Elisabeth, ein Hitlermädchen. Roman der deutschen Jugend

Reclams Klassikerinnen
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Buchprofile - Rezension
Neuauflage eines Zeitzeugenromans von 1937 über die Manipulation der Jugend durch die Nationalsozialisten.
Die Neuauflage des erstmals 1937 in der Exilzeitung Pariser Tageblatt als Fortsetzungsroman erschienenen Textes der jüdischen Schriftstellerin Maria Leitner gibt als Zeitzeugenroman erschreckend realistische Einblicke in das Leben der deutschen Jugendlichen zur Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Die erste Buchausgabe erschien 1985, weit nach dem Tod der Autorin (1942). Nun hat der Reclam Verlag den Roman in seiner Reihe "Reclams Klassikerinnen" herausgegeben. Exemplarisch erzählt wird die tragische Geschichte der jungen Verkäuferin Elisabeth, die, geblendet von der Ideologie und der Propaganda der Nationalsozialisten sehr früh aus eigenem Antrieb dem "Bund Deutscher Mädel" beitritt. Sie träumt von einem perfekten, glücklichen und friedvollen Leben. Als sie den SA-Mann Erwin kennenlernt, scheint ihr naives Glück vollkommen und das Leben als "vorbildlich deutsche" Familie greifbar nah. Doch die Gesellschaft entwickelt sich in eine Richtung, die für Elisabeth nach und nach bedrohlicher wird. Glück und Frieden rücken in immer weitere Ferne, als Erwin sie drängt, ihr gemeinsames ungeborenes Kind abtreiben zu lassen und Elisabeth zum Arbeitsdienst verpflichtet wird. Hungernd und frierend sind die jungen Mädchen im Lager Ost 2/68 der Indoktrination durch die Nazis ausgesetzt. Jeder Widerstand wird im Keim erstickt, und auch das ehemals überzeugte Hitlermädchen Elisabeth wird letztlich eines der unzähligen Opfer des Regimes. – Neben dem realistischen Einblick in den Wahnsinn der NS-Ideologie, beispielsweise durch Abdruck von Originaltexten der Marschlieder, bietet das Buch in einem interessanten Nachwort Informationen über das Leben der mutigen Autorin und Journalistin Maria Leitner, deren erster Roman "Hotel Amerika" (BP/mp 25/158) den Buchverbrennungen durch die Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Zu lesen gegen das Vergessen und als Warnung.
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Artikelbeschreibung

Ein Roman über Widerstand und Alltag im »Dritten Reich«

Die Schuhverkäuferin Elisabeth ist eine überzeugte Nationalsozialistin, und als sie am 1. Mai den SA-Mann Erwin kennen lernt, scheint zunächst das Glück perfekt. Doch dann wird Elisabeth schwanger, und Erwin rät ihr zur Abtreibung. Auch in politischer Hinsicht entfremden sich die beiden zunehmend, denn Elisabeth wird in ein Arbeitslager geschickt und beginnt dort das System zu hinterfragen. Als ihre Kollegin Selbstmord begeht, entschließt sich Elisabeth zum Protest ...
Maria Leitner, die ab 1934 im Exil lebte, reiste undercover durch NS-Deutschland, um den Alltag in der Diktatur möglichst genau beschreiben zu können. Aus diesen gefährlichen Recherchen entstand der vorliegende Roman.

»Maria Leitners Waffen waren die Sprache und ihr Mut und ihre Bereitschaft, sich den Gefahren ganz und gar auszusetzen.«
Volker Weidermann, Die Zeit

Produktsicherheit

Hersteller: Reclam, Ditzingen
Anschrift: Siemensstr. 32
DE-71254 Ditzingen
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Personeninformation

Maria Leitners (1892-1942) erster Roman Hotel Amerika wurde 1933 von den Nationalsozialisten auf die Liste der zu verbrennenden Bücher gesetzt. 1934 ging sie ins Exil. Nach einer Internierung im Camp de Gurs lebte sie ab 1940 in Frankreich im Untergrund, wo sie 1942 starb. Philipp Haibach, geb. 1972, lebt als freier Literaturkritiker in Berlin. Er schreibt u. a. für den Freitag, die Berliner Morgenpost und den Tagesspiegel.
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