Hotel Amerika

Roman | Reclams Klassikerinnen
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Buchprofile - Rezension
Neuauflage des erstmals 1930 erschienen Romans, der am Beispiel des Hotel Amerika aus der Sicht der dort Bediensteten die heute noch in vielen Ländern existierenden hierarchischen Strukturen ihrer Gesellschaften widerspiegelt.
Zusammen mit ihrer Mutter und ihr dienstlich gleichgestellten Frauen bewohnt das Wäschemädchen Shirley in einem abseits gelegenen Trakt des Hotels Amerika eine Kammer. Für die am Ende der Personalkette stehenden Frauen sind ausgediente Möbel und zerschlissene Bettwäsche gerade gut genug. Doch Shirley will das Hotel verlassen. Deshalb traut sie sich, gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufzubegehren, als sie und ihre Kolleginnen verfaulte Kartoffeln essen sollen. Ihr Mut führt dazu, dass auch Bedienstete anderer Sparten revoltieren. Wohl auch deshalb verlässt Shirley das Hotel zuversichtlich und selbstbewusst. Maria Leitner (1892 – 1942) hat als Journalistin überall in den USA minderwertige Jobs angenommen, um aus dieser Perspektive berichten zu können. Aufgrund ihrer Erfahrungen kann sie die hierarchischen Rangeleien der Angestellten untereinander, aber auch deren Angst vor Revolten, mit denen sie ihren Job riskieren, hervorragend beschreiben und mit lebensnah gezeichneten Figuren auch vermitteln. Ein lesenswerter, spannender historischer Roman, der in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre entstand und 1930 veröffentlicht wurde. 1933 gehörte er zu den ersten Büchern, die von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, wie Katharina Prager in ihrem informativen Nachwort anmerkt. Auch mit Blick auf die Unterbringung von (illegal) Beschäftigten und Saisonarbeitern - auch hierzulande – ist der Roman sehr aktuell.
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Artikelbeschreibung

Die Kehrseite des Amerikanischen Traums

Der Traum vom Wohlstand hat sich für die meisten Figuren in Maria Leitners Hotel Amerika noch lange nicht erfüllt - unter harten Bedingungen schuften die irische Wäscherin Shirley, das schwedische Zimmermädchen Ingrid oder der deutsche Küchenjunge Fritz in einem New Yorker Luxushotel. Der Roman erzählt einen Tag aus ihrem Leben, der zunächst ganz normal mit den Vorbereitungen einer Hochzeitsfeier beginnt. Doch dann wird die Braut erpresst, eine zarte Liebesgeschichte zwischen Fritz und Shirley bahnt sich an und in der Kantine wird der Aufstand geprobt ...
Maria Leitners Debütroman war 1930 ein großer Erfolg und wurde in mehrere Sprachen übersetzt, bevor ihn die Nationalsozialisten aus dem Verkehr zogen.

»Der weibliche Günter Wallraff der Weimarer Republik und eine Pionierin der Undercover-Reportage.«
Hans Schmid, Telepolis

Produktsicherheit

Hersteller: Reclam, Ditzingen
Anschrift: Siemensstr. 32
DE-71254 Ditzingen
Kontakt: auslieferung@reclam.de

Personeninformation

Maria Leitner (1892-1942) wuchs in einer deutschsprachigen jüdischen Familie in Budapest auf, später arbeitete sie in Wien und Berlin als Journalistin. Ihr erster Roman »Hotel Amerika« wurde 1933 von den Nationalsozialisten auf die Liste der zu verbrennenden Bücher gesetzt. Maria Leitner ging 1934 ins Exil. Nach einer Internierung im Camp de Gurs lebte sie ab 1940 in Frankreich im Untergrund, wo sie 1942 starb. Katharina Prager ist Zeithistorikerin und Kulturwissenschaftlerin. Sie leitet den Bereich Forschung und Partizipation an der Wienbibliothek im Rathaus.

Pressestimmen

»Hotel Amerika ist ein intensiv recherchierter Gesellschaftsroman, in dem alle Spielarten der Ausbeutung, des dekadenten Lebens und des solidarischen Kampfes beschrieben werden. [...] Es ist großartig, dass Reclam den Roman Hotel Amerika neu herausbringt und damit den Anfang macht, diese aus den Geschichtsbüchern gelöschte Heldin in unser kollektives Bewusstsein zurückzubringen - und in zukünftige Literaturgeschichten.«


DIE ZEIT, 27.03.2024
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