125 Jahre Michaelsbund
05.10.2026

2005: Papstwahl Benedikt XVI.

Ein ehemaliger Münchner Erzbischof auf dem Stuhl Petri: Die Kirchenzeitung dokumentierte die freudigen Reaktionen im Erzbistum.
    

Papst Benedikt XVI. zeigt sich nach seiner Wahl auf der Benediktionsloggia des Petersdoms den Gläubigen. Papst Benedikt XVI. zeigt sich nach seiner Wahl auf der Benediktionsloggia des Petersdoms den Gläubigen. Foto: © Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire

In einer Sonderausgabe der Münchner Kirchenzeitung vom 19. April 2005 schilderte Florian Ertl die Stimmung im Liebfrauendom am Abend der Wahl Joseph Ratzingers zu Papst Benedikt XVI. Weihbischof Engelbert Siebler sagte dort über den früheren Erzbischof von München und Freising: „Einst schickte uns die Kurie den heiligen Bischof Korbinian nach Freising. Er sollte in unserer Heimat den christlichen Glauben verbreiten. Heute können wir ein Geschenk zurückgeben: einen Nachfolger des heiligen Korbinian auf dem Stuhl Petri ...“ Applaus und Bravo-Rufe erfüllten daraufhin den Dom.
    

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Applaus und Bravo-Rufe

Am Abend der Papstwahl Joseph Ratzingers: Dankgottesdienst im Münchner Liebfrauendom

MÜNCHEN. »Dankgottesdienst um 19.30 Uhr« – das offenbar schnell angefertigte Hinweisschild an der Tür des linken Domeingangs hängt ein wenig schief, ist vom Regen aufgeweicht. Im Inneren der Metropolitankirche treffen an diesem nass-kalten Abend Menschen aller Altersgruppen tröpfelnd ein: Erstaunen und ungläubige Freude spiegeln sich in den meisten Gesichtern. Viele können nicht glauben, was sie kurz zuvor im Fernsehen live miterlebt haben: Kardinal Joseph Ratzinger ist der neue Papst. Vor seiner Ernennung zum Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation war er von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising. »Es ist wie ein Traum«, murmelt eine Frau und zündet fast apathisch vor der Muttergottes-Statue eine Opferkerze an.

Seit 18.45 Uhr vermelden die Domglocken den Münchnern die Neuigkeit dieses denkwürdigen 19. April 2005. Fotografen huschen durch den abgedunkelten Dom, Blitzumfragen werden mit neu eintreffenden Gläubigen unter der Orgelempore gemacht, am Domplatz schildern Reporter ihre ersten Eindrücke vor laufenden TV-Kameras. In der Sakristei herrscht indes geschäftiges Treiben, eine konzentrierte, fast angespannte Stimmung liegt in der Luft.

Weihbischof Engelbert Siebler, bereits im Messgewand, beantwortet geduldig Reporterfragen, während nach und nach Mitglieder des Domkapitels eintreffen und sich umziehen. Im Gespräch mit der Münchner Kirchenzeitung schildert er seine Hoffnungen, die der Dompropst in Papst Benedikt XVI. setzt: »Ich erwarte eine kraftvolle Führung der Kirche durch einen brillanten Prediger, der gerade in den letzten Tagen bei der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. und bei der Eröffnung des Konklave seine hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat und die richtigen Worte gefunden hat.« Er kenne Ratzinger seit 1966 als »charmanten, fröhlichen, gut bayerischen Katholiken.«

Auf den Weltjugendtag im August angesprochen, meint Siebler: »Wir haben alle die Hoffnung, dass unser neuer Papst auf seinem Weg nach Köln in seiner alten Bischofsstadt Station machen wird.«

Bevor der Altardienst in den mittlerweile gut gefüllten Dom einzieht, rezitiert Domzeremoniar Anton Häckler in der Sakristei die berühmte Stelle aus dem Matthäus-Evangelium: »Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.« Dann wird Weihrauch eingelegt und der Dommesner schlägt die Glocke als Zeichen des Gottesdienstbeginns. Die Orgel intoniert Gotteslob Nummer 850, der alte Psalm 81 erfüllt den Dom: »Frohlocket nun und jubelt laut, rühmt Gottes Macht und Stärke, preist Jakobs Gott, auf ihn nur baut, dankt ihm für seine Werke.«

Die lastende Anspannung macht sich von Strophe zu Strophe mehr Luft. Endgültig weicht sie dann während Sieblers kurzer Ansprache. »Einst schickte uns die Kurie den heiligen Bischof Korbinian nach Freising. Er sollte in unserer Heimat den christlichen Glauben verbreiten. Heute können wir ein Geschenk zurückgeben: einen Nachfolger des heiligen Korbinian auf dem Stuhl Petri…« Weiter kommt der Weihbischof nicht, denn nun bricht der Liebfrauendom in donnernden Applaus aus, Bravo-Rufe erschallen, Freudentränen glänzen auf vielen Gesichtern, während Sieblers Stimme zunehmend belegter wird: »Das deutsche Rom freut sich mit dem Rom am Tiber«, ruft er, dies sei »das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass ein Papst aus München kommt.« Im Namen von Kardinal Friedrich Wetter bittet Siebler die Gläubigen um das begleitende Gebet für Papst Benedikt XVI. Erneut brandet frenetischer Beifall auf, München feiert »seinen Papst«, ausgelassen und freudig.

Florian Ertl

Foto: © Archiv
Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management