Achtsamkeit
26.09.2026



Musik mit spiritueller Kraft

Er entzieht sich jeder musikalischen Schublade, auch nach fast 50 Jahren auf den Bühnen der Welt. Auch privat lässt Sting sich kaum festlegen: So bezeichnet er sich als Agnostiker - und ist zugleich offen für Spiritualität. Am 2. Oktober wird der Musiker 75 Jahre alt.
    

Musik bewegt ihn auch spirituell: Kult-Musiker Sting. Musik bewegt ihn auch spirituell: Kult-Musiker Sting. Foto: © IMAGO / Pixsell

„Sting wäre eine weitere Person, die ein Held ist", heißt es in „Zoolander", jener Komödie, die vor einem Vierteljahrhundert ganz Hollywood auf die Schippe nahm und zum Welterfolg wurde. „Die Musik, die er im Laufe der Jahre gemacht hat - ich höre sie mir nicht wirklich an, aber die Tatsache, dass er sie macht, respektiere ich."  

Die Pointe der Filmszene spielt auf pseudo-tiefgründige Celebrity-Verehrung an. Ausgerechnet bei Sting trifft sie jedoch einen wahren Kern: Ob man seine Musik nun besonders mag oder nicht - man kann sie nur respektieren. Sowohl ihre Vielfalt als auch ihre handwerkliche Qualität, ihre stilistische Offenheit und zugleich ihre Zeitlosigkeit. Am 2. Oktober wird der Musiker, geboren im nordenglischen Wallsend als Gordon Matthew Thomas Sumner, 75 Jahre alt.

Sting: Songs mit Tiefgang

Tiefgang und Stimmung: Beides beherrscht Sting seit den Anfängen mit „The Police". Leere Worte umschrieb er mit dem nicht zufällig an den Dadaismus erinnernden Titel „De Do Do Do, De Da Da Da" (1980). „So Lonely" (1978), vom Reggae inspiriert, beweist bis heute auf Partys, dass man einen tieftraurigen - vielleicht ironisch gemeinten - Text in bester Laune schmettern kann. Und „Message in a Bottle" (1979) öffnet eine Tür zu höheren Fragen: Ist nicht jede und jeder irgendwie einer jener "hundred billion castaways, looking for a home"?  

1983 löste sich die Band auf: Sting startete eine Solokarriere. Sein vielleicht größter Hit knüpft an die nachdenklichen Töne an: „Englishman in New York" (1987) ist inspiriert von der Geschichte eines homosexuellen Freundes, auch wenn die besungenen Alltagsmomente – „I don't drink coffee, I take tea, my dear" - nicht ganz so existenziell daherkommen. Die mantra-artig wiederholte Zeile „Be yourself, no matter what they say" hat an Aktualität jedenfalls nichts verloren.
    

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Sting: Von Rock bis Klassik

1992 heiratete Sting zum zweiten Mal. Die Ehe mit Trudie Styler hält bis heute. Beide engagieren sich für Umwelt und Menschenrechte, unter anderem mit einer eigenen Stiftung für den Regenwald. Im selben Jahr erhielt der Musiker einen Ehrendoktortitel. Zwei Jahre später sang er zusammen mit Bryan Adams den Titelsong für den Film „Die drei Musketiere", der ihm einen seiner insgesamt 17 Grammys einbringen sollte.  

Wurde es zeitweise etwas ruhiger um den Megastar, so hätte sein Comeback mit dem Song „Desert Rose" (1999) kaum fulminanter ausfallen können. Musikalische Offenheit bleibt sein Markenzeichen: Nach dieser Zusammenarbeit mit dem algerischen Künstler Cheb Mami tourte er mit Annie Lennox und später mit Paul Simon. Er befasste sich mit Kurt Weill und Johann Sebastian Bach, sang Duette mit Shaggy und Mary J. Blige; er spielte beim berühmten Jazz Festival in Montreux und nahm ein umwerfendes Album mit Orchester auf.

Sting: Spirituell durch Musik

Während seine Songtexte oft schweben, nahm der Künstler immer wieder Gelegenheiten wahr, gesellschaftspolitisch Haltung zu zeigen, am prominentesten vielleicht 2016. Am 12. November trat er bei der Wiedereröffnung des Clubs "Le Bataclan" in Paris auf - genau ein Jahr nach den Terroranschlägen, die in der französischen Hauptstadt 130 Menschen das Leben gekostet hatten. Als ersten Song wählte er „Fragile", den er bereits für ein Benefiz-Album zugunsten der Opfer des 11. September 2001 neu eingespielt hatte.  

Musik zu machen, gebe seinem Leben einen Wert und auch spirituellen Trost, sagte Sting einmal dem „Time"-Magazin. Zugleich bezeichnete er sich als „essentially agnostic"; er habe ein Problem mit allzu starren Gewissheiten religiösen Glaubens. Katholisch erzogen, erklärte er schon früh, wenn Gott existiere, dann in allem, auch in der Natur.  

Bleibt noch zu klären, woher dieser ungewöhnliche Künstlername stammt, der sich mit „Stachel" übersetzen lässt. Wie er selbst berichtete, ist ein gelb-schwarz gestreifter Pullover dafür verantwortlich, in dem er als Jungspund offenbar einer Wespe ähnelte. Ein Bandkollege kommentierte mit: „Gordon's got a sting" - und der Name war gesetzt.

Paula Konersmann

KNA
Artikel von KNA
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