brassens, dem Prix littéraire de la Porte Dorée, dem Prix François Billetdoux und dem Prix Révélation de la Société des Gens de Lettres ausgezeichnet. Claudia Kalscheuer, geboren 1964, übersetzt seit 1994 aus dem Französischen, u. a. Werke von Marie NDiaye, Nastassja Martin, Laurent Mauvignier und Alexander von Humboldt. 2002 wurde sie mit dem André-Gide-Preis ausgezeichnet, 2010 erhielt sie mit Marie NDiaye den Internationalen Literaturpreis des HKW.

Pressestimmen

»Sylvain Prudhomme erzählt diese berührende Geschichte um ein jahrzehntelang gehütetes Familiengeheimnis in langen, gewundenen Sätzen und poetischen Bildern. Der Junge im Taxi ist ein sanfter, ein schwindelerregender und zum Ende hin auch versöhnlicher Roman, der weit über die Geschichte einer einzelnen Familie hinausreicht.« Sarah Elsing Deutschlandfunk Kultur
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