Benedikt XVI. tritt zurück
Am 11. Februar 2013 kündigt Papst Benedikt XVI. völlig überraschend seinen Rücktritt an, am 28. Februar vollzieht er ihn. Die Münchner Kirchenzeitung würdigt den scheidenden bayerischen Papst mit Anerkennung und Erinnerungen von Menschen, die ihn persönlich erlebt oder gekannt haben.
Papst Benedikt XVI. spendet seinen letzten öffentlichen Segen vom Balkon der päpstlichen Residenz Castelgandolfo. Foto: © IMAGO / ZUMA Press Wire
Die Münchner Kirchenzeitung ordnet den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Februar 2013 in einer ihm persönlich verbundenen Perspektive ein.
Der Kommentar „Einmaliger Hirte“ würdigt sein Pontifikat und deutet den Rücktritt als Ausdruck von Demut und Verantwortungsbewusstsein.
Der Artikel „Große menschliche Geste“ bündelt überwiegend respektvolle Reaktionen aus Kirche und Politik und ordnet den Schritt als historisch außergewöhnlich ein. Der damalige apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, kommentiert die überraschende Rücktrittsankündigung so: „Gott weiß, warum, und der Papst weiß auch, warum.“
Konrad Baumanns Erinnerung ergänzt die öffentliche Würdigung um eine persönliche, biografische Note. Zusammen entsteht ein positives und persönliches Bild von Benedikt XVI.
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Einmaliger Hirte
Er war der erste deutsche Papst seit einem halben Jahrtausend. Er ist auch der erste Papst der Moderne, der zurücktreten wird. Aber wie einmalig der Beitrag ist, den Papst Benedikt XVI. geleistet hat, in seinen Schriften und in seinem Handeln, das wird von der Demut, mit der er seinen Rücktritt verkündet hat, eindrücklich unterstrichen.
Durch diese Bescheidenheit wurde der bayerische Brückenbauer für viele zum Heiligen Vater: für die Anglikaner, die unter dem Dach des Ordinariates nach Rom gekommen sind; für die wachsende Zahl der Anhänger der traditionellen Messe, deren Feier er wieder richtig ermöglicht hat; für die vielen Konvertiten, die das Licht der Vernunft und des Glaubens aus seinen drei Jesus-Büchern haben leuchten sehen; für Millionen begeisterter junger Christen, die ihm auf Weltjugendtagen begegnet sind und auf seinen Reisen in der Welt. Begleitet von ihrem wie unser aller Gebet und Dankbarkeit wird Benedikt XVI. als verlässlicher Hirte nun einen wohlverdienten und lang ersehnten Ruhestand im Gebet ausleben, mitten im Vatikan. Ein singuläres Kapitel der Kirchengeschichte geht damit kontemplativ zu Ende.
Aber für uns, die Katholiken im Erzbistum und ganz Bayern, ist der Heilige Vater, Joseph Ratzinger, auch nach dem 28. Februar weiterhin „einer von uns“. So hat es Kardinal Friedrich Wetter, beim Heimatbesuch 2006 unvergesslich gesagt. Und: Für die Kirchenzeitung ist und bleibt Benedikt XVI. hoffentlich auch weiterhin ein treuer und kritischer Leser. „Wir können uns auf den Seiten der Kirchenzeitung gleichsam in die Augen schauen“, schrieb er der MK zum hundertjährigen Bestehen. Auch das wird einmalig bleiben.
Anian Christoph Wimmer,
Chefredakteur
Große menschliche Geste
Reaktionen auf den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI.
MÜNCHEN. Nachdem am Mittag des Rosenmontags die völlig überraschende Meldung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. über die Agentur-Ticker gelaufen war, gingen zahlreiche Erklärungen ein. Wir bringen hier eine Zusammenfassung der Reaktionen:
Kardinal Reinhard Marx hob im Palais Holnstein, seinem Münchner Amtssitz, die „große, stark theologisch geprägte Lebensleistung“ von Papst Benedikt XVI. hervor. Deshalb bedauere er auch die für ihn überraschende Rücktrittsentscheidung (siehe Seite 1).
Für solch einen „historisch höchst seltenen Beschluss sind großer Mut und Selbstreflektion nötig“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck: „Beides findet meinen außerordentlichen Respekt.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte den Dialog des Papstes mit anderen Kirchen und Religionen heraus, wie etwa in den Beziehungen zu Orthodoxen, Juden und Muslimen. Benedikt XVI. „ist und bleibt einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit“, sagte die Kanzlerin. Sie erinnerte an den Deutschlandbesuch des Papstes. Er habe die Herzen der Gläubigen erreicht.
Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, würdigte die Bedeutung des Pontifikats von Benedikt XVI. Für die acht Jahre gelte es, Gott zu danken, sagte Perisset. „Auch wenn wir überrascht sind – Gott weiß warum und der Papst weiß auch warum“, erklärte Perisset mit Blick auf die Entscheidung.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete den angekündigten Rücktritt als „große menschliche und religiöse Geste“. Benedikt XVI. gebe aller Welt „ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche“.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bedauerte Benedikts Rücktrittsankündigung „zutiefst“: „Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert.“ Die katholische Kirche habe er in den letzten Jahrzehnten zugleich durch seine tief gegründete Theologie geprägt: „Wir sind stolz auf das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. Deutschland und Bayern haben ihm unendlich viel zu verdanken.“
„Der Schritt ist überraschend und ein tiefer Einschnitt für uns alle“, kommentierte Alois Glück, Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, den Rücktritt. „Wir danken Papst Benedikt für seinen großen Dienst und für sein Beispiel als Diener des Glaubens und der Kirche.“
Er sei „sehr traurig“, auch wenn er die Entscheidung persönlich verstehen könne“, sagte der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid. „Schade, dass das großartige Pontifikat, das in Deutschland nicht ausgeschöpft wurde, jetzt zu Ende geht.“
KNA
Erinnerungen an Papst Benedikt XVI.
Im Sommer 1951 empfing ich in Traunstein den Primizsegen von dem auf mich „zerbrechlich“ wirkenden Primizianten Joseph Ratzinger. Bei dieser kurzen Begegnung hat mich der Jungpriester so beeindruckt, dass ich von da an seinen weiteren Lebensweg mit großem Interesse verfolgt habe. Dazu trug auch bei, dass meine älteste Schwester Jahrzehnte Haushälterin beim Kurskollegen Georg Seeanner war. Ich hätte nie geglaubt, dass dieser „zarte“ Mann einmal mehr als 60 Arbeitsjahre schaffen könnte. Lieber Heiliger Vater, Vergelt’s Gott für Ihr Vorbild! Gott segne Ihren hochverdienten Ruhestand!
Konrad Baumann, Au bei Bad Aibling
Foto: © Archiv
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