Heimwärts

Roman
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Buchprofile - Rezension
Autobiografisch gefärbte Erinnerungen an eine Nachkriegskindheit in Nordrhein-Westfalen mit einem zornigen Vater und einer depressiven Mutter.
Nach dem autobiografischen Romanen „Muttersterben“ (2001) und dem Vaterroman „Schattenfroh“ (BP/mp 19/156) legt der 1964 in Düren geborene Autor, Musiker und Herausgeber Michael Lentz nun ein Familienbuch vor. Er überblendet die Kindheitsstimme mit der des Erwachsenen. Und er lässt den eigenen Sohn zu Wort kommen. Denn dessen gemalte Bilder stellen die Fragen, die er seinen Eltern zu stellen versäumt hat. Seine Kindheit war geprägt von einer Mutter, die mit ihrem Hausfrauendasein haderte und einem Vater, dem schnell einmal die Hand ausrutschte. Für den Sohn charakterisieren deren Handschriften ihre Seelenzustände: die der Mutter stand für die Ordnung der Welt, die des Vaters war eine „Triumphschrift“, dagegen war Omas Handschrift Oma selbst. Für Michael stellte das Kellergeschoss seine Welt dar, insbesondere der Hobbyraum, wo er Insekten beobachtete, ihnen schon einmal Beine und Flügel ausriss. Hatte es damit zu tun, dass er in einem Laufkäfer die Gesichtszüge seines Vaters zu erkennen glaubte, fragt er sich später. Ist er in seiner Wut dem Vater ähnlich? Dass im Vaterkäfer auch noch ein verfaulter Apfel steckt, verweist auf Kafkas Vaterproblem. - Insgesamt ist es etwas anstrengend bei der Lektüre, den detailreichen Erinnerungen an eine Nachkriegskindheit ohne Spannungsbogen zu folgen.
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Artikelbeschreibung

Wie kann man ein besserer Vater als der eigene werden? Michael Lentz erinnert sich in 'Heimwärts' an die unheimlichen Jahre der alten Bundesrepublik. Zwischen Apfelkuchen und Zorn, zwischen Matchboxautos und Metaphysik spielt sich in seinem neuen Roman eine westdeutsche Kleinstadt-Kindheit ab. Regelmäßig rutscht dem Vater die Hand aus, oder man begegnet sich wortlos im Haus. Es gibt viel zu essen, und die Mutter sorgt für Ordnung und schlechtes Gewissen. Unterbrochen werden die Erinnerungen von der Stimme eines Kindes, das die alte Bundesrepublik nur noch vom Hörensagen kennt und mit all dem alten Kram heute nicht mehr viel anfangen kann.
Seit 'Muttersterben' erzählt Michael Lentz virtuos von Herkunft und Familie, von Kindheit, Liebe und Tod. 'Heimwärts' geht einen entscheidenden Schritt weiter: Aus dem Sohn ist nun selbst ein Vater geworden. Die vergangene Kindheit ist zwar weiterhin mächtig und präsent. In der Gegenwart aber geht es um die Stimme der nächsten Generation. 

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