Nur mal kurz mit Gott reden: Wie Eltern ihren Glauben an Kinder weitergeben können
Viele Eltern möchten ihren Kindern von Gott erzählen – wissen aber nicht, wie. Sie gehen längst nicht mehr regelmäßig in die Kirche, ihr religiöses Wissen ist oft lückenhaft. Mit ihrem Buch möchte Religionswissenschaftlerin Regina Laudage-Kleeberg ihnen Mut machen, den Glauben trotzdem im Familienalltag lebendig werden zu lassen.
Viele Eltern möchten ihren Glauben an ihre Kinder weitergeben. Foto: © AdobeStock/Tomsickova
In der Familie von Regina Laudage-Kleeberg gehört Gott ganz selbstverständlich dazu. „Die Kinder stehen total auf Gott“, sagt sie. Beim Essen, vor dem Schlafengehen oder zwischendurch richtet die Familie das Wort an ihn. Abends auf der Bettkante heißt es dann: „Gott, wir wollen kurz mit dir über unseren Tag reden.“
Für die Katholikin ist das, was sie selbst über Gott erfahren hat, so wertvoll, dass sie es an ihre Kinder weitergeben möchte. Gleichzeitig hat sie sich von manchen kirchlichen Traditionen verabschiedet. Mit ihren Kindern geht sie nicht mehr in den Gottesdienst. „Ich habe mich so unter Druck gefühlt, mit ihnen leise zu sein“, erzählt sie. Der Versuch sei „krachend gescheitert“.
Viele Familien erleben Ähnliches. Sie fühlen sich in Gottesdiensten nicht willkommen oder können mit dem, was dort gesagt und getan wird, wenig anfangen. Gleichzeitig sind die biblischen Geschichten und der Glaube für sie ein Schatz aus der eigenen Kindheit, den sie an ihre Kinder weitergeben möchten. Genau diese Familien möchte Laudage-Kleeberg mit ihrem Buch erreichen.
Über Gott mit Kindern sprechen:
Warum der eigene Glaube der Anfang ist
Die Autorin möchte dazu beitragen, „dass sich die Menschen in der Ressource Religion wieder wohlfühlen“ – unabhängig davon, ob sie regelmäßig in die Kirche gehen oder nicht. Der beste Ausgangspunkt sei Gott selbst: „Diese Kraft, diese unglaubliche Idee eines Wesens, das mich wunderbar findet, so, wie ich bin, und meine Kinder auch.“
Im Buch beschreibt sie ihr persönliches Gottesbild. Sie schreibt von einem Gott, der jedem Menschen Talente schenkt, bedingungslos liebt und dadurch Freiheit ermöglicht. Gott sei für alle da – unabhängig davon, wie jemand zur Kirche, zur Taufe oder zum Christentum stehe. „Ich möchte erzählen, welches Potenzial Glauben eigentlich hat und wie viel Kraft er geben kann“, sagt sie.
Konkrete Anleitungen für religiöse Gespräche mit Kindern bietet das Buch bewusst nicht. „Mein Buch soll keine religionspädagogische Handreichung sein. Davon gibt es schon sehr viele gute“, erklärt die Autorin. Stattdessen lädt sie Erwachsene dazu ein, sich zunächst mit ihrem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. Denn wer Kindern von Gott erzählen möchte, sollte sich zuerst fragen, welches Bild von Gott er selbst in sich trägt.
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Glaube im Familienalltag:
Von Geschwisterstreit bis zur Frage nach dem Tod
Laudage-Kleeberg übersetzt zentrale Inhalte des christlichen Glaubens in den Familienalltag. Sie greift Fragen auf, die Kinder tatsächlich stellen: Liebt Gott auch Geschwister, wenn sie nerven? Liebt er mich noch, wenn ich etwas angestellt habe?
Auch schwierige Themen spart sie nicht aus. Wenn ein Großelternteil stirbt, fragen Kinder, wo der Opa jetzt ist und was nach dem Tod kommt. Anhand alltäglicher Versöhnung zwischen Eltern und Kindern macht die Autorin deutlich, was Auferstehung und Neuanfang bedeuten können. Für sie zeigt sich darin, dass Gott Grenzen überwindet – sogar die Grenze des Todes.
Beim Lesen entsteht der Eindruck, dass Religion für Laudage-Kleeberg keine Pflicht ist und auch kein frommer Leistungsanspruch. Entscheidend ist das Vertrauen auf Gott. „Gott ist für mich eine Größe, die ich zwar nicht richtig umschreiben kann, von der ich aber geborgen bin, egal wie die Welt läuft, wie chaotisch oder schrecklich alles ist. Das ist eine wunderschöne Perspektive.“



