Kirchenzeitung im Tatort
1998 half die Münchner Kirchenzeitung den Tatort-Kommissaren bei der Spurensuche.
Für einen Münchner Tatort ermitteln Ivo Batic und Franz Leitmayr in einem Fall um drei ermordete Freier und einen religiösen Fanatiker mit besonderer Verehrung für die heilige Afra. Auf der Suche nach Hinweisen durchforsten die Kommissare sogar alte Ausgaben der Münchner Kirchenzeitung nach Leserbriefen und Anzeigen (Ausgabe vom 08. Februar 1998). Eine Spur ergibt sich daraus nicht – dafür rückt ein Pfarrer mit seinem beharrlich verteidigten Beichtgeheimnis in den Fokus.
Die Tatort«-Kommissare Ivo Batic (Miro Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) durchforsten die Münchner Kirchenzeitung. Foto: © Archiv / Kolorierung KI-generiert
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Hat der Mörder einen Leserbrief geschrieben?
»Tatort«-Kommissare blättern in der »Münchner Kirchenzeitung«
MÜNCHEN. Drei tote Freier, eine Heilige und ein Pfarrer, der sich auf das Beichtgeheimnis beruft. Noch wissen die beiden »Tatort«-Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miro Nemec) wenig über den Täter. Dieser muß, so viel steht fest, ein glühender Verehrer der heiligen Afra sein, jener Märtyrerin, die vor ihrer Bekehrung zum Christentum dem horizontalen Gewerbe gefrönt haben soll. Ganz im Sinne der Heiligen versucht der Täter offenbar, Prostituierte zu bekehren. An den Kunden rächt er sich grausam.
Aufschluß erhoffen sich die Kommissare in diesem Fall auch von der »Münchner Kirchenzeitung«. Die Szene, in der sie einen ganzen Stapel alter Ausgaben durchblättern, wird am sechsten Drehtag im Pfarrhaus aufgenommen, einem extra für diesen »Dreh« angemieteten Privathaus in Obermenzing. »Wir haben geglaubt, er hätte sich einmal in der Kirchenzeitung zu Wort gemeldet mit einem Inserat oder einem Leserbrief«, rechtfertigt Kommissar Leitmayr die Aktion. Fehlanzeige. Der religiöse Fanatiker, der »auf öffentlichen Plätzen Rosenkranz gebetet und Heiligenbildchen verteilt hat«, ist auch auf diesem Wege nicht zu ermitteln.
Weiß der Pfarrer vielleicht mehr? Er beruft sich aufs Beichtgeheimnis und hat sich ohnehin abgewöhnt, die Leute zu dem zu drängen, was sie gar nicht sagen wollen. »Das ist doch meistens nur Anstiftung zum Lügen.« Sein Vikar scheint mehr zu wissen, und dies entgeht auch dem forsch auftretenden Kommissar Batic nicht: »Sie wissen doch was, warum sagen Sie nichts?«, faucht er ihn an und hält ihm das Phantombild vors Gesicht.
Wer der Täter ist, der Bruno heißt und »wie ein Roboter redet«, darüber hüllen sich die Beteiligten von der Bavaria-Film-Produktion Klauser in Schweigen. Ähnlich hartnäckig beharrt der Pfarrer im »Tatort« auch auf seinem Beichtgeheimnis: »In einer Welt voller Mißtrauen ist der Beichtstuhl der einzige Bereich, der geschützt ist.« Die Kommissare (»es geht schließlich um dreifachen Mord«) haben dafür nicht so richtig Verständnis. Batic zieht verärgert seinen Mantel an und meint zum Kollegen: »Dann müssen wir eben die Kirche observieren.« Leitmayr hält davon wenig: »Die meisten kommen doch nur ein Mal im Jahr zum Beichten.«
Ehe sie das Haus verlassen, ruft der Pfarrer ihnen nach: »Manche kommen täglich.« Die Kommissare drehen sich um und starren den Pfarrer an. War das ein Tip? Das wird man sehen, wenn der »Tatort« im Ersten Programm gezeigt wird.
Der Sendetermin steht noch nicht fest. Die »Münchner Kirchenzeitung« wird ihn aber rechtzeitig bekanntgeben. Denn es kommt schließlich nicht alle Tage vor, daß Kommissare sich in Leserbriefe vertiefen, die vielleicht ein Mörder unterschrieben haben könnte.
Andreas Schaller
Foto: © Archiv



