125 Jahre Michaelsbund
26.10.2026

Enzyklika „Laudato si“

Am 18. Juni 2015 veröffentlicht Papst Franziskus seine zweite Enzyklika „Laudato si". Das Lehrschreiben gilt als Meilenstein der katholischen Soziallehre und der globalen Umweltpolitik. Mit ihr wurde nach Einschätzung von Experten die ökologische Krise ins Zentrum der kirchlichen Verkündigung gerückt. Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx bezeichnete die Enzyklika kurz nach deren Erscheinen als "ein großes Werk des Papstes".
    

Papst Franziskus pflanzt eine Steineiche bei einer Zeremonie mit Indigenen aus dem Amazonasgebiet am 4. Oktober 2019 in den vatikanischen Gärten im Vatikan. Papst Franziskus pflanzt eine Steineiche bei einer Zeremonie mit Indigenen aus dem Amazonasgebiet am 4. Oktober 2019 in den vatikanischen Gärten im Vatikan. Foto: © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Kardinal Reinhard Marx hat die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus als „großes Werk des Papstes“ gewürdigt. Bei der Vorstellung in München, über die auch die Münchner Kirchenzeitung berichtet, betonte er, dass ökologische und soziale Gerechtigkeit untrennbar verbunden seien. Das Schreiben fordere jeden Einzelnen auf, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und die Welt zum Besseren zu verändern.

Der Münchner Sozialethiker Markus Vogt bezeichnete die Enzyklika als Meilenstein. Trotz ihrer deutlichen Kritik an der Wegwerfgesellschaft sei sie keine „Drohbotschaft“, sondern ein Dokument der Zuversicht.
    

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„Ein großes Werk des Papstes!“

Kardinal Reinhard Marx stellte das neue Lehrschreiben von Franziskus in München vor

MÜNCHEN. Einmal plauderte Kardinal Reinhard Marx bei der knapp 90-minütigen Pressekonferenz dann doch ein wenig aus dem Nähkästchen – und zwar, als es um den Schlussappell von Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika ging: „Gehen wir singend voran!“, ermutigt der Heilige Vater da den Leser in zuversichtlichem Ton: „Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um diesen Planeten uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen.“ „Das finde ich schön“, meinte Marx, um vor der großen Schar der anwesenden Journalisten in der Katholischen Akademie in Bayern schmunzelnd anzufügen: „Dabei singt Papst Franziskus doch eigentlich nie. Der kann gar nicht singen.“

Gesang hin oder her – wenn die neue Ökologie-Enzyklika schon den Titel „Laudato si“ trägt und somit unmittelbar Worte aus dem berühmten Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi (1181/82 – 1226) aufgreift, dann darf man davon ausgehen, dass der Jesuit Mario Bergoglio, der sich den Heiligen als Namenspatron für sein Pontifikat wählte, sprachlich sicherlich auch ein wenig inspiriert war vom „Poverello“. Dieser lud vor 800 Jahren in seinem Gebet zum Lobpreis auf Gottes gute Schöpfung ein und nannte dabei Sonne, Mond, Sterne, Wind, Wasser Feuer und Erde, ja selbst den Tod, „Geschwister“.

Der Papst habe die Veröffentlichung des Textes ganz bewusst zu diesem Termin geplant, so Marx, um vor den entscheidenden Gipfelkonferenzen zu den Entwicklungszielen im September in New York und zum Klimaschutz im Dezember in Paris eine „weltweite Diskussion und öffentliche Debatte auszulösen, die nachhaltig weitergeht“. Die Kirche sehe der Papst dabei als Gesprächspartner bei allen Prozessen: „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten“ (LS 14). Die Menschheit müsse am Beginn des 21. Jahrhunderts umsteuern. Der Papst nehme dabei auch sich selbst und die Kirche in die Pflicht, verantwortlich mit der Schöpfung umzugehen. „Wer die Schöpfung nicht liebt, kann kein wirklich guter Christ sein.“ Ökologische und soziale Ungerechtigkeiten könnten nicht voneinander getrennt betrachtet werden.

Dabei baue Papst Franziskus „auf die verantwortete Freiheit“ jedes Einzelnen und warne davor, einfach darauf zu vertrauen, dass alles schon irgendwie gut gehe, so Marx. Seine Botschaft sei nicht bequem, sie „rüttle wach“ und mahne jeden Einzelnen, Verantwortung „für das gemeinsame Haus“ (LS 13), für die eine „Menschheitsfamilie“ (LS 52) zu übernehmen. Franziskus schildere zwar die riesigen globalen Probleme und Herausforderungen im Umwelt- und Sozialbereich. Aber er glaube zugleich auch daran, dass die Menschen sich in Freiheit „für das Gute entscheiden, die Herausforderungen bewältigen und die Welt zum Besseren verändern können“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz setzt „große Hoffnungen“ in die Wirkung und Rezeption von „Laudato si“ und hat hohe Erwartungen an ihre Wirkung: „Diese Enzyklika ist eine großes Werk des Papstes.“

Der Münchner Sozialethiker Professor Markus Vogt, der zusammen mit Marx die über 220-seitige Enzyklika in ihren Grundzügen und -aussagen vorstellte, beschrieb den Gesamttext zwar als „etwas lang geraten“, lobte ihn aber dennoch als „gut lesbar, in sehr packender anschaulicher Sprache“ und von großer „theologisch-spiritueller Tiefe“. Erstmals befasse sich ein päpstliches Lehrschreiben mit dem Klimawandel. In seiner Systemkritik an der Wegwerfgesellschaft, die den Planeten zusehends in eine „unermessliche Mülldeponie“ verwandelt habe, nehme der Papst kein Blatt vor dem Mund. Vor allem wende sich Franziskus gegen ein verbreitetes technologisches Denken, das keine Grenzen des Machbaren anerkenne. Trotzdem handle es sich nicht um eine „Drohbotschaft“, sondern um ein Dokument der Zuversicht. Die Enzyklika sei „ein Meilenstein“.

Florian Ertl

Foto: © Archiv
Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management