Erste-Hilfe-Kurse
Ehrenamt bei den Maltesern:
Ausbilder seit 66 Jahren
Seit 1960 ist Helmut Bongert aus Bocholt bei den Maltesern. Und fast ebenso
lange bildet er Ersthelfer aus. In dieser Zeit hat er mehrere Ortsgruppen (mit-)gegründet.
Seit Jahrzehnten bildet Helmut Bongert Ersthelferinnen und Ersthelfer aus. Und immer noch ist er mit Spaß dabei. Foto: © Dirk Jochmann
Helmut Bongert lacht, wenn man ihn so nennt: Deutschlands dienstältesten Malteser-Ausbilder. „So einen Doofen muss man erst mal finden“, sagt er und winkt ab. 1959 begann sein Weg beim Malteser-Hilfsdienst. Bongert war 19 Jahre alt und Pfadfinder, als der Kaplan seiner Heimatgemeinde St. Josef Bocholt ihn fragte, ob er nicht eine Ortsgruppe der Malteser mit aufbauen wolle. Er wollte.
Erste-Hilfe-Kurse bei den Maltesern
Schon nach kurzer Zeit hatte Helmut Bongert etwa 40 Interessierte zusammengetrommelt. Im August 1960 gründete sich die Bocholter Ortsgruppe des Malteser-Hilfsdienstes in Borken. Bongert wurde zum Zugführer ernannt, obwohl er dafür nie offiziell ausgebildet worden war. „Aber das war ja alles im Aufbau damals. Da wurde das nicht so eng gesehen“, erzählt er.
Der heute 85-Jährige entschied sich, in die Ersthelfer-Ausbildung zu gehen, und ist bis heute dabeigeblieben. Seit 1960 – mit Ausnahme seiner Wehrdienstjahre – gibt Bongert ohne Unterbrechung Erste-Hilfe-Kurse. Als er berufsbedingt nach Schleswig-Holstein zog, baute er dort die Malteser-Gruppen in Husum und Heide auf. Nach seinem Renteneintritt zog er zurück ins Westmünsterland. „Da habe ich wieder die Ausbildungsleitung übernommen bis 2016. Dann haben meine damalige Stellvertreterin und ich die Positionen getauscht.“
Obwohl Bongert gläubig ist, ist es weniger der kirchliche Hintergrund der Malteser, der ihn antreibt: „Anderen Leuten zu helfen oder ihnen etwas beizubringen, damit auch sie helfen können, ist eine Sache, die für mich eigentlich nicht unbedingt mit dem Glauben zu tun hat. Ich sage immer, eine Verletzung ist nicht katholisch, nicht evangelisch, die tut nur weh. Und dagegen muss ich was tun.“
Auch nach sechs Jahrzehnten ist Helmut Bongert mit Spaß dabei. Foto: © Dirk Jochmann
Erste Hilfe bedeutet Verantwortung
Wer bei ihm im Kurs sitzt, merkt schnell: Helmut Bongert bildet nicht halbherzig aus. Er verlangt Aufmerksamkeit und Beteiligung. Wer fehlt, schläft oder sich verdrückt, bekommt keine Bescheinigung. Das hat ihm nicht nur Freunde eingebracht, doch seine Strenge stammt von seinem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein: „Wer Erste Hilfe nicht ernst nimmt, darf keine Bescheinigung bekommen.“ Gleichzeitig kann Bongert übertriebene „Paragrafenreiterei“, wie er es nennt, nicht ausstehen.
So geht er gegen Ungerechtigkeiten vor und setzt sich für Kollegen ein, auch wenn er dadurch hin und wieder einem Vorgesetzten widersprechen muss. Als beispielsweise einmal sein Mitausbilder ein knappes Jahr ausfiel und dadurch nicht die vorgeschriebene Mindestzahl an Erste-Hilfe-Kursen im Jahr geben konnte, erhielt Bongert einen Anruf vom Diözesan-Geschäftsführer: „Er sagte mir: ‚Dieser Herr hat dieses Jahr gar keinen Kurs gemacht, wir müssen ihm die Ausbildungslizenz aberkennen.‘ Da habe ich gesagt: ‚Wenn Sie das machen, haben Sie ab sofort gar keinen Ausbilder mehr.‘“ Am Ende durfte der Kollege einen Aufbaukurs machen und die Sache hatte sich damit erledigt. Helmut Bongert sagt, für ihn zähle: „Man darf auch mal fünf gerade sein lassen.“
Ehrenamt prägt auch das Privatleben
In seinem Wohnzimmer springen einem die Malteser von allen Seiten entgegen: vom kleinen Wimpel auf dem Beistelltisch über den Zinnteller an der Wand bis zu den Malteser-Aktenordnern im Schrank. Man merkt schnell: Auch im Privatleben spielen die Malteser eine große Rolle. Es war 1975, als Bongert seine spätere Partnerin bei einem Einsatz im Heiligen Jahr in Rom kennenlernte. Sie hielten in den Jahren danach telefonisch Kontakt. Doch erst die Papstwahl von Benedikt XVI. gab den Ausschlag, sich wieder persönlich zu treffen – genau 30 Jahre, nachdem die beiden gemeinsam auf dem Petersplatz Erste Hilfe geleistet hatten. „Und daraus hat sich dann etwas Längeres ergeben“, erzählt Bongert und schmunzelt.
Besonders präsent geblieben sind ihm die Einsätze in der Region um Kaliningrad in Russland. Zwischen 2008 und 2011 reiste Bongert mehrfach mit den Maltesern dorthin, um Kinderheime zu sanieren: Wasseraufbereitungsanlagen installieren, Fenster einsetzen, Beton mischen, alles, was anfiel. „Der Unterschied von Arm und Reich war da wie Tag und Nacht zu sehen. In Kaliningrad-Stadt war alles immer sauber und ordentlich. Aber sobald man etwas außerhalb war, puh …“
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Erfahrung als Ausbilder über Jahrzehnte
In all den Jahren schätzte er den Kontakt zu den Menschen. Wie viele er ausgebildet habe? Bongert überschlägt grob: „Ich glaube schon, dass es an die 10 000 sind.“ Früher gab er bis zu 20 Kurse im Jahr. Heute sind es deutlich weniger – ein paar im Frühjahr, ein paar im Herbst. Ans Aufhören denkt er noch nicht: „Erst, wenn man mich im Kurs nach einer Übung vom
Boden aufheben muss. Ich möchte aber auch nicht so werden wie Johannes Heesters, den man ja praktisch am Klavier festbinden musste.“
Über die Jahrzehnte habe sich vieles verändert, so Bongert. Lehrmethoden, Technik, Regularien: „Früher stand man vorne und hat erzählt. Heute soll man in Beispielen und Übungen lehren.“ Dabei merke man schneller, womit die Kursteilnehmer Probleme hätten oder wo sie häufig auf dem Schlauch stünden. Eine der Fragen, die ihm am häufigsten gestellt würden: Gold- oder Silberseite der Rettungsdecke? „Im Prinzip ist das völlig wurscht. Wichtig ist nur, dass der Patient warm und trocken liegt.“ Sein Rat an neue Malteserinnen und Malteser: „Nicht zu viel auf einmal machen. Es langsam angehen lassen. Auch ruhig ein paar Mal mit einem älteren Malteser losgehen als Begleitung. Und sich vor allem nicht verheizen lassen.“
Lea Brüggemann
Ob hauptamtlich, auf Minijob-Basis oder ehrenamtlich: Die Malteser suchen bundesweit nach engagierten Erste-Hilfe-Ausbildern. Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.malteser.de/karriere/erste-hilfe-ausbildung.html.



