Vom Fußball lernen
Gute Entscheidungen treffen
Warum wir uns bei Entscheidungen manchmal selbst im Weg stehen – und wie Sie mithilfe einer einfachen Fußball-Strategie bessere Entscheidungen treffen.
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Haben Sie sich durch eine Entscheidung schon mal selbst ein Bein gestellt? Oder gar ein Eigentor geschossen? Ich schon! Da übernehme ich in meiner Begeisterungsfähigkeit eine Aufgabe – und kann sie hinterher nur mit größter Anstrengung bewältigen. Ein anderer liebt es, im Mittelpunkt zu stehen – und lässt sich dadurch verführen, Dinge zu machen, die „eigentlich“ im Widerspruch zu seinen Werten stehen. Eine Dritte kaufen sich das neueste iPhone – „Ich muss das unbedingt haben!“ –, obwohl es ihr Budget sprengt.
Die häufigste Ursache für Fehlent-
scheidungen: Innere Unfreiheit
Eine der häufigsten Ursachen für Fehlentscheidungen liegt darin, dass wir uns von unseren Bedürfnissen leiten lassen. Von Vorlieben und Ängsten, von Zuneigung und Abneigung. Natürlich ist es normal, dass die verschiedenen Wahl-Optionen auf unterschiedliche Gegenliebe bei uns stoßen. Auf manche fliegen wir sofort; sind Feuer und Flamme. Auf andere reagieren wir spontan abweisend und allergisch: „Geht gar nicht! Bloß nicht!“
Das Problem: Je stärker und je unbewusster Vorlieben und Abneigungen uns im Griff haben, umso weniger können wir die vorhandenen Optionen offen und unvoreingenommen prüfen. Und umso weniger können wir eine freie und damit auch gute Entscheidung treffen. Bis dahin, dass man manchmal nicht einmal mehr in der Lage ist wahrzunehmen, was einem gut täte. So wie jene Frau, die dem Charme und der sexuellen Attraktivität ihres Geliebten verfallen war – und gar nicht merkte, wie er sie ausnutzte und mit einer anderen betrog.
Gute Entscheidungen vorbereiten:
Der erste Schritt zur inneren Freiheit
Eine gute Entscheidung braucht eine gute Vorbereitung. Ganz wesentlich: Dass ich mich um innere Freiheit bemühe. Es geht darum, innerlich so frei zu werden, dass nicht meine Vorlieben und Abneigungen die Zügel in der Hand haben und mich dorthin lenken, wohin sie wollen. Sondern dass ich eine genügend große Distanz gegenüber meinen Impulsen erringe, so dass ich die Zügel in der Hand halte. Dass ich also nicht nur nach spontanen Gefühlen und Gedanken entscheide, sondern mich in meiner Wahl an inhaltlichen Kriterien orientiere.
Der erste Schritt in Richtung Freiheit liegt in der Bewusstwerdung. Also die verschiedenen Regungen und Motive wahrzunehmen, die sich angesichts der verschiedenen Handlungsoptionen in uns zu Wort melden. In dem Maß, in dem Sie ihre Ängste und Wünsche, Interessen und Widerstände wahrnehmen und benennen, gewinnen Sie einen ersten Abstand zu ihnen. Und dadurch werden diese Impulse „handhabbarer“.
Dem Jesuiten Clemens Blattert – Leiter des Zentrums für Berufungspastoral – verdanke ich ein spielerisches Bild, das hilft, den inneren Impulsen mehr auf die Spur zu kommen: das Bild einer Fußballmannschaft. Vor einem Spiel analysiert ein Fußball-Trainer das gegnerische Team. Er studiert ihre Strategien, die Stärken und Schwächen der Stürmer und der Abwehr. Und er überlegt, wie das gegnerische Team seinen Spielern gefährlich werden könnte. Dementsprechend stellt er dann seine Mannschaft auf.
Innere Gegenspieler erkennen:
Was gute Entscheidungen sabotiert
Im Blick auf das eigene Entscheidungsverhalten lohnt es sich, die inneren Gegenspieler aufzuspüren. Dass wir also jene Dynamiken und Strategien entlarven, die uns dazu bringen, Entscheidungen zu treffen, durch die wir uns selbst ins Abseits manövrieren. Uns zu Fall bringen oder ein Eigentor schießen.
Solche inneren Gegenspieler können zum Beispiel sein:
• der Angstmacher, der immer alles in schwärzesten Farben malt.
• Die Nörglerin, die überall ein Haar in der Suppe findet.
• Der Wehleidige, der sich vom Acker macht, sobald es mühsam und anstrengend wird.
Kampfbereite Stürmer, die jede Abwehr vom Platz fegen können, finden sich oft in der Reihe der eigenen zentralen Bedürfnisse. Denn jede und jeder ist mit irgendetwas erpressbar oder verführbar! Beispielsweise durch Besitz oder Erfolg, durch Macht, Anerkennung oder Angst vor Konflikten.
Ein weiterer mächtiger Gegenspieler ist der Druck: Sei es die knappe Zeit; sei es der Druck, den Menschen oder Situationen auf einen ausüben; oder innere, emotionale Spannungen. Und Zack: Schon hat man ein Eigentor geschossen.
Noch eine letzte Taktik sei erwähnt, durch die sich Menschen bei Entscheidungen selbst im Weg stehen: Wenn heimliche Motive sie zu einer bestimmten Alternative drängen – und sie diese Motive weder sich noch anderen eingestehen (können).
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Die eigenen Stärken stärken
Ebenso interessant und wichtig ist, die Stärken der eigenen Mannschaft zu kennen und ins Spiel zu bringen. Also jene Kräfte, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, mit deren Hilfe Sie den Ball ins Tor schießen – sprich, eine gute Entscheidung treffen.
Zu den „Mitspielern“ gehören zum Beispiel:
• die Mutmacherin, die zum Vertrauen in sich selbst und das Leben aufruft;
• die Nüchternheit, die einer blinden Begeisterung oder Ablehnung Einhalt gebietet;
• die Fähigkeit, um Unterstützung zu bitten;
• die Gewohnheit, sich regelmäßig mit sich selbst zu verabreden und sich die Zeit zu nehmen über die eigenen Motive, Ängste und Wünsche zu reflektieren.
Und schließlich stärkt es die Abwehrreihe, wenn man die eigene Strafraumgrenze kennt und klar definiert. So können Sie den Strafraum ihrer Individualität verteidigen und klar Nein sagen, wenn eine Handlungsalternative ihren Werten widerspricht oder ihre Kräfte übersteigt.
Eine Entscheidungshilfe: Ihre
persönliche Teamaufstellung analysieren
Begleite ich Menschen, gebe ich ihnen manchmal ein Blatt an die Hand und schlage vor: Skizziere, wie deine gegnerische Mannschaft aufgestellt ist. Welche inneren Gegenspieler bedrängen dich und verhindern eine gute Entscheidung? Und entwirf ein Bild deiner eigenen Mannschaft. Wer in deinem inneren Team trägt zu einer guten Entscheidung bei? Und welche Mitspieler brauchen Rückendeckung?
Ob auch Sie Interesse haben, zum Stift zu greifen? Vermutlich werden Sie überraschende und erhellende Entdeckungen machen.



